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Kolumne: Die neue IT-Elite ist nicht die erfahrenste

Fabian Dütschler über die Skills, die für IT-Jobs in Zukunft wirklich zählen.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2026/06

     

Meiner Meinung nach verändert Künstliche Intelligenz unser Leben schneller als jede technologische Welle zuvor. Und wenn man ehrlich ist, klingt das eigentlich fast absurd. Schneller als das Internet? Schneller als Cloud Computing? Jeff Bezos meinte letzte Woche in einem Interview: «Bisher hat man den Menschen eine Schaufel gegeben, um ein Haus zu bauen. Was wird wohl passieren, wenn man ihnen plötzlich einen Bulldozer gibt?»


Genau das beschreibt meiner Meinung nach sehr gut, was aktuell passiert. Viele Menschen und auch viele Unternehmen unterschätzen noch komplett, wie stark sich dadurch die Dynamik auch innerhalb von Teams verändern wird. Früher war Erfahrung fast automatisch der grösste Vorteil. Wer zwanzig Jahre im Markt war, kannte die Prozesse, die Systeme und wusste, wie Projekte funktionieren. Das hatte enormen Wert. Aber ich glaube, genau dieses Kräfteverhältnis beginnt sich gerade zu verschieben. Nicht weil Erfahrung plötzlich wertlos wird. Ganz im Gegenteil. Aber Anpassungsfähigkeit wird plötzlich fast wichtiger als reine Erfahrung. Und genau dort sehe ich aktuell einen grossen Unterschied zwischen vielen jüngeren und älteren Entwicklern.
Viele junge Entwickler arbeiten heute ex­trem selbstverständlich mit AI. Für sie gehören ChatGPT, Claude, Cursor, Github Copilot oder Perplexity bereits ganz normal zum Workflow. Sie lassen sich Boilerplate Code generieren, analysieren Fehler innert Sekunden, bauen Prototypen massiv schneller und automatisieren repetitive Aufgaben fast nebenbei. Und ich glaube, viele Firmen realisieren noch gar nicht, was das langfristig bedeutet. Ein motivierter 24-jähriger Entwickler kann heute mit den richtigen AI Tools Resultate liefern, für die früher kleine Teams oder mehrere externe Spezialisten nötig waren. Nicht unbedingt, weil er talentierter ist, sondern weil er Technologie komplett anders nutzt.

Ich bin überzeugt, dass genau das viele Unternehmen in den nächsten Jahren überraschen wird. Nicht die AI selbst, sondern die Geschwindigkeit, mit der einzelne Mitarbeiter plötzlich Output erzeugen können. Meiner Meinung nach wird dadurch auch HR umdenken müssen. Jahrelang wurden Lebensläufe primär nach Erfahrung, Anzahl Jahre und bekannten Firmennamen bewertet. Doch ich glaube, diese Kriterien verlieren zunehmend an Aussagekraft. Die entscheidende Frage wird künftig nicht mehr sein, wie lange jemand etwas gemacht hat. Sondern wie schnell sich jemand an neue Technologien anpassen kann.


Ich bin überzeugt, dass wir künftig Teams sehen werden, in denen nicht automatisch die erfahrenste Person den grössten Einfluss hat. Einfluss werden jene Mitarbeiter haben, die neue Technologien am schnellsten produktiv einsetzen können. Das bedeutet übrigens nicht, dass Senior Engineers keine Zukunft mehr haben. Wahrscheinlich passiert sogar das Gegenteil. Die stärksten Profile werden jene sein, die Erfahrung und hohe Lernbereitschaft kombinieren. Aber ich glaube die Zeit, in der Erfahrung alleine gereicht hat, geht langsam zu Ende. Und genau das wird den IT-Arbeitsmarkt stärker verändern, als viele heute denken.

Fabian Dütschler

Fabian Dütschler ist Founding Partner von One Agency, einer führenden IT-Personaldienstleistungsagentur mit Hauptsitz an der Bahnhofstrasse in Zürich. In seiner Kolumne im «Swiss IT Magazine» beschäftigt sich Dütschler mit den Herausforderungen, die sich rund um die Personalsuche und die Karriere­planung ergeben.
fd@oneagency.ch


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