Maus mit Sprachtalent
Quelle: Competec

Onit Diktiermaus

Maus mit Sprachtalent

Direkt via Spracheingabe im Browser suchen oder E-Mails diktieren über ein einziges Gerät: Das verspricht die Diktiermaus Onit.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2023/09

     

Vor einigen Monaten hat die Schweizer Competec-Gruppe eine eigene IT-Zubehör-­Marke namens Onit lanciert, die Produkte wie Kabel, Tastaturen und Mäuse, aber auch Taschen und Hüllen umfasst. Zum Onit-Portfolio gehört auch eine Diktiermaus, die schreibt und übersetzt – alles via Spracheingabe. Etwas, das sich gerade für Medienschaffende durchaus reizvoll anhört und ihnen die Arbeit erleichtern würde. Doch was taugt die Maus im Praxiseinsatz?


Die Installation ist ein Kinderspiel: Den USB-A-Dongle im Rechner ein­stecken und die drahtlose Maus ist einsatzbereit. Die Schnelligkeit des Cursors ist standardmässig auf 1200 DPI eingestellt, lässt sich aber auf 1000 oder 1600 DPI ändern. Der Lithium-Akku mit 400 mAh lässt sich via Kabel über einen USB-C-Anschluss laden, der sich an der Stirnseite der Maus befindet. Rein äusserlich unterscheidet sich die Diktiermaus von Onit kaum von anderen Mäusen und wirkt damit wenig spektakulär. Einzig die vier besonderen Tasten – zwei davon hinter dem Scrollrad oben an der Maus, zwei weitere neben der linken Taste auf Höhe des Daumens – lassen erahnen, dass die Maus etwas Besonderes ist. Diese Tasten sorgen denn auch dafür, dass sich die Maus von einer gewöhnlichen Maus abhebt, sind sie doch für die Sprachsuche, die Spracheingabe, die Sprachübersetzung und als Eingabe- oder Zurück-Taste gedacht. Bevor man aber in den vollen Genuss dieser Funktionen kommen kann, braucht es die KI-basierte Software von Tess Gift, die innert Kürze heruntergeladen und installiert ist. Was danach kommt, ist allerdings entscheidend: Standardmässig ist die Sprache auf Afrikaans eingestellt, muss also vor dem Gebrauch über die Tess-Gift-App, die mit der Installation der Software auf dem Rechner landet, auf die gewünschte der 110 verfügbaren Sprachen geändert werden – in unserem Fall Deutsch.

Mündliche Suche

Hat man die Hardware in Betrieb genommen, die Software installiert und die Standardsprache gewählt, so steht der Nutzung der Diktiermaus nichts mehr im Weg. Hält man die Sprachsuchtaste mit dem Lupen-Symbol auf der linken Seite der Maus gedrückt, so öffnet sich ein kleines Pop-up-Fenster unten rechts auf dem Bildschirm. Dieses signalisiert, dass man nun sprechen und via Sprachbefehl – das Mikrofon findet sich oben auf der Maus vor dem Scrollrad – im Internet nach Begriffen suchen kann. Lässt man nun die Sprachsuchtaste los, so öffnet sich automatisch der Browser und die Suche nach dem gewünschten Inhalt startet. In unserem Fall wurde dabei der eingerichtete Standardbrowser Chrome geöffnet, als Suchmaschine kommt, wenn man in den Einstellungen keine Änderung vornimmt, Bing zum Einsatz. Über die Einstellungen können dafür auch Google, Baidu und Yahoo ausgewählt werden.


Die Sprachsuche scheint im Praxiseinsatz durchaus ausgereift, sofern man denn zwingend laut und deutlich spricht. Die in der Anleitung der Maus vorgeschlagenen Suchbegriffe Wetter und Fussball – wohlgemerkt Hochdeutsch ausgesprochen und nicht Schweizerdeutsch – erkennt die Sprachsuche in neun von zehn Fällen problemlos und auch alle weiteren Suchbegriffe, mit denen wir die Maus auf den Prüfstand stellten, funktionierten tadellos. Zudem kann die Diktiermaus auch mit ganzen Fragen – etwa danach, wer im Fussball gestern gewonnen hat oder wie das Wetter morgen wird – umgehen.

