Nachgefragt: Der Ärger um die neue Doodle-Version

Nachgefragt: Der Ärger um die neue Doodle-Version

30. April 2022 - Version 5.0 von Doodle bekam zum Launch vor allem eines: harsche Kritik. Wie der Doodle-CEO erklärt, sind die Probleme dem kompletten Neuaufbau der Lösung geschuldet.
Artikel erschienen in IT Magazine 2022/05
Renato Profico, CEO, Doodle (Quelle: Doodle)
Seit 2007, als das Schweizer Start-up Doodle die gleichnamige Plattform lancierte, lassen sich auf Doodle.com Termine mit Freunden, Bekannten und beruflichen Kontakten koordinieren. Spätestens 2010 entwuchs die rein werbefinanzierte Plattform schliesslich dem Start-up-Status, indem die TX Group (damals noch Tamedia) einen Teil der Firma kaufte, um 2014 schliesslich die Mehrheit von Doodle zu übernehmen. Doodle passt mit seinem Werbeanzeigengeschäft und als digitale Plattform perfekt ins Portfolio des Medienhauses TX Group. Bis heute zählt Doodle Millionen von User auf der ganzen Welt und erfreut sich grundsätzlich hoher Beliebtheit, nicht zuletzt dank dem unkomplizierten Zugang – beispielsweise konnten User ihre Terminvorschläge in den Umfragen völlig anonym eintragen.

Im März 2022 kam es dann zu einem Sturm der Entrüstung bei der Nutzerschaft – Doodle lancierte stolz Version 5.0 der Plattform und der Mobile App, den Free-Usern missfiel das Update jedoch gehörig. Sowohl die Kommentar­spalten unter Online-Meldungen zu Version 5.0 wie auch die Bewertungen unter den App Downloads sind heute mit harscher Kritik gespickt. Ärger gibt es in vielen Bereichen: Der Zwang zur Angabe der E-Mail-Adresse, das Fehlen von Freitextumfragen, die Banalisierung verschiedener Funktionen, invasive Werbung und einige weitere Punkte lassen die Nutzer derzeit schäumen. Es hagelt 1-Stern-Bewertungen für die App. Ein geglückter Launch einer Major-Version sieht leider anders aus.

Zugutehalten muss man Doodle aber sicherlich eines: Man versteckt sich nicht und steht Red und Antwort zum missglückten Update. «Swiss IT Magazine» konnte mit Doodle-CEO Renato Profico sprechen und nachfragen, was denn da genau passiert ist und ob die Nutzer auf Besserung hoffen dürfen.

Ein Monolith

«Man muss erst verstehen, wo wir mit Doodle herkommen», so Profico zum Einstieg und erklärt die anfangs beschriebene Timeline der Gründungs- und Inhabergeschichte. Er geht dabei besonders auf einen Wechsel ein, der 2016 stattgefunden hat – an diesem Punkt war Doodle als starker Schweizer Digital-Brand bereits weltweit bekannt. «Damals hat man entschieden, in ein professionelles Terminfindungs-Tool zu investieren», so der CEO und spricht damit die kostenpflichtigen Pro-, Team- und Enterprise-Modelle von Doodle an. So traf TX die strategische Entscheidung, Doodle in einen SaaS-Bereich zu überführen, «jedoch immer ganz klar mit dem Ziel, die für uns sehr wichtigen kostenlosen Nutzer nicht zu verlieren», wie er betont. Mit dem Starter-Abo bot man ab 2017 zuerst eine Nutzung ohne Werbung an, im weiteren Verlauf wurden mehr Bezahlmodelle (Pro und Team) mit verschiedenen Funktionalitäten für den professionellen Einsatz ergänzt.

Warum es diese Vorgeschichte braucht? «Weil Doodle 2007 mit einer monolithischen Bauweise startete und bis vor Kurzem technologisch nicht mehr State of the Art war. Besonders im agilen SaaS-Bereich», wie Profico erklärt. «Um Doodle weiterentwickeln zu können, brauchten wir eine neue Service-orientierte Architektur.» Für TX führte also nichts an einem kompletten Neuaufbau der gesamten Software vorbei. Und genau dieses von Grund auf neu gebaute Doodle sorgt in diesen Wochen für rote Köpfe.
 
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Kommentare

Freitag, 6. Mai 2022 Peter Janes
Leider sehr missglückte Neu-Lancierung - als langjähriger Pro User habe ich Stunden damit verbracht, Fehler zu suchen und an Doodle zu melden - auch wiederholte Hinweise, besser zu testen und erst dann in den Rollout zu gehen. Als Business User kann und will ich nicht bei jeder Terminplanung mit Stabilitätsproblemen Zeit verlieren, so dass ich irgendwann notgedrungen auf Calendly gewechselt habe. Schade für die an sich schöne Doodle Lösung, aber die Migration war einfach nur unprofessionell.

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