Blockchain und die dezentrale Zukunft

Blockchain und die dezentrale Zukunft

Artikel erschienen in IT Magazine 2018/06

Private und öffentliche Blockchain – wo liegt der Unterschied?

Zu unterscheiden sind Blockchain-Anwendungen im privaten oder öffentlichen Bereich. Bei einer privaten Blockchain interagieren die Teilnehmer in einem privaten Netzwerk von Computern, das einem oder mehreren autorisierten, zentralen Gründern gehört, die wiederum verwalten und regulieren das Netzwerk. Die private Blockchain funktioniert dabei ähnlich wie ein verteiltes Hauptbuch oder Register, auf welches nur autorisierte Teilnehmer zugreifen können. Private Blockchains können ein entscheidender Baustein sein, um Geschäftsprozesse zu vereinfachen, zu automatisieren und deren Vertrauenswürdigkeit zu steigern – und dabei Ressourcen sparen.

Um diese Vorteile auf ganze Industrien ausweiten zu können und durch Netzwerkeffekte zu steigern, verbünden sich zunehmend Unternehmen zu Konsortien. Denn in einem offenen Ökosystem vereint können sie den Nutzen der Blockchain um ein Vielfaches erhöhen. Etliche Industrien, die unter enormem Kostendruck stehen, experimentieren mit der Blockchain-Technologie, um etwa die Einhaltung regulatorischer Vorschriften mit nicht manipulierbaren Daten zu gewährleisten. Analysten erwarten, dass dank neuer Anwendungen mit Blockchain-Technologie jährlich 15 bis 20 Milliarden Dollar allein in der Finanz­industrie, der Versicherungsbranche und dem Gesundheitswesen weltweit eingespart werden können.
Konkrete Anwendungsbeispiele aus der Finanzindustrie sind Joint-Ventures von Bankinstituten, die im Bereich des KYC (engl. Know Your Customer, was mit "Kenne deinen Kunden" zu übersetzen ist) gemeinschaftlich die Legitimationsprüfung von bestimmten Neukunden zur Verhinderung von Geldwäsche durchführen. Die erfasste und überprüfte Information des Kunden bezüglich seiner Herkunft, wie sein Geschäftsmodell aussieht und woher die Finanzströme stammen, werden auf der Blockchain gespeichert und stehen für alle Finanzinstitute zum Abruf bereit – manipulationssicher und mit allen versiegelten historischen Eintragungen. Dies geschieht selbstverständlich nur im Einverständnis mit dem Kunden. Sein Vorteil ist, dass er in Zukunft ganz einfach eine neue Bankenbeziehung eröffnen kann, da er seine neue Bank ermächtig, diese Daten zu verwenden.

Unter einer öffentlichen Blockchain versteht man ein Netzwerk von Computern, dem jede Entität autonom und frei beitreten kann, um Informationen oder Transaktionen eintragen zu können. Es gibt keine zentralen Verwalter. Das Netzwerk reguliert sich selbst über ein Protokoll, das die Prozesse und Abwicklungen der Blockchain-Datenbank festlegt und von der Mehrheit der Teilnehmer des Netzwerks bestimmt wird. Anwendungen solcher öffentlichen Blockchains sind in der Realwirtschaft noch wenige vorhanden – vielmehr sind sie bekannt in Zusammenhang mit Kryptowährungen wie Bitcoin. Es gibt jedoch immer mehr Start-ups und Institutionen, die sich dem Nutzen der von dieser Technologie abgeleiteten Plattformen zu Eigen machen wollen. Sie könnten aller Voraussicht nach sogar ganze Industrien umkrempeln. Viele dieser gegründeten Start-ups sind im sogenannten Crypto Valley (angelehnt an Silicon Valley) der Stadt Zug, das unter anderem von der Financial Times als das globale Zentrum für Blockchain- und Kryptoentwicklungen bezeichnet wurde, anzutreffen.

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