Sprache in Text verwandeln

Die Spracheingabetaste befindet sich direkt hinter der Taste zur Sprachsuche und ist mit einem Mikrofon-Symbol versehen. Hält man diese Taste gedrückt, erscheint ein Mikrofonsymbol, worauf man Sätze oder Begriffe in Hochdeutsch aussprechen kann, die dann im gewünschten geöffneten Programm – etwa Word oder einem E-Mail-Client – direkt in geschriebenen Text umgewandelt werden. So die Theorie. Nun zur Praxis: Den Satz «Das Wetter ist schön» macht die Spracheingabe, die ausschliesslich Google Translate Professional verwendet, tadellos zu ebendiesem Text. Und der Versuch, eine E-Mail-Nachricht zu diktieren mit dem Inhalt «Sehr geehrte Damen und Herren, gerne lade ich Sie zu unserer Veranstaltung ein» resultiert in «Werte Damen und Herren gerne lade ich Sie zu unserer Veranstaltung ein», allerdings nur, weil zu früh zu sprechen angefangen wurde. Wichtig ist also, beim Drücken der Spracheingabetaste zu warten, bis das Mikrofon-Symbol auf dem Bildschirm erscheint – das Zeichen dafür, dass die Software parat ist.

Bei längeren Texten verzeichnet die Maus derweil etwas mehr Mühe. So wird der oben als Einstieg verwendete Text mündlich ausgesprochen zu: «Ich brauche Eingabetaste befindet sich direkt hinter der Tasse zu Sprachsuche und ist mit einem Mikrofon Symbol versehen hält man diese Taste gedrückt erscheint ein Mikrofon Symbol woran setze Begriffe in Hochdeutsch aussprechen, kann, die dann im gewünschten geöffnet im Programm etwa world oder einen E-Mail-Client direkt in geschriebenen Text umgewandelt werden?» Ein Ergebnis, das durchaus verstehen lässt, was gesagt wurde, aber halt nicht perfekt ist. Und der gesprochene Text «Seit vergangenem Herbst stehen Sie an der Spitze des Unternehmens. Mit welchen Erwartungen haben Sie die neue Stelle angetreten? Was hat Sie an dieser neuen Aufgabe gereizt?» zu «Vergangen im Herbst stehen sie von der Spitze des Unternehmens, mit welchen Erwartungen haben sie die neue Stelle angetreten, was hat sie an dieser neuen Aufgabe gereizt?». Auch beim Text «Wie zufrieden sind Sie mit der hiesigen Channel-Landschaft? Wo gibt es noch Nachholbedarf oder Potenzial? Sprich: Passt die hiesige Partnerlandschaft für die Erreichung der Ziele oder sind hier noch Anpassungen vonnöten?» gibt es im geschriebenen Text gewisse Abweichungen zum Gesprochenen. So wird die Channel-Landschaft mal zur Thermenlandschaft oder Sennelandschaft, oder «Sprich: Passt die hiesige Partnerlandschaft» zu «Sprich passe hiesiger Partner Landschaft».


Somit bleiben die Texte zwar trotz gewisser Fehler und Ungenauigkeiten verständlich, benötigen aber doch noch Überarbeitung und können nicht ohne Durchsicht übernommen werden, was die Frage nach einer tatsächlichen Arbeitserleichterung durch die Maus aufwirft.

