Editorial: Entscheid zwischen Funktionalität und Design

Editorial: Entscheid zwischen Funktionalität und Design

6. April 2014 -
Artikel erschienen in IT Magazine 2014/04
Auf einem guten Weg ist hier Google, das anscheinend erkannt hat, dass nicht nur die Funktionalität bei einem solchen Gadget zählt und künftig mit dem italienischen Brillen-Hersteller Luxottica – bekannt für seine Ray-Ban- und Oakley-Brillen – zusammenarbeiten will. Denn die Masse wird eine smarte Uhr nicht primär aufgrund ihrer Funktionalität oder der neuesten darin verbauten Technologie kaufen. Hässliche Uhren werden folglich auch künftig Ladenhüter bleiben und nicht getragen werden – egal wie viele Funktionen sie beinhalten. Auch hier lässt Apples iPhone grüssen. Aber auch mit tollem Design wage ich zu bezweifeln, dass Datenbrillen wie etwa Google Glass je etwas für den Massenmarkt sein werden. Am ehesten sehe ich noch Potential für den Einsatz in spezifischen Bereichen. So eignen sich die Brillen vielleicht für Menschen, die für ihre Arbeit freie Hände brauchen, gleichzeitig aber auch auf Informationen aus dem Computer zugreifen müssen. Oder aber für gewisse Einsatzgebiete im Sport. Ein Mountainbiker könnte damit etwa die gefahrene Strecke via GPS erfassen, erfahren, wie viele Kilometer oder Höhenmeter er hinter sich gebracht hat und im Notfall, wenn er sich verirrt hat, herausfinden, wo er sich gerade befindet. Solange er aber auch noch ein Smartphone zur Smartwatch mitführen muss, damit die Uhr funktioniert, bleibt dieses Szenario noch Zukunftsmusik.
Und schliesslich drängt sich mir die Frage auf, ob eine noch engere Verbindung von Mensch und Computer wirklich notwendig ist. Bereits jetzt gehören Gadgets wie Smartphones oder Tablets zu unseren ständigen Begleitern. Doch noch können wir sie bei Bedarf jederzeit beiseite legen und ignorieren. Mit einer Uhr am Handgelenk oder einer – gar noch korrigierten – Brille ist die Verknüpfung enger. Zudem lassen sich gewisse Datenschutz-Einwände nicht von der Hand weisen. Will ich tatsächlich eine Uhr, die sämtliche Vitaldaten wie den Blutdruck und in Zukunft vielleicht sogar gar den aktuellen Körperfettanteil oder Blutalkoholwert speichert? Und was passiert mit diesen Daten, wenn sie in die Hände meiner Krankenkasse gelangen? Wie stellen die Hersteller also sicher, dass meine irgendwo in der Cloud gelagerten Daten auch tatsächlich sicher sind?
Für mich sind das eindeutig zu viele Punkte, die gegen Wearable Devices als das nächste grosse Ding für die Massen sprechen. Aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren.
(abr)
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