CIO-Interview: «Für kleinere KMU herrscht ein Vakuum an pas­senden Lösungen»

CIO-Interview: «Für kleinere KMU herrscht ein Vakuum an pas­senden Lösungen»

Artikel erschienen in IT Magazine 2020/09
Ist ein Koloss wie SAP für ein Start-up wie Wildbiene + Partner eine Option?
Wie gesagt, wir sind noch nicht einmal in der Evaluation. Aber falls SAP eine Lösung bietet, die klein genug ist und ­ausserdem als Service angeboten wird, dann auf jeden Fall. Man konnte in jüngerer Vergangenheit ja sehen, dass die ­grossen, monolithischen Anbieter entdeckt haben, dass es viele KMU gibt, die aktuell noch auf kleine oder selbstgebaute Lösungen setzen, aber durchaus Bedarf hätten nach Lösungen, die weder auf Start-ups noch auf Konzerne zugeschnitten sind. Kein kleineres KMU kann sich SAP im vollen Umfang leisten, und kein KMU braucht den vollen Umfang von SAP. Doch wenn SAP seine Lösungen herunterskaliert und dann noch aus der Cloud anbietet, wird das Ganze auch für KMU spannend. Und das gilt nicht nur für ERP-Lösungen.

Gibt es Projekte, die Sie gerne umsetzen würden, allerdings mangels Ressourcen nicht umsetzen können?
Davon gibt es mehrere. Eine aktuelle Herausforderung dreht sich um das Thema Internet of Things (IoT) im Zusammenhang mit unseren Kühlschränken und dem Produkt, dass wir darin lagern. Ich würde hier gerne einen gewissen Automatisierungsgrad erreichen. Hier würde sich RFID in Kombination mit Sensorik anbieten, so dass der Kühlschrank selbst weiss, welche Produkte er bei welchen Bedingungen gerade lagert. Wir haben unsere Fühler nach entsprechenden Lösungen ausgestreckt, doch all die Lösungen, die wir gefunden haben, sind stark auf grosse Industrien ausgelegt. Sie sind teuer und in meinen Augen wenig flexibel – bestehen aus Hard- und Software, die genau für eine bestimmte Aufgabe eingesetzt werden kann. Hier ist es ähnlich wie bei den grossen ERP-Lösungen – es gibt durchaus noch Potenzial für Anbieter, sich für Unternehmen aus anderen Sparten zu öffnen und ihre Lösungen herunter zu skalieren. Gleichzeitig bin ich überzeugt, irgendwo auf der Welt gäbe es die eine Lösung, die wir brauchen. Diese zu finden ist eine Herausforderung.

Wo liegen sonst noch Ihre Herausforderungen?
Zum ersten in den Beschränkungen, die mir das Budget auferlegt. Und zum zweiten in unserer aktuellen Grösse. Wildbiene + Partner bewegt sich heute irgendwo zwischen Start-up und KMU, und in diesem Raum ist es manchmal schwierig, passende Software zu finden. Es gibt Lösungen, die für ein Start-up passen, und solche die für ein KMU mit einigen Hundert Leuten passen, aber im Bereich der kleineren KMU habe ich manchmal das Gefühl, es herrscht eine Art Vakuum an passenden Lösungen.

Und was reizt Sie persönlich an Ihrer Tätigkeit?
Die Arbeit für ein Start-up als solches, die einhergeht mit gewissen Freiheiten. Ich bin früh bei Wildbiene +Partner eingestiegen und konnte auf der grünen Wiese all das implementieren, was ich als sinnvoll erachtete. Darin liegt nach wie vor ein grosser Reiz meiner Position: Alles, von dem ich denke, es könnte uns weiterbringen, kann ich ausprobieren. Abgesehen vom Budget habe ich dabei kaum Einschränkungen. Letztlich arbeite ich heute mehr als früher in meiner Karriere, aber dafür auch lieber.

Florian Schröder

Florian Schröder, CIO, Wildbiene (Quelle: Wildbiene)
Florian Schröder hat an der Uni Zürich Geografie studiert und an der Uni Genf den Master in Asienwissenschaften absolviert. Er studierte und arbeitete einige Jahre in China, bevor er in Zürich in die Unternehmensberatung im Versicherungsumfeld einstieg, wo er fünf Jahre lang tätig war. Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung ergab sich 2014 dann die Möglichkeit, bei Wildbiene + Partner einzusteigen. Heute ist der 38-Jährige CIO und COO beim Start-up.

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