Vollwertiger Online-Fernunterricht im digitalen Klassenzimmer

Vollwertiger Online-Fernunterricht im digitalen Klassenzimmer

1. April 2020 - Die Privatschule Academic Gateway wollte per August das Online-Gymnasium für die Matur lancieren. Wegen der Corona-Krise wurde der Launch nun vorgezogen. Fast 160 Schüler werden nun im virtuellen Klassenzimmer unterrichtet.
Artikel erschienen in IT Magazine 2020/04

Analoge Prozesse stringent digitalisiert

Academic Gateway bietet Matur in einem Jahr an und hat schon 2016 damit begonnen, ein virtuelles Klassenzimmer zu entwickeln. Geplant war, im August 2020 das schweizweit erste Online-Gymnasium für die Matur zu launchen. «Als die Schulschliessungen wegen Corona verkündet wurden, haben wir den Start unseres vollintegrierten, digitalen Klassenzimmers einfach vorgezogen», so Fuchs. «Innerhalb von zwei Tagen haben wir komplett auf das virtuelle Unterrichtsformat umgestellt.»

Technische Fragen waren bei der Entwicklung des digitalen Klassenzimmers nur bedingt eine Herausforderung. «Wir mussten zuerst unsere Lehrpersonen mit den Möglichkeiten bekannt machen und ihnen Vertrauen in digitales Arbeiten vermitteln. Und es mussten bewährte analoge Prozesse, didaktische und pädagogische Abläufe digitalisiert werden. Viel Zeit wurde in Schulungen der Lehrpersonen investiert.» Die technische Anwendung der einzelnen Applikationen war nicht das Problem. Die Benutzung ist einfach. «Im Vordergrund stand die Frage, wie wir einen einheitlichen Auftritt trotz unterschiedlicher Unterrichtsstile gewährleisten. Von der Ablage bis hin zur onlinefähigen Aufbereitung aller Lerninhalte», so Fuchs.

Durch klare Vorgaben wissen alle Lehrpersonen, welche Dokumente wo abzulegen sind. Alles wird in einem einheitlichen Design umgesetzt und präsentiert. Fuchs: «Unsere Lehrpersonen hatten schon seit Jahren den Auftrag, den Schulunterricht, alle Lektionen und alle Lerninhalte eins zu eins auf der E-Learning-Plattform zu spiegeln.» Ein Aufnahmesystem ermöglicht die Archivierung des gesamten Unterrichts und dient Schülern zur Repetition sowie zum Nachholen, falls krankheitsbedingt etwas verpasst wurde. Jede Lektion werde archiviert, ebenso der Vertiefungsunterricht in digitalen Kleinklassen. All diese Abläufe habe man selbst evaluiert, die Prozesse angeschaut beziehungsweise angepasst und eigenhändig implementiert. «Wir wollten von Anfang an ein virtuelles Klassenzimmer. Daran haben wir hart gearbeitet und auch eine Lösung gefunden. Das war aufwändig. Wir haben hier, als sehr junge Firma, über 10’000 Mannstunden investiert», so Fuchs.
Keiner Lehrperson habe es während der Entwicklung an Motivation gefehlt. Das sei nie ein Problem gewesen. «Aber jeder arbeitet anders. Hier haben wir angesetzt. Es gab Schulungen, Richtlinien und Vorlagen, es gab didaktische und technische Unterstützung. Uns war immer klar, dass wir die Menschen mit den Möglichkeiten vertraut machen müssen», so Fuchs. Bei den Schülern war das etwas einfacher. Altersgemäss sind ihnen digitale Angebote vertrauter. Wenn die technischen Voraussetzungen passen, seien die Tools nicht das Problem. Fuchs: «Herausfinden mussten wir, wie man das Nutzererlebnis optimiert: pädagogisch, didaktisch – und nur gelegentlich auch technisch.»

Es gibt zwei wesentliche Unterschiede zum Unterricht in der normalen Schule: Die Schüler sind physisch nicht anwesend. Wenn sie nicht wollen, loggen sie sich nicht ein oder hören einfach nicht zu. «Klar – das gibt es, passiert bei uns aber sehr selten. Unsere Schüler sind motiviert und wollen lernen. Sie sind froh, dass wir während dieser Corona-Krise den gewohnten Unterricht gewährleisten», sagt Fuchs. Der zweite Unterschied: Klassisches E-Learning, wie es Universitäten seit Jahren praktizieren, setze sehr viel Selbstdisziplin voraus. Denn der Student muss sich seinen Stoff überwiegend selbst aussuchen und beibringen. Hier mache es Sinn, wenn sich Schüler oder Studierende miteinander in Kleingruppen vernetzen und gemeinsam lernen. Das fördere die Motivation.

Lerninhalte gratis während Corona-Krise

«Meines Wissens macht keine andere Grund-, Sekundar- oder Matur-Lehranstalt in der Schweiz einen vollwertigen Online-Unterricht», sagt Fuchs. Academic Gateway ist daher bereit, die eigene Lösung auch anderen Schulen zur Ver­fügung zu stellen. «Die technische Lösung, nötige Tools und unsere Erfahrung stehen zur Verfügung.» Die Voraussetzungen sind einfach. Lehrpersonen haben digitales Unterrichtsmaterial. Es müssten Schulungen stattfinden, das ginge online. Dafür, so Fuchs, würden etwa 14 Tage reichen. Dann braucht es auf beiden Seiten – Lehrpersonen wie Schülern – eine funktionierende Internetverbindung, einen Rechner mit Kamera sowie Mikrofon.

Fuchs geht noch einen Schritt weiter: «Schülerinnen und Schüler öffentlicher Lehreinrichtungen können ab sofort unser E-Learning gratis nutzen. Wer sich bei Academic Gateway meldet, bekommt – solange alle Schulen geschlossen sind – einen kostenlosen Zugang zu unseren digitalen Lernmaterialien. Ideal ist das vor allem für jene, die bald die Maturprüfungen ablegen müssen.» Interessierte Schüler können sich unter der folgenden E-Mail-Adresse anmelden: soli@academic-gateway.ch (mw)
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