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Start-up Beyond Bot: Mit virtuellen Experten gegen ­KI-Chaos
Quelle: Beyond Group

Start-up Beyond Bot: Mit virtuellen Experten gegen ­KI-Chaos

Beyond Bot entwickelt eine Plattform, auf der Firmen virtuelle KI-Experten für eigene Aufgaben erstellen können. Sie soll verschiedene Dienste und Agenten bündeln.

von Dominic Wipfli

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2026/06

     

Lucas und Janina Glavas wollten schon vor der offiziellen Gründung der Beyond Group gemeinsam unternehmerisch tätig werden. Zunächst arbeiteten sie an einem Möbel-Onlineshop mit Schweizer Produkten und digitalen Funktionen wie 3D-Ansichten. Mit der Zeit rückte jedoch Künstliche Intelligenz in den Fokus. Die beiden Gründer beschäftigten sich bereits mit KI, bevor ChatGPT das Thema Ende 2022 in die Breite trug, und kamen zur Überzeugung, dass die Technologie mehr ist als ein kurzfristiger Hype. Im Sommer 2023 gründeten sie im Aargau die Beyond Group. Aus den ersten Experimenten entstand nach und nach Beyond Bot AI, eine Plattform, über die Unternehmen nicht einfach einen weiteren Chatbot wie ChatGPT nutzen, sondern eigene virtuelle Experten aufbauen sollen.


Das Start-up spricht denn auch von Virtual Experts. Gemeint sind KI-Systeme, die auf firmeneigenes Wissen zugreifen, spezialisierte Agenten steuern und mit bestehenden Anwendungen verbunden werden können. Für die Gründer und Co-Heads Lucas und Janina Glavas ist genau diese Verbindung entscheidend. Die Plattform soll nicht ein weiteres einzelnes KI-Werkzeug sein, sondern die verschiedenen Anwendungen, Modelle und Datenquellen eines Unternehmens zusammenführen.

Was die Experten leisten sollen

Die Plattform setzt dort an, wo KI in Unternehmen schnell unübersichtlich wird. Mitarbeitende nutzen etwa ChatGPT oder andere KI-Assistenten, Abteilungen testen eigene Automatisierungen, und für einzelne Aufgaben kommen zusätzliche Speziallösungen hinzu. Für jeden neuen Anwendungsfall entsteht so schnell ein weiteres Werkzeug mit eigenen Zugängen, eigenen Daten und eigenen Regeln. «Es gibt einen Dschungel voller Tools», sagen die Gründer. Diesen Wildwuchs will Beyond Bot reduzieren. Ein Virtual Expert steht jeweils für einen konkreten Aufgabenbereich, etwa Marketing, Finanzen, Support oder internes Wissensmanagement. Anders als ein einzelner Agent soll er nicht nur eine bestimmte Aufgabe ausführen, sondern mehrere spezialisierte Agenten koordinieren. Dafür erhält er eine Rolle, eine Aufgabe und Zugriff auf die Informationen und Anwendungen, die er benötigt. So können Firmen mehrere Anwendungsfälle über solche Experten abbilden, statt für jeden Use Case ein eigenes Tool einzuführen.

So entsteht ein Experte

Damit ein Experte arbeiten kann, wird er im Hub der Plattform aufgebaut. Dort legt das Unternehmen zuerst fest, wofür er zuständig ist. Diese Informationen können aus verschiedenen Quellen kommen. Unternehmen können Dokumente hochladen, Websites einbinden oder bestehende Datenquellen verbinden. Auch Anwendungen wie Mail, Kalender, Cloud-Speicher, CMS- oder ERP-Systeme lassen sich anbinden.

Ein wichtiger Teil ist das Wissensmanagement. Dokumente werden nicht einfach abgelegt und später durchsucht. Die Plattform überführt sie in Wissensbereiche und soll so Zusammenhänge zwischen Begriffen, Personen, Organisationen und Inhalten erkennen. So kann ein Virtual Expert beispielsweise Informationen aus verschiedenen Quellen verbinden und daraus Antworten, Zusammenfassungen, Tabellen oder Mindmaps erstellen.


Der zweite wichtige Teil ist die Orchestrierung. Ein Virtual Expert ist die übergeordnete Instanz, die mit mehreren spezialisierten Agenten arbeiten kann. Diese Agenten werden vorher in der Plattform erstellt und erhalten jeweils eine eigene Aufgabe, etwa Textarbeit, Datenanalyse oder den Zugriff auf interne Dokumente. Ein Marketing-Expert kann so je nach Anfrage den passenden Agenten einbeziehen. Geht es beispielsweise um einen Text, arbeitet er mit dem Text-Agenten. Geht es um Zahlen oder Auswertungen, greift er auf den Analyse-Agenten zurück. Nutzerinnen und Nutzer müssen diese Aufteilung nicht selbst steuern, sondern arbeiten weiterhin nur mit dem Virtual Expert. Bei der Bedienung trennt Beyond Bot zwischen Hub und Chat-App. Im Hub werden Experten erstellt, Datenquellen verwaltet, Modelle ausgewählt und Anwendungen angebunden. Die spätere Nutzung kann über eine einfacher aufgebaute Chat-Oberfläche erfolgen.

