Kolumne: Reisefieber für das Klima statt ICT

Kolumne: Reisefieber für das Klima statt ICT

29. Januar 2022 - Fritz Sutter prangert den Bewegungsdrang, den der Klimaschutz bei gewissen Personen auslöst, an.
Artikel erschienen in IT Magazine 2022/01
Fritz Sutter ist ehemaliger Präsident des Schweizerischen Telekommunikationsverbands Asut und langjähriger Kolumnist von «Swiss IT Magazine». Er vertritt seine persönliche Meinung. (Quelle: zVg)
Es ist bemerkenswert, dass die gleichen Leute, die dem einfachen Bürger energetische Zurückhaltung predigen, selbst keine Hemmungen haben, in der Welt herumzufliegen, anstatt sich digitaler Hilfsmittel zu bedienen.

Erstes Beispiel: Erinnern Sie sich noch, wie der einstige Bundesrat Leuenberger als Auftakt zu einer Energiekampagne medienwirksam an einem Autoauspuff schnüffelte? Das inszenierte Spektakel wurde damals von einem Hoffotografen festgehalten, der wie zufällig nasennah zur Stelle war. Derselbe Bundesrat hatte aber keine Skrupel, per Helikopter von Bern an einen Anlass nach Zernez zu fliegen und gleichzeitig – gleichzeitig! – ein Dienstfahrzeug mit Chauffeur ins Engadin fahren zu lassen. «Sicherheitshalber, falls der Heli wetterbedingt nicht fliegen könne», lautete die Begründung. Das Flugwetter war dem Bundesrat jedoch wohlgesinnt, sodass auch die Heimreise planmässig per Helikopter erfolgen konnte. Die Bundesratslimousine legte derweil je 300 Kilometer von Bern nach Zernez und von Zernez nach Bern unauffällig als Leerfahrten zurück. Unwillkürlich fällt einem die bekannte Redewendung aus einem Gedicht von Heinrich Heine ein: «Wasser predigen und Wein trinken». Wasser predigen und Wein trinken für unser aller Klima! Tja, warum auch nicht!
Zweites Beispiel: Bundesrätin Simonetta Sommaruga nahm im Sommer in London an einem Umweltministertreffen zur Vorbereitung der UNO-Klimakonferenz teil. Die Rückreise verlief unplanmässig, weil ein Triebwerk ihres dreistrahligen Bundesratsjets nicht gestartet werden konnte. Sie hätte nun umweltschonend einen Linienflug vom nahe gelegenen Flughafen Heathrow nach Hause nehmen können. Denkste. Es musste flugs – nomen est omen – ein zweiter Bundes-Privatjet nach England geflogen werden, um sie zurückzuholen! Am Glasgow-Gipfel selbst sagte sie wörtlich: «Die Erwartungen sind gross. Zu Recht, weil es eilt. Wir haben keine Zeit zu verlieren». Und flog klimaschonend wieder in die Schweiz zurück. Der Bundesratsflieger verbrannte für Hin- und Rückreise zirka 3000 Liter Treibstoff. Es führt eben kein Weg vorbei: Für das Klima muss das Klima leiden. Und kaum wieder zu Hause, verpflichtete sie die Swisscom, in der ganzen Schweiz weiterhin die Telekommunikations-Grundversorgung sicherzustellen. «Wir sind der Ansicht, dass Swisscom das stemmen kann» meinte Frau Sommaruga dazu recht salopp. Angaben zu den voraussichtlichen Stemm-Kosten machte sie nicht. Warum auch, solange andere bezahlen.

Drittes Beispiel: Klimaaktivisten, wie sie sich bezeichnen, nehmen grosse Unannehmlichkeiten in Kauf. Kürzlich mussten sie aus der ganzen Welt an den UNO-Klimagipfel nach Glasgow fliegen, um sich während vierzehn Tagen gegenseitig ihre immer gleichen Meinungen vorzutragen und anzuhören: 22’000 Delegierte, 14’000 Beobachter und 4000 Journalisten. Summa summarum 40’000 Leute aus 190 Nationen, darunter auch ein Dutzend Vertreter aus der Schweiz. Jeder Teilnehmer am Glasgow-Klimagipfel verbrauchte für die Reiserei vermutlich mehr Energie als die meisten Menschen während eines ganzen Jahres. Und nur am Rande sei vermerkt, dass das grosse Palaver, wie die NZZ die zweiwöchige (!) Veranstaltung bezeichnete, ohne konkrete Ergebnisse zu Ende ging. Man entschied sich, die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu beschränken. Das ist ungefähr gleich wirksam, wie wenn der Regierungsrat des Kantons Schwyz beschliessen würde, dienstags jeweils den Föhn zu verbieten.

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