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Informatik als breites Fundament
Quelle: FFHS

Informatik als breites Fundament

Der Bachelor of Science in Informatik der Fernfachhochschule Schweiz verbindet ein breites Grundlagenstudium mit aktuellen Themen wie AI, Cybersecurity und Cloud Computing. Versprochen wird dabei hoher Praxisbezug.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2026/06

     

Der anhaltende Fachkräftemangel im ICT-Bereich zählt seit Jahren zu den grossen Herausforderungen der Schweizer Wirtschaft und wird nicht selten als deren Wachstumsbremse angeführt. Die Fernfachhochschule Schweiz (FFHS) reagierte auf diese Entwicklung schon früh: Bereits 2003 wurde der Bachelor of Science in Informatik konzipiert – vor dem Hintergrund «eines stark wachsenden ICT-Arbeitsmarkts, der Digitalisierung und des anhaltenden Fachkräftemangels», wie Oliver Ittig, Studiengangleiter des BSc Informatik an der FFHS, erklärt. Ziel des Studiengangs sei es gewesen, ein berufsbegleitendes und praxisorientiertes Informatikstudium anzubieten für Personen, die «fundiertes und aktuelles Wissen in den Kerngebieten der Informatik» aufbauen möchten – Software Engineering, Algorithmen und Datenstrukturen, Rechnerarchitektur, Betriebssysteme, Rechnernetze, Datenbanksysteme, Informationssicherheit und heute natürlich auch Künstliche Intelligenz.


Die Zielgruppe des Studiengangs sind laut Ittig insbesonders Berufstätige mit technischer, informatiknaher oder allgemein MINT-orientierter Vorbildung, die ein anerkanntes Fachhochschulstudium mit Beruf, Familie oder anderen Verpflichtungen kombinieren möchten. Über das PiBS-Modell – das praxisintegrierte Bachelor-Studium Informatik, das es an der FFHS seit 2015 gibt – richtet sich das Angebot ausserdem an gymnasiale Maturandinnen und Maturanden, die Studium und Berufspraxis parallel aufbauen wollen.

Flexibles Studienmodell

Ein zentraler Unterschied zu klassischen Informatikstudiengängen anderer Fachhochschulen liegt gemäss Ittig im Studienmodell der FFHS. Der BSc Informatik wird im Blended-Learning-Format angeboten – mit rund 80 Prozent Online- beziehungsweise Selbststudium und 20 Prozent Präsenzunterricht. Dadurch könnten Studierende «weitgehend zeit- und ortsunabhängig lernen und trotzdem regelmässig in Präsenz oder synchronen Onlineformaten mit Dozierenden und Mitstudierenden arbeiten.» Laut Ittig macht diese Kombination aus flexiblem Lernformat, aktuellem Curriculum und Dozierenden direkt aus der Industrie den Studiengang besonders attraktiv für Personen, die ihre Karriere in der Informatik aufbauen möchten, ohne ihre Berufstätigkeit aufzugeben.

Konkret funktioniert das Modell so, dass ein grosser Teil des Lernens über digitale Materialien, Aufgaben, Moodle, Selbststudium und Online-Betreuung erfolgt. Die Präsenzphasen sollen vor allem der Vertiefung, Diskussion und praktischen Anwendung dienen. Typischerweise findet der Präsenzunterricht alle zwei Wochen samstags in Zürich oder Bern statt. Ergänzend gibt es Online-Unterricht am Montagabend. Prüfungen wiederum können vor Ort oder remote abgelegt werden.


Dass sich Theorie und Praxis direkt verbinden lassen, betrachtet die FFHS als grossen Vorteil des berufsbegleitenden Studiums. «Wer berufsbegleitend studiert, gewinnt einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem klassischen Vollzeitstudium: Theorie und Anwendung greifen sofort ineinander; was am Samstag im Modul behandelt wird, fliesst am Montag im Unternehmen ein», ist sich Ittig sicher.

