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Kolumne: Das Gros der Entwickler wird irrelevant

Mit Künstlicher Intelligenz ändern sich die Anforderungen für Entwickler teils drastisch. Fabian Dütschler erklärt, wie sie sich dennoch weiter behaupten können.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2026/04

     

Meiner Meinung nach stehen wir gerade an einem Punkt, den viele noch unterschätzen. Ich habe in letzter Zeit öfter über das Thema nachgedacht, weil man es langsam überall sieht: Die teuren Entwickler, die jahrelang zu den gefragtesten Leuten im Markt gehört haben, verlieren diesen Status gerade Stück für Stück. Ich denke, ihre Zeit geht zu Ende. Es wird aktuell viel darüber diskutiert, ob Künstliche Intelligenz Entwickler ersetzt. Aber ich glaube ehrlich ­gesagt, das ist die falsche Diskussion. Ich denke, was wirklich passiert, ist weniger sichtbar, aber deutlich grundlegender: Der Wert von klassischer Entwicklerarbeit verschiebt sich massiv.

Ich habe selbst lange geglaubt, dass guter Code der entscheidende Faktor ist. Saubere Strukturen, neue Technologien lernen; das war über Jahre hinweg der Königsweg nach oben. Jetzt und in naher Zukunft beginnt dieses Fundament gerade zu bröckeln.


Wenn man sich anschaut, was heute möglich ist, wird das ziemlich deutlich. Dinge, für die ein Data Scientist früher Wochen gebraucht hat: Daten aufbereiten, Modelle entwickeln, erste Insights liefern, passieren heute teilweise in Minuten. Klar, nicht perfekt. Aber oft gut genug, um damit weiterzuarbeiten. Und genau da beginnt sich alles zu verschieben. Ich glaube, viele unterschätzen, was es bedeutet, wenn Code keine Mangelware mehr ist. In dem Moment, in dem etwas keine Mangelware mehr ist, verliert es an Wert. Genau das passiert gerade mit einem grossen Teil der klassischen Entwicklerarbeit. Und meiner Meinung nach gehört dazu auch eine unbequeme Erkenntnis: Die Zeit des «normalen» Entwicklers ist vorbei. Der klassische Softwareentwickler, der primär Anforderungen umsetzt und Code schreibt, hatte seine Zeit. Ich glaube nicht, dass diese Rolle so bestehen bleibt.
Was ich aktuell oft sehe: Einige optimieren weiter ihren Code, während andere anfangen, komplett anders zu arbeiten. Sie nutzen AI als Werkzeug, bauen schneller und bringen Dinge schneller live. Meiner Meinung nach verschiebt sich der Wettbewerb dadurch stark. Es geht weniger darum, wer den besten Code schreibt. Wichtiger wird, wer die besseren Entscheidungen trifft. Wer versteht, was überhaupt gebaut werden sollte und was nicht.

Der klassische Entwickler denkt in Funktionen. Der relevante denkt in Ergebnissen. Und genau hier entsteht diese Verteilung: Ein grosser Teil wird austauschbar, weil er sich auf das konzentriert, was AI gut kann, nämlich Code produzieren. Ein kleiner Teil wird wertvoller, weil er versteht, wie man Technologie sinnvoll einsetzt. Ich glaube, es war noch nie so einfach, ein «guter Entwickler» zu sein und gleichzeitig noch nie so schwer, relevant zu bleiben. Heute reicht es meiner Meinung nach nicht mehr, zu zeigen, dass man coden kann. Entscheidend ist, ob man denken kann. Ich bin mir nicht sicher, ob AI Entwickler ersetzt. Aber ich bin ziemlich sicher, dass sie sie sortiert, und Entwickler, die sich selbst nicht weiterentwickeln, werden vom Markt aussortiert.
Fabian Dütschler ist Founding Partner von One Agency, einer führenden IT-Personaldienstleistungsagentur mit Hauptsitz an der Bahnhofstrasse in Zürich. In seiner Kolumne im «Swiss IT Magazine» beschäftigt sich Dütschler mit den Herausforderungen, die sich rund um die Personalsuche und die Karriere­planung ergeben.
fd@oneagency.ch


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