Kolumne: Ablaufdatum erreicht?

Kolumne: Ablaufdatum erreicht?

5. November 2022 - René Cretin sieht ältere Mitarbeitende als unabdingbare Stütze in der IT-Branche.
Artikel erschienen in IT Magazine 2022/11
Kolumne: Ablaufdatum erreicht?
René Cretin, Gründer und Inhaber der Rent a Person Personalberatungs AG. (Quelle: Rent a Person Personalberatungs AG)
Ältere Arbeitnehmer sind zu teuer, häufiger krank, unflexibel und können nicht mit dem hohen Tempo mithalten. Der Digitalisierung sind sie schon gar nicht gewachsen. Diese Vorurteile hört man oft. Sind die alten Eisen für Unternehmen in der IT-Branche wirklich eine so hohe Belastung oder doch eher Gold wert?
Die Fakten sind hart. Es gibt Leistungen, die ab Fünfzig klar abnehmen. Das Kurzzeitgedächtnis ist nicht mehr ganz so fit wie mit Zwanzig, die körperliche Leistung und auch die geistige Beweglichkeit nehmen ab. Informationen werden langsamer aufgenommen und verarbeitet. Trotzdem bin ich klar der Meinung, dass altes Eisen nicht rostet.

Meine Praxiserfahrung zeigt, dass das Leistungsvermögen im Laufe des Berufslebens nicht unbedingt abnimmt, sondern sich verlagert. Ältere Arbeitnehmende können eine wertvolle Stütze für Unternehmen sein. Sie verfügen über einen höheren Erfahrungsschatz, und die Routine sowie der Blick fürs Wesentliche im Job steigen. Dies kann in vielen Funktionen ein Schlüsselfaktor sein. Laut Studien können sich Personen, die sich im Herbst ihres Arbeitslebens befinden, besser vor den Folgen psychisch und körperlich belastender Arbeitsbedingungen schützen, da sie ausgeglichener sind. Und unflexibel sind die meisten definitiv nicht. Die Kinder sind aus dem Haus – von gebundenen Schulferien, starren Familienstrukturen und fixen Arbeitszeitmodellen sind sie befreit. Zudem steigt mit dem Lebensalter auch die Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber.
Ich wage noch weiter zu gehen. Ich sehe die alten Füchse als unabdingbare Stütze in der IT-Branche. Ohne sie geht es nicht. Und dies sage ich nicht, weil ich selber zu den Ü50 gehöre. Gerade aktuell, wo sich der riesige Fachkräftemangel immer weiter zuspitzt, sollten sie gefragter denn je sein. Das Bundesamt für Statistik veröffentlichte erst kürzlich Zahlen: 7000 Stellen sind in der IT-Branche aktuell unbesetzt, das sind so viele wie noch nie. Ältere Mitarbeitende sind für ein Unternehmen dann ein Gewinn, wenn sie ihren Kompetenzen entsprechend eingesetzt werden, beispielsweise in altersgemischten Teams als Coach oder Supervisor. Die Jüngeren haben in der Regel radikalere Ideen, können diese jedoch oft nicht praxis­orientiert umsetzen. Hier kommen die Älteren zum Zug. Sie wissen, wie man Ideen ausbauen und fördern kann.

Ob jung oder alt: Wer rastet, der rostet. Es reicht nicht, nur in die Aus- und Weiterbildung des Nachwuchses zu investieren. Weiterbildung ist gerade in der IT-Branche ein Muss und sollte für Ü50 aktiv gefördert werden. Nur wer kontinuierlich am Ball bleibt, ist auf Dauer wettbewerbs- und leistungsfähig. Und letztlich hängt vieles auch mit der Arbeitseinstellung zusammen. Ein positives Mindset hat nichts mit dem Alter zu tun.
 
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