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Kolumne: Die WEKO ist unterbeschäftigt

Fritz Sutter übt Kritik an Wettbewerbskommission.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2026/01

     

Als Schwingerfan, der seit 1995 jedes Eidgenössische Schwingfest besuchte, sticht mir ein Satz auf der Homepage der WEKO sofort ins Auge: «Was wäre das Eidgenössische Schwingfest, wenn abgesprochen würde, welcher Rücken im Schlussgang frei von Sägemehl bleiben wird?» Ja, was wohl? Der Einstieg auf der Website der eidgenössischen Wettbewerbskommission WEKO ist recht originell. Denn die WEKO ist sozusagen das Gegenteil von Wettbewerb, nämlich eine amtlich-bürokratische Monopolbehörde. Ihr Sekretariat ist mit 70 Mitarbeitenden recht grosszügig ausgestattet – mit eigener Geschäftsleitung, bestehend aus Direktor, stellvertretendem Direktor sowie Vizedirektorinnen und Vizedirektor. Dazu Kammern, Abteilungen und Kompetenzzentren. Also jede Menge Hierarchie, die jede Menge Chefs benötigt. Man kann glatt den Überblick verlieren.

WEKO und Sekretariat sind hin und wieder unterbeschäftigt. Denn wie käme es beispielsweise sonst dazu, dass eine Mülldeponie in einer 120-seitigen (!) Verfügung wegen Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung sanktioniert wird. Eine Mülldeponie! Und ob Sie es glauben oder nicht: Der Deponie wurden Verfahrenskosten von insgesamt 195’000 Franken auferlegt, unterzeichnet von der WEKO-Präsidentin und vom WEKO-Direktor.


Heute wollen wir uns aber mit einem aktuellen WEKO-Verfahren befassen. Per Medienmitteilung liess uns das WEKO-Sekretariat nämlich wissen, dass gegen Microsoft ermittelt wird. Wörtlich: «Die in jüngster Zeit festgestellten zahlreichen Preiserhöhungen könnten Hinweise auf unzulässige Wettbewerbsbeschränkungen darstellen.» Aha. Hinweise darstellen! Wie soll das denn gehen, wie stellt man Hinweise dar?
Ich besitze weder Aktien der Firma Microsoft, noch bin ich bekannt oder verwandt oder verschwägert mit Mitarbeitern dieser Firma. Auch mit der WEKO und ihrem Sekretariat bin ich in keiner Weise verbandelt, verbunden schon gar nicht. Höchstens verwundert.

Microsoft ist ein internationales Technologieunternehmen mit über 200’000 Mitarbeitenden, das einen Umsatz von 280 Milliarden Dollar erarbeitet. Die etwas kleinere Wettbewerbskommission WEKO hat gemäss publizierter Arbeitsstatistik hingegen jede Menge unerledigter Beschwerdeverfahren am Hals. Gemäss Homepage setzt sich die WEKO aus Leuten zusammen, die «Expertise aus der Wirtschaft einbringen, um den Wettbewerb in der Schweiz zu überwachen.» Leider sitzt darin nicht ein einziger Unternehmer! Das ist ein Ärgernis. Zudem: Kein WEKO-Mitglied hat je eine wirtschaftlich produktive Tätigkeit in einem Unternehmen ausgeübt, und dennoch masst sich das Gremium an, Firmen vorzuschreiben, was sie zu tun oder zu unterlassen haben.

Zurzeit wird nun also gegen Microsoft ermittelt. Wir bleiben am Ball und sind gespannt auf das Resultat.


Übrigens: Falls Sie Fragen oder Hinweise an die WEKO haben oder eine Selbstanzeige (mit Bonusregelung!) einreichen möchten, verwenden Sie bitte das eigens dafür vorgesehene Formular: whistleblowing@weko.admin.ch.

Fritz Sutter

Fritz Sutter ist ehemaliger Präsident des Schweizerischen Telekommunikationsverbands Asut und langjähriger Kolumnist von «Swiss IT Magazine». Er vertritt seine persönliche Meinung. mail@fritzsutter.ch


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