Die ausgeweitete Kennzeichnungspflicht zeigt Wirkung. Beim Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) gingen von Januar bis Juni jeweils mehr als 400 Meldungen pro Monat zu betrügerischen Anrufen im Namen von Behörden ein. Im Juli waren es weniger als 100. Das
BACS führt den Rückgang in einer
Mitteilung zu seinem Halbjahresbericht auf die ausgeweitete Kennzeichnungspflicht zurück. Für Anrufe aus dem Ausland mit gefälschten Schweizer Festnetznummern gilt diese bereits seit Januar. Seit dem 1. Juli werden auch Anrufe mit gefälschten Schweizer Mobilfunknummern gekennzeichnet.
Trotz des Rückgangs bei den Fake-Anrufen bleibt die Cyberbedrohung hoch. Im ersten Halbjahr 2026 erhielt das BACS insgesamt 27'128 freiwillige Meldungen zu Cybervorfällen. Laut dem Bericht setzen Kriminelle vermehrt KI ein, um Betrugsversuche auf einzelne Personen zuzuschneiden. Als Grundlage dienen ihnen Informationen aus Kleinanzeigen, Suchmaschinen und Datenlecks. Besonders ins Visier gerieten Stellensuchende, die mit vermeintlichen Traumjobs oder Investitionsangeboten angelockt wurden.
Bei Schweizer Unternehmen verzeichnete das BACS zahlreiche Meldungen zu Microsoft-365-Phishing. Die Täter übernahmen geschäftliche E-Mail-Konten und gaben sich anschliessend als Führungskräfte oder Mitarbeitende des Helpdesks aus. Damit versuchten sie, weitere Systeme zu kompromittieren oder Zahlungen auszulösen. Die Zahl der gemeldeten Ransomware-Angriffe blieb mit 79 Fällen stabil.
Zusätzlich zu den freiwilligen Hinweisen erhielt das BACS 200 Meldungen im Rahmen der Meldepflicht für kritische Infrastrukturen. Die meisten stammten aus der Verwaltung (19,4 %) sowie aus IT und Telekommunikation (18,6 %). Bei den Angriffsarten lagen Hacking-Vorfälle mit rund 26 Prozent vorne. Dahinter folgten der Diebstahl von Zugangsdaten mit 13,5 Prozent sowie Datenabflüsse und DDoS-Angriffe mit jeweils 12,7 Prozent. Gezielte Cybersabotage gegen kritische Infrastrukturen in der Schweiz stellte das BACS bislang nicht fest.
(dow)