CIO-Interview: «Im Bauwesen muss die IT bis auf die ­Baustelle gebracht werden»

CIO-Interview: «Im Bauwesen muss die IT bis auf die ­Baustelle gebracht werden»

26. Februar 2022 - Stephan Burkart hat mit seinem Team die IT von Implenia grundlegend modernisiert und in die Cloud geführt. Im Interview schildert er die Besonderheiten der IT im Bauwesen.
Artikel erschienen in IT Magazine 2022/03
Swiss IT Magazine: Herr Burkart, wie sieht Ihr Aufgabengebiet als CIO von Implenia aus?
Stephan Burkart:
Es differenziert sich eigentlich kaum von dem eines CIO in anderen Unternehmen. Ein Hauptthema ist die Sicherstellung des laufenden Betriebs hinsichtlich Verfügbarkeit und auch punkto Security – gerade dies wird immer wichtiger. Es ist immer ein Spagat zwischen Stabilität, Innovation und Projekten. Alles unter einen Hut zu bringen ist wohl für jeden CIO eine Herausforderung.

Es gibt doch aber sicher Besonderheiten in der IT eines Baukonzerns…
Eine Spezialität ist, dass die IT bis auf die Baustelle gebracht werden muss. Dort gibt es keine IT aus der Steckdose, und es ist kaum wirtschaftlich, umfangreiche Systeme direkt vor Ort zu betreiben. Auch deshalb ist unsere Cloud-first-Strategie so wichtig, die wir in den letzten Jahren konsequent verfolgen. Eine weitere Herausforderung ist das beschränkte Budget innerhalb der Baubranche, wir müssen gut priorisieren und fokussieren.

Und hinsichtlich Anwendungen? Sie müssen doch sicher auch spezifische Applikationen für das Bauwesen wie zum Beispiel CAD unterstützen?
Richtig, auch hier ist das Bauwesen speziell. Wir managen gegen 700 Applika­tionen, das ist ungewöhnlich viel und ist einerseits durch den erwähnten lokalen Betrieb auf den Baustellen getrieben, aber auch dadurch, dass oft die Auftraggeber bestimmen, welche Software wir für ihre Projekte nutzen. Allein von Auto­CAD müssen wir zum Beispiel fünf Versionen unterstützen – wirtschaftlich und hinsichtlich Komplexität eigentlich wenig sinnvoll.
Implenia ist in mehreren europäischen Ländern aktiv. Was bedeutet dies für die IT?
Das Bauwesen ist stark lokal getrieben, es gilt viele lokale und landesspezifische Gegebenheiten zu berücksichtigen. Zum Beispiel ist man in Schweden und Norwegen mit der Digitalisierung schon sehr weit, auch punkto Regulatorien. In Österreich dagegen läuft alles noch etwas papiergetrieben. In Deutschland wiederum wird es bezüglich Mobilität und Connectivity auf den Baustellen schwieriger. Die Herausforderung liegt darin, möglichst viele IT-Services zu standardisieren und konsolidieren, und trotzdem die unterschiedlichen lokalen Gegebenheiten bestmöglich zu unterstützen.

Wie gestaltet sich diese Vereinheitlichung?
Implenia hat in den letzten drei Jahren eine umfassende Transformation durchgemacht. Dabei haben wir von einer länderspezifischen zu einer divisionalen Organisation gewechselt. Davon betroffen sind auch die Gruppenfunktionen und damit die IT. Die IT ist nun zentral organisiert. Die Transformation war eine sehr gute Gelegenheit, die IT zu konsolidieren. Für viele Firmen ist die Konsolidierung eine grosse Herausforderung, wir konnten sie organisch aufbauen. Organisatorisch sind in den Ländern die Country IT Manager mit ihren Teams zuständig. Sie berichten fachlich an mich und in direkter Linie an den jeweiligen Country President. Als Group CIO rapportiere ich direkt an unseren CEO André Wyss.

Und wo sitzt diese zentralisierte IT?
In unserem neuen Hauptsitz im Glattpark in Opfikon, den wir Implenia Connect nennen. Hier sind alle Divisionen und Funktionen im Raum Zürich unter einem Dach vereint. Das macht es einfach, sich mit Kollegen aus der IT und vor allem aus dem Business auszutauschen, sei es im Vorbeigehen oder bei einem Kaffee.
 
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