CIO-Interview: «Wir werden täglich angegriffen»

CIO-Interview: «Wir werden täglich angegriffen»

4. April 2020 - Divisionär Alain Vuitel trägt als Chef FUB die Verantwortung für die Informatik- und Kommunikationsdienste der Armee. Nebst Cyber-Angriffen beschäftigen ihn und sein Team vor allem auch die Standardisierung von Legacy-Anwendungen und die Konsolidierung von über 40 Rechenzentren in deren drei.
Artikel erschienen in IT Magazine 2020/04
«Swiss IT Magazine»: Das Emblem der Führungsunterstützungsbasis (FUB) zeigt eine Faust mit einer Hellebarde und zwei Blitzen. Wäre ein Netzwerkanschluss nicht treffender, oder gibt es eine Geschichte hinter dem Emblem?
Alain Vuitel:
Die gibt es. Mit dem Badge wird «Arma mentis ductu» vermittelt, das bedeutet «Übermittlung, Waffe der Führung». Der Blitz mit Spitzen an beiden Seiten steht für die Aufklärung, der einseitige Blitz für die Übermittlung. Die Hellebarde ist ein Symbol der Armee. Das alles wird von der FUB-Faust zusammengehalten, wobei die fünf Finger der Faust für die fünf Punkte der Mission der FUB stehen. Robuste, hochsichere IKT-Leistungen und elektronische Operationen für die Armee in allen Lagen.

Können Sie eingangs ausführen, worin die wesentlichen Aufgaben der FUB liegen?
Im Zentrum unserer Tätigkeit stehen die Daten der Armee. Das Gros dieser Daten ist sensitiv, vertraulich oder sogar geheim und muss entsprechend geschützt werden. Damit die Daten genutzt werden können, betreiben wir unzählige verschiedene Fachsysteme und -anwendungen. Diese werden durch die verschiedenen Kommandanten innerhalb der Schweizer Armee genutzt, damit sie ihre Führungsaufgaben wahrnehmen und ihren Auftrag erfüllen können. Ein weiterer Teil unserer Aufgabe ist die Sicherstellung von robusten, hoch verfügbaren Verbindungen zu unseren Kommandanten zum einen und zu den zivilen Behörden zum anderen. Hinzu kommt der Betrieb von Führungsanlagen für die Armee und die Landesregierung. Definiert werden die Aufgaben der FUB durch das Leistungsprofil der Armee und die daraus abgeleiteten Vorgaben, das «Zielbild FUB 2022» und unsere IKT-Sicherheitsstrategie. Die Armee erwartet von der FUB, dass sie als IKT-Provider einen hoch­sicheren und robusten Betrieb der IKT-Infrastrukturen sicherstellt, damit wir rund um die Uhr, 365 Tage und lageunabhängig die Armee unterstützen und die Führungsfähigkeit der Armee ermöglichen können.
Wie ist die FUB dabei aufgestellt?
Ich werde durch einen Stab unterstützt, der die Stabsfunktionen übernimmt und zusätzlich für das Einsatz- und Krisenmanagement verantwortlich ist. Dann steht mir ein CISO – ein Chief Information Security Officer – zur Seite, welcher mit dem Cyber Fusion Center die Sicherheit unserer Systeme und Infrastruktur rund um die Uhr gewährleistet. Weiter gibt es einen Bereich Unternehmensentwicklung und den Bereich Kundenservices, der als Bindeglied zwischen der FUB und unseren Kunden agiert – welche in erster Linie die verschiedenen Bereiche der Armee sind, aber auch der Nachrichtendienst des Bundes, der Sicherheitsverbund Schweiz und das Bundesamt für Bevölkerungsschutz. Dann haben wir die Bereiche Erneuerung und Betrieb, wobei bei Zweitgenanntem aktuell die grosse Herausforderung darin liegt, die vielen historisch gewachsenen Silo- und Le­gacy-­Systeme im Sinne des Zielbildes FUB 2022 zu konsolidieren und auf standardisierte, sichere Plattformen zu migrieren. Der Betrieb ist zentral, um die Leistungen zugunsten der Armee und unseren weiteren Kunden zu erbringen. Schliesslich gibt es noch den Bereich Zentrum Elektronische Operationen, mit den Schwerpunkten Elektronische Kriegführung (EKF) und Cyber. Und als letztes Element kommt die FU-Brigade 41 mit ihren zwölf Bataillonen, die de facto die letzte Meile von der IKT-Infrastruktur bis hin zur Truppe sicherstellt. Alles in allem beschäftigt die FUB knapp 1000 Mitarbeitende, hinzu kommen rund 12’000 Angehörige der Armee, die in der FU Br 41 eingeteilt sind.

Und können Sie die wesentlichen Eckpfeiler Ihrer Infrastruktur aufzeigen?
Die Grundlage bilden sicherlich unsere Rechenzentren, von denen wir aktuell rund 40 betreiben – viele davon sind aber sehr klein und keine eigentlichen Rechenzentren. Hier sind wir aktuell daran, diese Infrastruktur in drei grossen Rechenzentren zu konsolidieren. Dazu kommt eine Unmenge von verschiedenen Anwendungen, wo es nun darum geht, die Standardisierung wo immer möglich voranzutreiben und uns anhand von Business-IT-Services aufzustellen. Der dritte Eckpfeiler ist unsere robuste und von zivilen Providern unabhängige Kommunikationsinfrastruktur. Kernstück dieser Kommunikationsinfrastruktur ist das Führungsnetz Schweiz. Ein breitbandiges, sicheres und hoch verfügbares Glasfaser- und Richtstrahlnetz. Nicht zu vergessen sind ausserdem die ganzen Sensor­anlagen – Radarsta­tionen oder Sende- und Empfangsanlagen, die permanent auf einem aktuellen technischen Stand gehalten werden müssen.
 
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