Microsoft Hololens im Test: Wenn Realität und Fiktion verschmelzen

Microsoft Hololens im Test: Wenn Realität und Fiktion verschmelzen


Holografisches Surfen mit Edge-Browser

Schliesslich haben wir uns auch noch eine ganz normale und Windows-10-Nutzern bestens bekannte App angeschaut, nämlich den Browser Edge. Mit der Hololens kann man irgendwo im Raum ein Browser-Fenster öffnen und drauf los surfen. Dieses Fenster kann man in der Grösse beliebig verändern, wie übrigens auch alle anderen holografischen Elemente, die man in einen Raum zaubert. Dazu bewegt man den Cursor in eine Ecke, vollführt einen Air Click, hält und zieht. Das klappte bei uns nicht auf Anhieb, wie übrigens auch das Scrollen auf unserer holografischen Website, was ebenfalls gelernt sein will.

Die Bedienung des Browsers kann Microsoft also noch vereinfachen. Allerdings dürfte gerade diese Anwendung vermutlich nicht im Zentrum der Entwicklung steht. Dafür sah die Website von "Swiss IT Magazine", die wir nicht etwa speziell für Hololens optimiert hatten, einwandfrei aus. Alles funktionierte wie auf einem PC. Um ins Internet zu gelangen, braucht die Brille übrigens eine WLAN-Verbindung, einen Mobilfunk-Chip hat Microsoft bis jetzt noch nicht eingebaut.

Wer will, kann anstelle der gerade im Edge-Browser vielleicht etwas umständlichen Bedienung mit den verschiedenen Gesten auch Sprachbefehle nutzen. Das klappte in unserem Test ganz gut, wobei momentan erst englischsprachige Befehle unterstützt werden. So kann man zum Beispiel "Next" sagen, um in den Einstellungen einen nächsten Menüpunkt aufzurufen, und muss nicht erst den Kopf zum entsprechenden Button drehen und einen Air Click vollführen.

Zum Teil mussten wir einen Befehl zwar mehrmals geben, bis es klappte, aber die Spracherkennung – übrigens ist auch Cortana mit an Bord – ist sicher eine sinnvolle Ergänzung. Und wer sich letztendlich auch darüber ärgert: Im Lieferumfang der Hololens Developer Edition findet man noch einen Clicker, der anstelle eines Air Click in die Hand genommen und zum Klicken, Auswählen, Scrollen oder Halten genutzt werden kann.

Akku hält bis zu fünf Stunden

Unsere Zeit mit der Mixed-Reality-Brille verging wie im Flug. Auf einmal war es schon 17:00 Uhr und unser Hololens-Test fand ein jähes Ende. Der Akku, der liesse problemlos noch mehr zu und zeigte nach anderthalb Stunden immer noch über 60 Prozent an. Nach Erfahrung von Gian Paolo Santopaolo hält er bei intensiver Nutzung zwischen drei und fünf Stunden, das kommt also etwa hin. Der Microsoft MVP hat sich zur Sicherheit aber trotzdem noch ein hosentaschengrosses Akkupack eines Drittherstellers gekauft, das er via den Micro-USB-Port an der Brille und ein mitgeliefertes Kabel anschliessen kann und so die Hololens sogar während dem Gebrauch laden kann.

Übel oder schwindlig wurde uns während dem ganzen Test wie versprochen nie – und auch danach nicht. Auf dem Nachhauseweg nach Zürich machte sich dann aber eine gewisse Müdigkeit bemerkbar und wir mussten vor allem unsere durch die vielen Eindrücke vermutlich etwas überanstrengten Augen etwas ruhen lassen. Stellt sich also nur die Frage, wann die Hololens endlich auch in der Schweiz zu haben sein wird. Die Antwort darauf kennt man momentan wohl selbst bei Microsoft nicht. Bis es soweit ist, steht interessierten Entwicklern seit Ende März aber zumindest ein Emulator zur Verfügung, um holografische Anwendungen auf dem PC ohne Brille testen können. Aber natürlich ist es viel spannender, real und nicht virtuell in die Mixed-Reality-Welt einzutauchen.

Fazit: Virtual Reality ist derzeit in aller Munde. Microsoft geht mit der Hololens und dem Mixed-Reality-Ansatz bewusst einen eigenen Weg. Ob er ans Ziel führen wird, ist momentan noch schwer abzuschätzen. Die Development Edition funktioniert, erste Anwendungen zeigen das Potential, doch gibt es heute schon Unternehmen, die genau auf ein solches System warten? Denn als Spielzeug will Microsoft die Brille nicht positionieren. Vielleicht ist es darum gar nicht schlecht, wenn die Entwicklung noch etwas dauert. So hat man auch genug Zeit, Dinge wie das derzeit doch noch sehr eingeschränkte Sichtfeld zu verbessern. Und bestimmt kriegt man auch den Preis und das Gewicht noch runter. Eindrücklich ist derweil schon heute, was Microsoft im Gegensatz zur Konkurrenz im VR-Bereich alles in die Brille zu packen vermag und dass man ganz ohne separaten High-end-PC, Kabel und weiteres Zubehör auskommt. (mv)
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Kommentare

Mittwoch, 1. Juni 2016 SigismundRuestig
"Eine Life-App wacht über mein Leben. In Sicherheit soll ich mich wiegen. Macht mich gläsern fürs Gewinnstreben. Versicherungsprämien sind bald gestiegen...." Der Song "nur virtuell" bringt es auf den Punkt: http:/ / youtu.be/ WzvpF6JR1cE Viel Spaß beim Zuhören und: lasst Euch die Realität nicht vermiesen!

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