CIO-Interview: «Das Ziel: Mehr Zeit für den Patienten»

CIO-Interview: «Das Ziel: Mehr Zeit für den Patienten»

(Quelle: GZO Spital Wetzikon)
2. Mai 2020 - Markus Spiess, Leiter Informatik des GZO Spital Wetzikon, zu den Herausforderungen im Spitalbetrieb, zum Corona-­Krisenmanagement und zur IT-Security medizinischer Gerätschaften.
Artikel erschienen in IT Magazine 2020/05
Swiss IT Magazine: Lassen Sie uns erst über den Kontext Ihres Betriebes sprechen, um Ihre gesamte Situation besser zu verstehen, bevor wir auf die Herausforderungen der Coronapandemie zu sprechen kommen. Wie sind Sie in Ihrer Spital-IT aufgestellt?
Markus Spiess:
Wir beziehen einen Grossteil der IT-Dienstleistungen von externen Providern. Im Rahmen der aktuellen IT-Strategie 2016 bis 2022 wurde entschieden, dass gewisse Kompetenzen inhouse aufgebaut werden sollen. Umgesetzt wurde das in der Form eines Servicepoints. Die Idee dahinter war, der IT als Dienstleister ein Gesicht zu geben, den persönlichen Kontakt der Informatik zu GZO-Mitarbeitenden als unsere Kunden zu fördern und die gemeinsame Zusammenarbeit zu stärken.

Und wie viele Teammitglieder zählt Ihre interne Abteilung heute?
Im Dezember 2018 habe ich die Informatikabteilung mit zwei Servicepoint-Mitarbeitenden und einem Mitarbeitenden im Bereich der klinischen Applikationen übernommen. Mittlerweile zählt das IT-Team am GZO sieben Personen. Wir haben insgesamt drei Applikationsverantwortliche. Eine Person im Bereich der klinischen und administrativen Businessanwendungen (KIS und ERP), eine Person für das Thema Medizininformatik und als dritte Person den zuständigen Applikationsverantwortlichen für die technischen Kommunikationssysteme. Ab August 2020 wird unser Servicepoint durch einen dritten Mitarbeitenden verstärkt. Als zusätzliche Unterstützung des Applikationsverantwortlichen (KIS, ERP) haben wir im Teilpensum einen weiteren Mitarbeitenden.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den externen Dienstleistern, die Sie angesprochen haben?
Die Zusammenarbeit basiert auf umfangreichen Service Level Agreements. Die gesamte Infrastruktur wie Server, Storage und Netzwerk wird in den georedundanten Rechenzentren eines Dienstleisters betrieben. Eine gute Abstimmung der Prozesse und natürlich eine gute Kommunikation mit dem Provider ist eine wichtige Voraussetzung für einen reibungslosen Betrieb. Gerade weil wir die interne Informatikabteilung in den letzten Jahren vergrössert haben und spezifische Services selbst übernehmen können, entstehen nun neue Schnittstellen, die gemeinsam koordiniert sein müssen.
Machen Sie mit dieser Mischung aus internen und externen Leistungen gute Erfahrungen?
Die Erfahrungen sind unterschiedlich, je nach Themenbereich. In einem Spital gibt es aufgrund der Heterogenität sehr viele komplexe Themenfelder. Für einen Provider ist es daher natürlich eine Herausforderung, in allen Fachgebieten entsprechende Fachkompetenz auszubauen. Die Herausforderung für uns ist es daher, herauszufinden, mit welchem Partner welche Themen angegangen werden. Die Frage ist also: Mit welcher Sourcing-Strategie erreiche ich die beste Wertschöpfung für unser Unternehmen?

Gleichzeitig haben Sie ja einen Teil der Kompetenzen aktiv wieder zurück ins Haus geholt.
Ja, neben dem Aufbau eines eigenen Servicepoints haben wir die strategische Führung der Projekte ins Haus geholt.

Wie haben Sie das strategisch umgesetzt?
Gemeinsam mit der Abteilung für Unternehmensentwicklung führten wir das Projekt-Steuerungsverfahren Kanban ein. So ist es in den letzten Jahren gelungen, Dutzende von Projekten unterschiedlicher Komplexität spitalübergreifend und ihrem jeweiligen Entwicklungsstand entsprechend sichtbar zu machen, zu priorisieren und in der Planung und Umsetzung zu begleiten. Auf der Ebene des Servicepoints legten wir den Fokus auf das Endgerät. Bekanntlich entstehen dort Probleme oder Anforderungen. Ein Endgerät, zum Beispiel ein PC, ist das Bindeglied zu Services, die angeboten werden. Aus diesem Grund haben wir uns dazu entschlossen, das komplette Client Management selbst in die Hand zu nehmen. Wir haben dazu ein Client-Management-System eingeführt. Unseren Servicepoint haben wir dahingehend befähigt, Windows-basierende Betriebssysteme automatisiert installieren zu können. Das Konzept hat sich sehr bewährt und funktioniert wunderbar. Damit sind wir sehr agil geworden und können Staging, Softwareverteilung und Patching massiv günstiger und schneller bewerkstelligen als zuvor. Wir verfolgen den klaren Ansatz von End-to-End-Prozessen. Das Ziel: mehr Zeit für den Patienten. Wir stellen uns die Frage, wie die Informatik das Tagesgeschäft entlasten kann. Digitalisierung allein reicht nicht aus, die Lösung heisst aus meiner Sicht Automatisierung. Einen echten Service zu bieten, bedeutet, dass die Benutzer effizienter arbeiten können und damit mehr Zeit für ihr Kerngeschäft haben – bei uns also mehr Zeit für den Patienten.

 
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