Mehrsprachigkeit leicht gemacht

Nachdem die Suchfunktion komplett und die Spracheingabe zumindest zu einem grossen Teil zu überzeugen vermochten, steht als letztes noch die Übersetzungsfunktion auf dem Prüfstand. Die Anwendung ist auch in diesem Fall simpel: Hält man die Sprachübersetzungstaste, die sich oben auf der Maus direkt hinter dem Scrollrad befindet, gedrückt, so kann man einen Text in einer von 110 Sprachen aussprechen, worauf dieser in die Zielsprache – ebenfalls wählbar über die Tess-Gift-App – übersetzt und danach in das geöffnete Dokument eingefügt wird. Alternativ lässt sich auch ein geschriebener Text markieren und über ein durch Drücken der Übersetzungs-Taste geöffnetes Pop-up-Fenster übersetzen und in ein Dokument einfügen.

Im Praxistest funktioniert die mündliche Übersetzungsfunktion soweit zufriedenstellend, einzig die Einstellung der gewünschten Übersetzungssprache bringt eine kleine Herausforderung mit sich. Die Wahl der Sprache erfolgt über die Einstellungen in der Software. Allerdings nicht wie vermutet beim Übersetzungs-Icon, das demjenigen entspricht, das man bei der Maus zur Aktivierung der Übersetzungsfunktion drücken muss, sondern beim Icon der Spracherkennung. Das ist an sich ja nicht falsch, muss man aber wissen, denn andernfalls funktioniert die Übersetzung von gesprochenen Texten nämlich nicht.


Diese kleine Hürde genommen, funktioniert die Übersetzung wunderbar. Aus dem Satz «Im Praxistest funktioniert die mündliche Übersetzungsfunktion so weit zufriedenstellend, einzig die Einstellung der gewünschten Übersetzungssprache bringt eine kleine Herausforderung mit sich.» wird so «In the practical test, the oral translation function works satisfactorily, but setting the desired translation language poses a small challenge.» Erfreulich ist dabei auch die Konsistenz des Ergebnisses. Fünf Versuche mit demselben Satz haben fünf Mal zum identischen Ergebnis geführt. Wichtig aber auch da: Die Aussprache muss deutlich und das Sprechtempo darf nicht zu schnell sein.

Auch die Übersetzung von schriftlichem Text gibt Anlass zur Freude. Ebendieser vorhergehende Satz markiert, erscheint direkt oben an diesem ein Pop-up, über das sich nach Anklicken ein Textfeld öffnet, in dem oben der zu übersetzende Text und unten die Übersetzung angezeigt wird. In unserem Fall wird damit aus «Die Übersetzung von schriftlichem Text gibt Anlass zur Freude.» der englische Satz «The translation of written text gives cause for joy.» Übrigens: Die Wahl der gewünschten Sprache erfolgt bei schriftlichen Übersetzungen beim Übersetzungs-Icon, also an einem anderen Ort als bei der Übersetzung gesprochener Texte.

Und auch die Übersetzung von Englisch zu Deutsch funktioniert tadellos. So wird der Text einer Gartner-Pressemitteilung «Worldwide IT spending is projected to total $4.7 trillion in 2023, an increase of 4.3% from 2022, according to the latest forecast by Gartner, Inc. As CIOs continue to lose the competition for IT talent, they are shifting spending to technologies that enable automation and efficiency to drive growth at scale with fewer employees» zum deutschen Text «Laut der neuesten Prognose von Gartner, Inc. werden sich die weltweiten IT-Ausgaben im Jahr 2023 voraussichtlich auf 4,7 Billionen US-Dollar belaufen, was einem Anstieg von 4,3 % gegenüber 2022 entspricht. Da CIOs weiterhin den Wettbewerb um IT-Talente verlieren, verlagern sie ihre Ausgaben auf Technologien, die Automatisierung ermöglichen und Effizienz, um das Wachstum in großem Maßstab mit weniger Mitarbeitern voranzutreiben.» Was hier auffällt, ist das scharfe S (ß), da nur Deutsch (Deutschland) und nicht Deutsch (Schweiz) ausgewählt werden kann.

Wer es als störend empfindet, dass in einem Textdokument oder E-Mail beim Markieren eines Ausschnitts das Translate-­Pop-up erscheint, kann diese Funktion über die Einstellungen in der App übrigens deaktivieren.

