Mit dem Tablet auf den Bau

Mit dem Tablet auf den Bau

2. Oktober 2021 - Das Start-up Denkkraft will die Arbeit von Architekten und Bauleitern vereinfachen und hat das Baujournal digitalisiert.
Artikel erschienen in IT Magazine 2021/10
Handschriftlich Korrekturen erfassen und gleich an den Dienstleister mailen ist ein zentrales Feature von Juurly. (Quelle: Denkkraft)
Zu jedem Bauvorhaben gehört ein Baujournal. Hier hält der Bauleiter alle wesentlichen Details fest, die mit dem Projekt zu tun haben: Welcher Gewerbetreibende welchen Auftrag erhält, wo es Änderungen vom ursprünglichen Plan gibt, er dokumentiert Fehler, erfasst Materialbestellungen sowie das tägliche Wetter. Das Baujournal dient nicht nur zum Managen des Baus, sondern ist gesetzlich vorgeschrieben als Quelle für Versicherungsfälle. «Bei Schadensfällen wird sofort nach dem Baujournal verlangt», erklärt Marc Vontobel vom Architekturbüro A. Somogyi in Romanshorn.

Vielerorts heisst das heute noch, mit Zetteln auf der Baustelle arbeiten, Fotos mit dem Handy machen und anschliessend alles im Büro digitalisieren und ordnen. Architekt und Bauleiter Marc Vontobel war die Zettelwirtschaft Leid. Schon vor Jahren erkannte er das Potenzial der ersten Tablets. Doch die Technik war noch nicht ausgereift. 2019 war es dann soweit, nach zahlreichen Brainstormings mit seiner Frau Nicole kam das Ehepaar zu dem Schluss, die Zeit sei reif. «Wir sahen das Potenzial einer Tablet-First-Lösung, die für die Eingabe auf handschriftliche Notizen via Stift oder Finger setzt», erinnert sich Nicole Vontobel.

Handschrift in Text umwandeln

Zusammen mit der Digitalagentur Chili wurde ein erster Prototyp des digitalen Baujournals Juurly entwickelt. Zentral war von Anfang an die automatische Erkennung der Handschrift und deren Umwandlung in Text. So kann der Bauleiter mobil und ohne weitere Hilfsmittel die Lage auf der Baustelle dokumentieren. Die Doppelspurigkeit bei der Nachbearbeitung im Büro entfällt. Gleichzeitig liefert die Lösung ein Schema mit, das sich am Baukostenplan (BKP) orientiert. Dieser gliedert die Kosten beim Hausbau nach Aufwandgruppen. Er macht sie vergleichbar und hilft der Bauherrschaft bei der Kostenkontrolle.

Praktisch sieht das so aus: Der Bauleiter importiert seine Kontakte und eröffnet ein Projekt. Für die einzelnen Abschnitte kann er dann per Klick die Zuständigkeiten verteilen. Während der Bau voranschreitet, dokumentiert er mit Kamera, Audioaufnahme oder auch Speech-to-Text die Entwicklungen. Juurly ergänzt diese Informationen jeweils automatisch um das Wetter. «Das ist sehr wichtig für die Nachvollziehbarkeit. Ein Gipser sollte zum Beispiel nicht bei Minusgraden arbeiten. Gibt es trotzdem einen Schaden, kann man so gegenüber der Versicherung nachweisen, dass das Wetter gut war», so Vontobel.

Die über Juurly vergebenen Aufgaben gehen per Mail an die einzelnen Dienstleister. Für Rückmeldungen steht ein Link zur Verfügung. So können die Dienstleister Feedback geben oder auch den Vollzug melden. «Für uns war es wichtig, dass die Dienstleister nicht gezwungen sind, unsere Lösung zu kaufen», erklärt Vontobel. «Auch wenn es mittlerweile einige Betriebe gibt, die Juurly selbst verwenden».
 
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