Breite Grundlagen als Basis

Inhaltlich ist der Studiengang bewusst breit angelegt. Die ersten fünf Semester bilden ein Grundlagenstudium mit 95 ECTS-Punkten. Zu diesen Grundlagen gehören unter anderem Software Engineering, Modellierung und Architektur, Programmierung, Datenstrukturen und Algorithmen, Rechnernetze, Datenbanksysteme, Java Enterprise Applications sowie mathematische Fächer wie diskrete Mathematik, lineare Algebra, Wahrscheinlichkeitsrechnung und Statistik. Hinzu kommen Data Engineering und Informationssicherheit. Danach folgen vier Semester Profilierung mit Wahl- und Vertiefungsmodulen, mit denen man individuelle Schwerpunkte setzen kann. Aktuell bietet die FFHS Vertiefungen in den Bereichen Data Science, Enterprise Computing, Informationssicherheit und System Engineering an. Laut FFHS könne man den Studiengang deshalb klar als fundierte Basisausbildung mit anschliessender Spezialisierung bezeichnen. Ergänzt wird das Angebot durch Wahlmodule aus den Bereichen Software & Architekturen, Systemtechnik, Data Science, AI, AI Engineering, Cybersecurity oder auch Unternehmertum.

Doch empfiehlt sich ein breit angelegtes Grundlagenstudium in einer Zeit, in der Spezialisierungen immer wichtiger werden, überhaupt noch? Für Oliver Ittig lautet die Antwort eindeutig ja: «Gerade heute ist diese Breite sinnvoll, weil moderne Informatikrollen selten nur ein einzelnes Spezialgebiet verlangen.» Wer Themen wie AI, Cloud, Security oder Data Engineering verstehen und verantwortungsvoll einsetzen wolle, brauche «solide Grundlagen in Software Engineering, Mathematik, Datenbanken, Algorithmen, Rechnernetzen und Informationssicherheit».


Neben klassischen Informatik-Grundlagen spielen auch aktuelle Technologietrends im Studium eine wichtige Rolle. Dazu zählen etwa Machine Learning und generative KI, Natural Language Processing, Reinforcement Learning, Deep Learning, Cloud Computing, DevOps, Blockchain, Quantum Computing, IT-Forensik oder Offensive Security. Besonders stark geprägt wurde der Studiengang laut FFHS in den vergangenen Jahren durch den KI-Boom. Oliver Ittig: «Kaum ein Trend hat die IT-Welt in den letzten drei Jahren so geprägt wie generative KI, und das spiegelt sich direkt im Curriculum wider.» Die FFHS bietet dazu unter anderem Module rund um generative KI und Machine Learning an. Zusätzlich seien neue Angebote im Bereich AI Engineering geplant.

Die bereits erwähnte Praxisnähe soll im gesamten Studium eine zentrale Rolle spielen. Neben Projektarbeiten, Seminararbeiten und der Bachelor-Thesis bringen laut FFHS insbesondere die Dozierenden ihre Erfahrung aus Industrie und Wirtschaft in den Unterricht ein. Den besonderen Industrie- und Praxisbezug würden aber auch Beispiele wie Bug-Bounty-Programme, Hacking-Challenges oder Projekte mit realen Anwendungen zeigen.

Eine weitere Besonderheit des Studiengangs ist laut FFHS die Partnerschaft mit ICT-Berufsbildung Schweiz. Damit wolle man «eine durchlässige ICT-Bildungslandschaft und einen engen Austausch zwischen Berufsbildung und Hochschulbildung» fördern. Im PiBS-Modell arbeitet die FFHS ausserdem eng mit Unternehmen zusammen.

Neun Semester berufsbegleitend

Der Studiengang umfasst insgesamt 180 ECTS-Punkte und dauert regulär neun Semester. Der Abschluss lautet Bachelor of Science SUPSI in Informatik. Studienstart ist jeweils im August, Studienorte sind wie erwähnt Zürich, Bern und online.

Der Arbeitsaufwand ergibt sich aus 20 ECTS pro Semester. Laut FFHS entspricht dies rund 500 bis 600 Stunden pro Semester inklusive Präsenzunterricht, Selbststudium, Leistungsnachweisen und Prüfungsvorbereitung. Empfohlen wird deshalb eine Berufstätigkeit von maximal 80 Prozent – idealerweise mit Bezug zum Studienfach.