Eine weitere spannende Funktion ist, dass man sich die markierten Texte auch vorlesen lassen kann. Leider ist dieses Feature nicht oder kaum brauchbar. Lässt man sich einen deutschen Text vorlesen, so lässt zwar die Betonung teilweise zu wünschen übrig, der Text wird aber korrekt wiedergegeben. Markiert man allerdings einen englischen Text, so ist die vorgelesene Version eine Katastrophe. Angefangen beim extremen deutschen Akzent der vorlesenden Stimme über die deutsche Aussprache von Zahlen bis zur schrecklichen Textmelodie, ist diese Vorlesefunktion eine reine Enttäuschung.

Suchen, diktieren, übersetzen: alles in einem

Die Sprachsuche der Maus, die einem das Leben tatsächlich erleichtert, erspart sie doch das Öffnen des Browser-Fensters sowie das Eintippen des gesuchten Begriffs, vermag durchaus zu begeistern – sofern man genug laut und deutlich spricht. Die Diktierfunktion ist von der Idee her an sich gut und für kurze Texte sicherlich eine valable Alternative zum Tippen von etwa E-Mail-Nachrichten. Eine diktierte Nachricht einfach ohne Nachbearbeitung zu verschicken, würden wir aber nicht riskieren. Die Übersetzungsfunktionen für gesprochene und geschriebene Texte vermochten zu überzeugen – zumindest bei Deutsch/Englisch – gerade weil man direkt aus dem Dokument, der Website oder der E-Mail heraus übersetzen lassen kann.

Fazit

Mit ihren Funktionen zur Sprachsuche im Internet sowie dem Diktieren und Übersetzen von Texten positioniert sich Onit quasi als ­eierlegende Wollmilchsau. Die Frage, wie gross die tatsächliche Zeitersparnis durch die Diktiermaus im Berufsalltag wirklich ist, ist aber schwer zu beantworten. Hat man sich erst daran gewöhnt, dass man nicht mehr selbst den Browser öffnen muss oder E-Mails per Sprache diktieren kann, spart man sicherlich Zeit. Die Übersetzungsfunktion vermag zu überzeugen. Einzig die mangelhafte Funktion zum Vorlesen markierter, übersetzter Texte trübt das Bild der Maus. Mit einem Preis von 89 Franken ist die Diktiermaus bezahlbar und somit wohl eine nette Spielerei, die aber durchaus ihre Berechtigung im Geschäftsalltag haben kann.

Features
- USB-A-Empfänger (Dongle)
- Ladekabel USB-A auf USB-C
- Kompatibilität mit Windows (7 oder neuer) und MacOS (10.13 oder neuer)
- zwei Haupttasten, Scrollrad (inkl. Mittelklick-Funktion), Sprachsuchtaste, Spracheingabetaste, Sprachübersetzungstaste, Eingabetaste
- Lithium-Akku (3,7 V/400 mAh)


Positiv
+ Übersetzungsfunktionen und Sprachsuche überzeugen
+ preiswert
+ einfache Bedienbarkeit

Negativ
- Vorlesefunktion der Übersetzungen kaum brauchbar
- Frage nach der tatsächlichen Zeitersparnis nicht abschliessend beantwortbar
- überzeugende Ergebnisse nur mit lang­samer, deutlicher Aussprache

Hersteller/Anbieter
Onit/Furber, Competec

Preis
Fr. 89.–

Wertung
Funktionalität 4,5 von 6 Sternen
Bedienung 5,5 von 6 Sternen
Preis/Leistung 5 von 6 Sternen
Gesamt 5 von 6 Sternen (abr)


Artikel kommentieren
Kommentare werden vor der Freischaltung durch die Redaktion geprüft.

Anti-Spam-Frage: Welche Farbe hatte Rotkäppchens Kappe?
GOLD SPONSOREN
SPONSOREN & PARTNER