CIO-Interview: «Ein Streitpunkt ist immer die Priorisierung»

CIO-Interview: «Ein Streitpunkt ist immer die Priorisierung»

Artikel erschienen in IT Magazine 2016/10
Sie haben es angesprochen: Fachkräfte und insbesondere Entwickler zu finden, ist schwierig. Liegt das nur daran, dass Mägenwil nicht der Nabel der Welt ist?
Der Entwicklermarkt ist generell sehr trocken, und der Markt für PHP-Entwickler, die wir jüngst gesucht haben, ist noch etwas trockener. Wir haben im gesamten deutschsprachigen Raum gesucht, und wir wurden letztlich auch fündig, das aber mit sehr viel Aufwand. Wir haben sämtliche Kanäle genutzt, die es gibt – von Entwicklerforen über Headhunter und persönliche Kontakte bis hin zu Facebook und Co. Und ja, eine erste grosse Hürde war, die Entwickler überhaupt dazu zu bewegen, nach Mägenwil zu kommen und sich das Ganze einmal anzuschauen. Unser Standort ist sicher kein Vorteil. Doch wenn wir einem Kandidaten dann einmal zeigen durften, was wir alles machen und auf welchem Niveau wir entwickeln, dann ist das Interesse schon merklich gestiegen und wir konnten die Allermeisten auch davon überzeugen, für uns zu arbeiten. Technologisch spielen wir ganz vorne mit, und wir investieren sehr viel in die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter, damit das so bleibt.

Was hat Sie persönlich denn gereizt, Ihren Job in Mägenwil anzunehmen?
Bei mir war es ähnlich wie bei den Spezialisten, die wir suchten: Auch ich musste zuerst überzeugt werden, mir das Ganze hier anzuschauen. Unter anderem wurde mir versprochen, dass ich den Inhaber kennenlernen dürfte, und tatsächlich war Roland Brack dann beim ersten Gespräch, das überdies sehr positiv war, mit dabei. Als ich dann gesehen habe, was hier alles gemacht und auf welchem Niveau gearbeitet wird, war ich enorm positiv überrascht und rasch überzeugt. Ich komme ja aus der Software-Entwicklung, und die Bedeutung von Software-Entwicklung ist bei meiner Aufgabe hier sehr gross.

Was bezeichnen Sie aktuell als grösste Herausforderung in Ihrem Job?
Eine schwierige Frage. Ich glaube, die grösste Herausforderung ist der Punkt, den ich bereits angesprochen habe und der nicht nur mich, sondern die ganze Führungscrew betrifft: Das richtige Setzen von Prioritäten. Wir bewegen uns in einem sehr aggressiven Wettbewerbsumfeld. Die Art und Weise, wie die Kunden einkaufen, verändert sich. Hinzu kommen neue Mitbewerber, die in den Markt drängen, und Margen, die zunehmend kleiner werden. Für uns bedeutet das, dass wir agil bleiben und mit neuen Ideen aufwarten müssen. Entsprechend gibt es viele Projekte, die anstehen. Dabei die Ressourcen auf die richtigen Projekte anzusetzen, ist eine grosse Herausforderung.

Ist der Druck auch dadurch gross, weil die IT der matchentscheidende Faktor für den Unternehmenserfolg ist?
Soweit würde ich nicht gehen. IT ist ein wichtiger Teil des Puzzles. Aber der Unternehmenserfolg hängt natürlich von der Leistung aller Abteilungen ab. Es ist aber sicher so, dass die IT nicht nur ein reiner Kostenblock, sondern auch ein Enabler ist. Von der IT wird auch zunehmend erwartet, selber Ideen einzubringen, die dazu beitragen, dass wir erfolgreich bleiben. Aber letztlich gewinnen und verlieren wir als Team.

Zum Unternehmen

Die Competec-Gruppe besteht aus den Etailern Brack.ch und Babymüller.ch sowie dem Handelsunternehmen Alltron, das ausschliesslich Wiederverkäufer bedient. Ebenfalls zur Unternehmensgruppe gehören der Logistikdienstleister Competec Logistik sowie Competec Service als Anbieter der zentralen Dienste wie IT, Finanzen oder Personal. Die gesamte Gruppe zählt über 500 Mitarbeiter und hat im letzten Jahr mit rund 370’000 Kunden 535 Millionen Franken Umsatz gemacht. Der Competec-­Hauptsitz ist in Mägenwil, daneben unterhält das Unternehmen ein grosses Logistikzentrum im luzernischen Willisau.

Marcel Rassinger (46) hat seinen Job als IT-Leiter der Competec-­Gruppe im Februar 2015 angetreten. Vor seinem Wechsel zur Competec-Gruppe war der Diplom-Ingenieur und studierte Physiker während 15 Jahren für das Unternehmen E2E-Technologies tätig, zuletzt als CTO. Rassinger, der aus dem Vorarlberg stammt, ist bei Competec als CIO Teil der erweiterten Geschäftsleitung. (mw)
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