Für die Zulassung gelten unterschiedliche Wege. Zugelassen werden Personen mit Berufsmatura, Fachmatura oder gymnasialer Matura mit entsprechender Berufspraxis. Auch HF-Absolventinnen und -Absolventen können teilweise verkürzt einsteigen. Personen über 25 Jahre mit EFZ und mehrjähriger qualifizierter Berufserfahrung haben die Möglichkeit, über eine Aufnahmeprüfung zugelassen zu werden. Als Vorkenntnisse für den Einstieg in den BSc Informatik werden Englischkenntnisse auf Niveau B1, Mathematikkenntnisse auf Berufsmatura-Niveau sowie für Personen nicht-deutscher Muttersprache Deutschkenntnisse auf Niveau C1 vorausgesetzt. Programmierkenntnisse sind laut FFHS derweil keine formale Voraussetzung. «Das Studium führt schrittweise in die Informatik ein und beginnt bei den Grundlagen», erklärt Oliver Ittig. Personen ohne Vorkenntnisse empfiehlt die Hochschule dennoch einen Vorbereitungskurs Programmieren.

Als vorteilhaft für das Studium bezeichnet Ittig zudem Neugier für digitale Technologien, Freude am logischen Denken und Problemlösen sowie Interesse daran, wie Software, Daten und vernetzte Systeme unseren Alltag und die Wirtschaft prägen. «Wer gerne analysiert, strukturiert arbeitet und komplexe Aufgaben Schritt für Schritt löst, bringt gute Voraussetzungen für ein Informatikstudium mit. Ebenso hilfreich sind Ausdauer, Lernbereitschaft und der Wunsch, eigene Ideen praktisch umzusetzen.»

Breite Berufsperspektiven

Die Berufsperspektiven für Absolventinnen und Absolventen beurteilt die FFHS als ausgesprochen breit und zukunftsstark – «weil nahezu alle Branchen auf leistungsfähige Software, sichere IT-Infrastrukturen und datenbasierte Entscheidungen angewiesen sind», so Ittig. Absolventinnen und Absolventen übernehmen laut FFHS Rollen in der Softwareentwicklung, im Software Engineering, in der Cybersecurity, im Data Engineering, im Cloud-Umfeld, in der Systemadministration, im ICT-Consulting oder in der technischen Projektleitung. Besonders gefragt seien sie in ICT-Unternehmen, Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, Industrie, öffentlicher Verwaltung, Gesundheitswesen, Telekommunikation, Energie, Logistik oder technologiegetriebenen Start-ups.


Die Studienplätze sind nicht limitiert. Wer sich jeweils bis Ende Mai anmeldet, erhält eine Sitzplatzgarantie. Die Studiengebühren betragen für Personen mit Wohn- oder Steuersitz in der Schweiz oder Liechtenstein 1800 Franken pro Semester respektive insgesamt 16’400 Franken inklusive Anmeldegebühr. Weiterbildungsmöglichkeiten bestehen nach dem Bachelor unter anderem in Form von Masterstudiengängen sowie CAS-, DAS- und MAS-Programmen in Bereichen wie AI, Cloud, Security, Data oder Software Engineering.

Die FFHS

Die Fernfachhochschule Schweiz (FFHS) ist an fünf Standorten präsent: Zürich (Bild), Brig, Bern, Basel und St. Gallen. Die Hochschule gliedert sich in drei Departemente und zählt rund 3200 Studierende. Im Departement Informatik lehren aktuell rund 150 Dozierende. Das Studienangebot der FFHS im Bereich Informatik ist breit gefächert und reicht vom Bachelor of Science in Informatik, Cybersecurity, Wirtschaftsinformatik und neu auch Visual Computing and Game Engineering bis hin zum Master of Science in Wirtschaftsinformatik. Ergänzt wird das Angebot durch diverse MAS-Programme wie Data Science, Web4Business oder Business & IT-Consulting sowie eine Vielzahl spezialisierter CAS-Lehrgänge, etwa in den Bereichen AI Engineering, AI-assisted Software Engineering und vielen mehr.


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