Glasfaser-Infrastruktur: «Wir wollen mehrere ­hunderttausend Anschlüsse bauen»

Glasfaser-Infrastruktur: «Wir wollen mehrere ­hunderttausend Anschlüsse bauen»

4. September 2021 - Swiss4net hat bis heute Glasfasernetze in Ascona, Baden, Chiasso und Pully gebaut. Wie der Ausbau fortgesetzt werden soll, wie sich das Modell von Swiss4net von dem der Mitbewerber unterscheidet und wie Kunden davon profitieren, verrät CEO Roger Heggli im Gespräch.
Artikel erschienen in IT Magazine 2021/09
Roger Heggli, CEO, Swiss4net (Quelle: Swiss4net)
Swiss IT Magazine»: Swiss4net baut seit 10 Jahren Glasfasernetze, trotzdem ist das Unternehmen kaum bekannt. Weshalb ist das so?
Roger Heggli
: Wir haben nicht den Eindruck, kaum bekannt zu sein. Die Energieversorgungsunternehmen (EVU) in der Schweiz kennen uns sehr gut, ebenfalls viele Gemeinden und Städte. Genauso kennen uns die Internet Service Provider (ISP) im Land, zahlreiche von ihnen haben wir bereits an Bord bei unseren vollständig betriebenen FTTH-Netzen. In der breiten Öffentlichkeit ist die Bekanntheit sicherlich geringer, da haben Sie recht. Wir haben bis zum jetzigen Zeitpunkt vier Glasfasernetze gebaut, was von der Öffentlichkeit vielleicht noch nicht in der Breite wahrgenommen wurde. Doch dort, wo wir bekannt sein müssen, sind wir das auch.


Können Sie denn für all die, die Swiss4net noch nicht kennen, ausführen, was Ihr Unternehmen genau macht?
Swiss4net hat sich ganz klar dem Bau und dem Betrieb von Punkt-zu-­Punkt-Glasfasernetzen verschrieben. Dabei kümmern wir uns um den kompletten und flächendeckenden Ausbau bis zur Nutzungseinheit – sprich bis in die Wohnungen oder Unternehmen. Wir finanzieren den Bau der Netze selbstständig, unterhalten also weder mit EVUs noch mit ISPs oder mit Gemeinden Kooperationen. Wir sind vollkommen autonom unterwegs. Wichtig ist auch zu erwähnen: Wir sind kein ISP und wollen auch kein ISP werden, sondern bieten einzig Glasfasern auf Layer-1-Basis, die ISPs bei uns mieten können, um ihre Dienste darüber laufen zu lassen. Bis heute betreiben wir als Gruppe vier diskriminierungsfreie Glasfasernetze in der Schweiz, die als Betriebsgesellschaften in Form einer AG organisiert sind und durch uns finanziert werden. In den kommenden Jahren soll die Zahl auf mehrere hunderttausend Anschlüsse deutlich ausgebaut werden.

