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CIO-Interview: «Der Technik­glaube scheint mir oft ­ etwas hoch»

CIO-Interview: «Der Technik­glaube scheint mir oft ­ etwas hoch»

5. Dezember 2020 - CIO-Interview Informatik ist bei Sisag Chefsache, so CEO Marco Zgraggen, da keine Steuerungsanlage für Seilbahnen ohne Informatik auskommt. Welche Rolle dabei das Thema Security spielt, und wie man im Urnerland IT-Spezialisten findet, erklärt Zgraggen im Interview.
Artikel erschienen in IT Magazine 2020/12
Marco Zgraggen ist CEO von Sisag. (Quelle: Sisag)
Swiss IT Magazine»: Das Jahr 2020 steht im Zeichen der Coronapandemie. Wie stark ist Ihr Unternehmen von der Situation betroffen?
Marco Zgraggen:
Auch Sisag ist von der Situation betroffen, da wir mit unseren Seilbahnsteuerungen einen grossen Teil unserer Gesamtmarktleistung im Tourismusumfeld erwirtschaften. Allerdings waren die Folgen des Lockdowns im Frühling für uns nicht unmittelbar dramatisch, weil unsere Projekte eine Laufzeit von einem halben bis einem ganzen Jahr oder mehr haben. Was wir hingegen seit dem Frühling spüren, ist die grosse Unsicherheit bei unseren Kunden. Die Nachfrage ist zwar nach wie vor hoch, aber es werden kaum mehr Entscheidungen gefällt. Für dieses Jahr rechne ich, dass wir mit einem blauen Auge davonkommen. Schwierig dürften dann die kommenden ein, zwei Jahre werden, und es muss uns gelingen, dass wir unser Know-how – sprich unsere Mitarbeiter – auch in diesen absehbar schwierigen Zeiten halten können.


Und was bedeutet die Pandemie für Ihre interne IT?
Intern wurde der digitale Wandel durch die Coronasituation enorm beschleunigt. Das zeigt sich allein schon am Beispiel Home Office. Vor der Pandemie nutzten etwa 10 Prozent unserer rund 150 Mitarbeiter unsere VPN-Leistung. Diese Zahl hat sich innert Kürze verfünffacht, was unsere interne IT insofern gefordert hat, als dass wir unsere Infrastruktur anpassen mussten. Gleichzeitig war die Verschiebung ins Home Office respektive die Arbeit von Extern aufgrund unserer weltweiten Tätigkeit kein Neuland für uns, sondern in der Tat nur ein kurzfristiges Aufrüsten der Kapazitäten. Wir waren bereit, mussten kein zusätzliches Know-how aufbauen.

Sie tragen als CEO gleichzeitig die Gesamtverantwortung für die Informatik bei Sisag. Warum diese Doppelrolle?
Ich muss hierzu vorausschiessen, dass wir einen Leiter Informatik beschäftigen, der sich um die IT-Infrastruktur kümmert. Dass ich die Gesamtverantwortung für die IT trage, hängt in erster Linie damit zusammen, dass Informatik eine unserer Kernkompetenzen darstellt und die IT-Strategie bei Sisag Chefsache ist. Wir sind kein gemanagter Betrieb, Leute in führenden Positionen bei Sisag haben in der Regel einen technischen Hintergrund, mein eigener Background liegt in der Elektroinformatik.
Wie sind denn die Aufgaben zwischen Ihnen und Ihrem IT-Leiter aufgeteilt?
Unser IT-Leiter ist im Wesentlichen für drei Bereiche verantwortlich. Zum ersten muss er mit seinem Team aus drei Mitarbeitern und zwei Lehrlingen sicherstellen, dass die IT-Betriebsmittel für die ganze Sisag-Gruppe bereitstehen – angefangen beim Desktop über das Netzwerk und Remote-Zugänge bis hin zur Datensicherung. Dazu gehört auch das Thema IT-Security, was ein sehr wichtiger Bereich für uns ist und dass wir beide uns absprechen, was Entscheidungen bei Investitionen angeht. Ebenfalls in seiner Abteilung ist der Support für die Projektumsetzung angegliedert, was Fragen der IT angeht. Und der dritte Teil umfasst IT-Dienstleistungen, die wir für Kunden rund um den Betrieb der Anlagen erbringen. Zahlreichen Kunden von uns ist die IT mittlerweile über den Kopf gewachsen, weshalb sie deren Betrieb an uns auslagern. Hier sind wir auch stark in der strategischen Beratung tätig.

Aber als IT-Dienstleister treten Sie nur für Ihre eigenen Systeme auf?
Nein, das geht auch über unsere eigenen Systeme hinaus. Wir betreuen die IT auf Wunsch des Kunden auch gesamtheitlich – sind quasi ein klassischer IT-Dienstleister, der aber auf eine bestimmte Kundschaft spezialisiert ist.

Wie sind Sie über die interne IT hinaus organisiert?
Im Wesentlichen bietet Sisag Produkte in drei Bereichen an: Seilbahnen, Strassenverkehr und allgemeine Industrieautomation. In diesen drei Sparten findet sich jeweils eine Verkaufsabteilung, ein Engineering-Team und eine Produktionsabteilung, die für alle drei Bereiche Anlagen baut. In den jeweiligen Engineering-­Teams findet sich immer auch eine Software-Entwicklertruppe, die spezifisch für den jeweiligen Markt Produkte und Systeme entwickelt. Das bedeutet also, dass wir abgesehen von den zentralen Diensten nicht eine einzelne Informatik-Abteilung haben, die übergreifend Systeme entwickelt und unterhält. Vielmehr sind wir als Matrix-Organisation aufgestellt.

Aber eine klare Trennung zwischen interner IT und Produktentwicklung findet statt?
Ja, die findet statt – die interne IT agiert losgelöst von der Entwicklung und kümmert sich ganzheitlich um die Systeme.
 
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