Zahlreiche Funktionen gebündelt

Viele Funktionen der Plattform kennt man bereits aus anderen KI-Werkzeugen. Auch diese Lösungen können Dokumente zusammenfassen, interne Wissensquellen abfragen oder Chatbots erstellen. Beyond Bot will aber auch nicht jede einzelne Funktion neu erfinden. Der Unterschied soll darin liegen, dass die Funktionen nicht verteilt über mehrere Werkzeuge zum Einsatz kommen, sondern über eine übergreifende Plattform und mithilfe der Virtual Experts.

Ein weiterer Punkt ist die technische Wahlfreiheit. Unternehmen sollen nicht an ein einzelnes KI-Modell oder an einen einzelnen Anbieter gebunden sein. Laut den Gründern lassen sich mehr als 30 Anbieter einbinden. Ein Virtual Expert kann also je nach Aufgabe mit einem anderen Modell arbeiten. Für allgemeine Textaufgaben kann etwa ein GPT-Modell zum Einsatz kommen, für andere Aufgaben Claude, Gemini, Mistral oder Llama. Dadurch lässt sich ein Virtual Expert, der öffentliche Marketinginhalte vorbereitet, anders konfigurieren als ein Expert, der mit internen Dokumenten oder sensiblen Unternehmensdaten arbeitet.


Das ist auch für die Datensouveränität wichtig. Die jeweilige Datenverarbeitung richtet sich nach dem genutzten Anbieter und Modell. Beyond Bot kann also nicht pauschal versprechen, dass jede Berechnung in der Schweiz erfolgt. Die Plattform gibt Unternehmen aber die Möglichkeit, Modelle, Datenquellen und angebundene Tools zentral zu verwalten und bewusst je nach Einsatzzweck zu wählen.

Für wen die Lösung passt

Beyond Bot richtet sich einerseits an Agenturen, die KI-Anwendungen für Kunden bauen. Andererseits sollen mittlere und grössere Unternehmen angesprochen werden, die mehrere interne KI-Anwendungsfälle haben und diese nicht über einzelne Lösungen abdecken wollen. Besonders relevant werde die Plattform dort, wo Datenschutz, Kontrolle und die Integration in bestehende Systeme wichtig sind.

Die Gründer nennen etwa Banken, das medizinische Umfeld oder andere Bereiche mit hohen Anforderungen an Infrastruktur und Datenhaltung. Dort reicht es oft nicht, Mitarbeitenden einfach ein KI-Tool zur Verfügung zu stellen. Unternehmen müssen im Detail wissen, welche Daten genutzt werden, welche Systeme angebunden sind und welche Aktionen ein Agent ausführen darf.


Gleichzeitig soll der Einstieg nicht nur grossen Firmen mit eigenen KI-Teams offenstehen. Beyond Bot bietet die Lösung deshalb auch zusammen mit Projekten und Workshops an. Dabei hilft das Team vor allem beim ersten Aufbau: Es übersetzt die gewünschten Anwendungsfälle in erste Virtual Experts, legt Berechtigungen und Arbeitsabläufe fest und zeigt, wie die Plattform weiter genutzt werden kann. Danach sollen Unternehmen oder Agenturen die bestehenden Strukturen selbst erweitern können, ohne jedes Mal wieder technisch bei null zu beginnen.

Wo das Unternehmen steht

Beyond Bot ist heute noch ein sehr schlank aufgestelltes Jungunternehmen. Die einzigen festen Mitarbeitenden sind Lucas und Janina Glavas selbst, die die Plattform operativ zu zweit vorantreiben. Unterstützt werden sie von Partnern, Beratern und einem Netzwerk rund um das Start-up. Zu den wichtigsten Partnern gehört laut den Gründern Phoenix Technologies, vor allem auf Infrastrukturseite.

Aktuell spricht Beyond Bot von rund 300 aktiven B2B-Nutzern in der DACH-Region. Für das laufende Jahr liegt das Ziel bei mindestens 2000 Nutzern. Damit dieses Wachstum möglich wird, soll die Plattform einfacher zu bedienen werden. Unternehmen können virtuelle Experten bereits heute selbst erstellen und anpassen. In der Praxis braucht der Einstieg aber oft noch Begleitung, etwa wenn erste Anwendungsfälle definiert, Berechtigungen festgelegt oder bestehende Systeme angebunden werden.


In den nächsten Schritten will Beyond Bot deshalb die Plattform weiter ausbauen und das Team kontrolliert vergrössern. Das Start-up will dabei nicht um jeden Preis wachsen, sondern so schlank wie möglich bleiben. «Man wirtschaftet so bewusster und nachhaltiger», sagen die Gründer. Gleichzeitig sollen neue Funktionen dazukommen. Ein Thema ist BBOT Computer. Damit sollen Agenten künftig etwa Websites inklusive Frontend und Backend erstellen oder verwalten können. (dow)


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