Sie haben es erwähnt: Swiss4net übernimmt sämtliche Kosten für den Glasfaser-Ausbau. Das ist bei anderen Unternehmen, die Glasfasernetze bauen, aber nicht anders, oder?
Doch, das ist es. Bei den Modellen unserer Mitbewerber tragen die EVU und Gemeinden einen Teil der Kosten mit. Wir nutzen für den Bau unserer offenen Glasfasernetze die bestehenden Rohre der EVU und Gemeinden und entschädigen diese fair für deren Nutzung. Die EVU und Gemeinden können damit sogar Geld verdienen – ohne dabei ein finanzielles Risiko eingehen zu müssen. Hinzu kommt der technische Unterschied bei unseren Glasfasernetzen: Bei den meisten Glasfasermodellen wird das Netz bis zum Gebäudeeinführungspunkt gebaut. Die Steigzone respektive die Anschlüsse in den Wohnungen oder Unternehmensräumlichkeiten muss der Eigentümer bezahlen. Wir hingegen finanzieren den kompletten Ausbau bis und mit Glas­faserdose.
Warum finanzieren Sie den kompletten Ausbau? Sind die Hauseigentümer denn nicht gewillt, den Ausbau innerhalb der Gebäude zu bezahlen?
Bei grossen neuen Mehrfamilienhäusern oder neuen Überbauungen wird der Ausbau vom BEP – dem Eingangspunkt im Gebäude – bis zur OTO – der Glasfasersteckdose in den Räumlichkeiten – durch die Eigentümer noch eher finanziert. Doch bei bestehender Gebäudeinfrastruktur sind die Hauseigentümer nicht bereit, den Ausbau mit Glasfasern bis in die Nutzungseinheiten zu finanzieren. Für uns ist aber klar, dass wir mit der Glasfasersteckdose bis in die Wohnungen und Unternehmen vordringen, um als neue Technologie wahrgenommen zu werden und eine sofortige Bestellmöglichkeit zu bieten. Dazu reicht es nicht, Glasfasern bis in den Keller zu ziehen. Denn dann bleiben sie meist auch dort. Unsere Anschlüsse sind sofort betriebsbereit und ein ISP respektive dessen neuer Kunde kann darauf innert 24 Stunden seine Dienste nutzen.

Lohnt sich das für Sie? Beziehungsweise wie lange dauert es denn, bis dieser Komplettausbau refinanziert ist?
Hierzu kann ich keine Details verraten. Ich kann Ihnen aber so viel sagen: Bei all unseren Kapitalgebern handelt es sich um langfristig denkende Unternehmen, die in Zeiträumen von zehn bis 20 Jahren rechnen. Ein Glasfaserausbau ist ein Infrastrukturausbau mit langfristiger Perspektive, und auch wir als Unternehmen denken langfristig. Unsere Netze sind Anlagevermögen und werden bis in zehn Jahren nicht an Wert einbüssen – im Gegenteil: Wir gehen davon aus, dass ein Glasfasernetz in zehn Jahren einiges mehr Wert sein wird als es das heute ist. Nehmen Sie ein Kupfernetz als Beispiel, das einst für die Telefonie gebaut wurde. Über dieses Netz werden heute hochwertige Dienste ausgeliefert zu Preisen, die vor einigen Jahrzehnten, als die Netze erstellt wurden, nicht denkbar waren. Und genauso wird auch das Glasfasernetz die Bevölkerung über Jahrzehnte hinweg versorgen.

Ist das auch der Grund, weshalb Sie erklären, die Finanzierung von Fibre to the Home rechne sich auch in kleinen und mittelgrossen Gemeinden? Das wäre ja bei Swisscom und Co. nicht anders?
Ich kann nur für uns sprechen, und wir sind absolut der Meinung, dass sich der Glasfaserbau bis in die Nutzungseinheit auch ausserhalb der grossen Städte und Agglomerationen lohnt. Gerade die Bevölkerung in Gemeinden und kleineren und mittelgrossen Städten ist eigentlich am stärksten auf Glasfaser angewiesen, da die bestehenden Netze dort oft weniger leistungsfähig sind als die in grösseren städtischen Gebieten. Was uns sicherlich hilft, ist, dass wir als Organisation sehr schlank aufgestellt und wie bereits erklärt sehr autonom unterwegs sind. Das heisst, wir haben sehr wenige oder praktisch gar keine Schnittstellen und können dadurch hocheffizient arbeiten – viel effizienter, als wenn man ein Netz als Teil einer Kooperation baut, in der mehrere Parteien mitdiskutieren. Gleichzeitig ist unser Modell dadurch attraktiv, dass wir kein ISP sind. Wenn wir mit unseren Kunden, also den ISPs, zusammensitzen, tun wir das in einem Verhältnis Kunde/Lieferant. Bei anderen Netzanbietern hingegen sitzt der ISP als Kunde gleichzeitig mit dem Mitbewerber am Tisch. Jeder, der sich schon einmal mit Ökonomie beschäftigt hat, weiss, dass das nicht funktionieren kann.
 
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