Personalverleih in der IT aus Arbeitnehmersicht

Personalverleih in der IT aus Arbeitnehmersicht

3. September 2022 - In Zusammenhang mit Personalverleih stellen sich viele Fragen, die man – besonders aus Arbeitnehmersicht – kennen sollte. Eine Einordnung aus juristischer Sicht.
Artikel erschienen in IT Magazine 2022/09
Die Begriffe Body-Leasing und Body-Shopping bezeichnen in der Informatikbranche das zur Verfügung stellen von Arbeitnehmern. Wann liegt in diesen Fällen Personalverleih vor und was ist dabei zu beachten? Nachfolgend sollen die wichtigsten Fragen skizziert und Lösungsansätze aufgezeigt werden.

Zusammenarbeit in der IT-Branche

Unternehmen sind heutzutage auf professionelle Hilfe im Bereich IT angewiesen. Oft werden Tätigkeiten an externe spezialisierte Dienstleister ausgelagert (sogenanntes Outsourcing). Dabei kommt es vor, dass Mitarbeiter der IT-Unternehmen für längere Zeit beim Kunden tätig sind. Auch in Fällen der Implementierung eines neuen Systems oder der Ablösung eines alten durch ein neues System arbeiten Spezialisten vor Ort. In diesem Zusammenhang ist immer sorgfältig zu prüfen, ob das Unternehmen in dieser Konstellation lediglich seine Pflichten aus ­einem Auftrags- oder Werkvertragsverhältnis erfüllt oder ob nicht vielmehr ein bewilligungspflichtiger Personalverleih vorliegt. Liegt Personalverleih vor und fehlt die Bewilligung, drohen Bussen bis zu Beträgen im fünfstelligen Bereich.

Namentlich Banken und Versicherungen lagern die Organisation der Informatiker häufig an eine externe Stelle (auch als Koordinationsstelle bezeichnet) aus. Hierbei ist zu beachten, dass das Weiterverleihen von verliehenen Arbeitnehmern grundsätzlich nicht zulässig ist (Unter- oder Zwischenverleih). Die externe Stelle kann folglich entweder Informatiker als Arbeitnehmer anstellen, seien diese selbständig oder Mitarbeiter eines IT-Dienstleisters, womit sie zur Arbeitgeberin wird. Möglich ist aber auch eine Vermittlung des Verleihverhältnisses. In jedem Fall muss die Koordinationsstelle über eine Bewilligung verfügen (zum Ganzen siehe auch das Merkblatt des AWA Thurgau «Personalverleih im Informatikbereich»).

Kleinere Unternehmen beauftragen häufig Einzelpersonen, die als selbständige Spezialisten am Markt auftreten. In solchen Fällen kann dieser Beizug je nach der konkreten Ausgestaltung als Auftrag oder Werkvertrag, als klassischer Arbeitsvertrag oder als Personalverleih qualifiziert werden. So mancher «Auftragnehmer» ist eigentlich ein Arbeitnehmer und so mancher «Auftraggeber» ist Arbeitgeber, der Sozialversicherungsbeiträge abführen und zahlen, das Arbeitsgesetz einhalten und die zwingenden Bestimmungen des Arbeitsvertragsrechts beachten muss (Stichwort Scheinselbständigkeit).

Schliesslich kommt es auch noch vor, dass mehrere IT-Unternehmen einen Auftrag gemeinsam erledigen. Auch in diesem Fall sind Konstellationen denkbar, in denen bewilligungspflichtiger Personalverleih vorliegt.
 
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