Software-Eldorado oder neuer IT-Hype?

Software-Eldorado oder neuer IT-Hype?

Artikel erschienen in IT Magazine 2013/04

Gewinner und Verlierer im Goldrausch


Doch wie immer bei historischen Goldrausch-Wellen gibt es Gewinner und Verlierer. Blenden wir deshalb kurz in die jüngere Vergangenheit zurück und schauen, was wir aus dem realen Goldrausch für die virtuelle Neuauflage lernen können.
Der erste kalifornische Goldrausch beginnt 1848, als ein Arbeiter vor dem Sägewerk auf der Ranch Neu-Helvetien des Schweizers Johann August Sutter ein Goldnugget findet. Der Goldfund fällt in eine Zeit wirtschaftlicher Depression und lockt in der Folge Hundertausende von Zuwanderern an, die in Kalifornien ihr Glück versuchen wollen. Dem ersten Goldrausch in Kalifornien folgen noch zwei weitere Wellen mit dem Colorado Gold Rush (1858) und dem Black Hills Gold Rush (1874). Schliesslich löst 1896 ein Goldfund in Alaska einen letzten Goldrausch aus, der insgesamt mehr als 100’000 Goldsucher auf den Weg nach Klondike führen wird. Der Klondike-Goldrausch ist insofern speziell, als zu diesem Zeitpunkt bereits erste Fotokameras in Gebrauch waren und sich der interessierte Lesende via Suchmaschine im Web ein eigenes Bild von dieser verrückten Zeit machen kann.
All diesen Goldrausch-Wellen ist eines gemeinsam: Nur ganz wenige Glückspilze wurden wirklich reich. Die meisten Goldsucher blieben bettelarm, weil sie entweder nur geringe Mengen an Gold fanden, ihren Gewinn in Form von Alkohol und anderen Freuden gleich wieder verprassten oder von allerlei Dienstleistern übers Ohr gehauen wurden. Ein sicherer Weg zu Wohlstand führte derweil über den Vertrieb von Goldsucher-Equipment wie etwa dem Verkauf von strapazierfähigen Hosen aus Zeltplanen, die den deutsch-amerikanischen Industriellen Levi Strauss reich und später weltberühmt machen sollten.

Der Long Tail war nie länger

(Quelle: Microsoft)
Das führt uns zurück zur Appconomy und ihren Parallelen zum grossen Goldrausch im 19. Jahrhundert. Denn neben den Gewinnern wie den super erfolgreichen App-Publishern à la Rovio Entertainment, ist es auch heute alles andere als einfach, mit dem Verkauf von Apps reich zu werden. Zu gross ist die Konkurrenz inden populären App Stores von Apple, Google oder Microsoft. Der erste App-Marktplatz wird demnächst die einmillionste App publizieren. Gemäss Beratungsdienstleister App Promo zeigt sich, dass 80 Prozent der App-Publisher zu wenig verdienen, um davon leben zu können. 68 Prozent der App-Publisher verdienen weniger als 5000 Dollar mit ihrer erfolgreichsten App und 59 Prozent aller Apps spielen nicht mal die Entwicklungskosten ein.
Ganz anders sieht die Situation für die genannten App-Store-Provider aus, die je nach Anbieter einen Anteil von 20 bis 30 Prozent am App-Verkaufspreis als Provision einstreichen, was angesichts der totalen App-Umsätze bereits jetzt ein Milliarden-Business ist. «Sillicon Alley Insider» schätzt beispielsweise, dass 2012 das letzte Jahr war, in welchem App-Marktführer Apple mit Musik- und Videoverkäufen mehr umgesetzt hat (8,1 Milliarden Dollar) als mit dem Verkauf von Apps (7,5 Milliarden Dollar).
Doch auch für die kleineren Player bietet die Appconomy ein Auskommen. Aus eigener Profilierung schätzen wir, dass mittlerweile in der Schweiz bereits über Hundert Agenturen hauptsächlich von der Auftragsentwicklung von Apps leben.

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Anti-Spam-Frage Wieviele Fliegen erledigte das tapfere Schneiderlein auf einen Streich?
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