Online-Handel leicht gemacht
Quelle: SITM

Mycommerce

Online-Handel leicht gemacht

Mit Mycommerce hat Localsearch eine E-Commerce-Lösung für Schweizer KMU, die vom Aufbau eines Online-Shops bis zum Marketing und Verkauf alle Aspekte des Online-Handels abdecken will. Unser Test zeigt, ob dies gelungen ist.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2019/11

     

Die Bedeutung des Online-­Handels steigt, während der stationäre Handel mit Problemen zu kämpfen hat. Kunden kaufen gerne rund um die Uhr übers Internet ein und lassen sich die Waren liefern. Auch kleinere KMU kommen deshalb immer weniger darum herum, neben dem herkömmlichen Ladengeschäft ihre Produkte auch online zu vermarkten und zu verkaufen. Auf der anderen Seite benötigen die Einrichtung und der Betrieb eines Online-Shops Zeit und Know-how – ein Aufwand, den viele Kleinunternehmer neben dem Tagesgeschäft nicht leisten wollen oder können.

Komplettlösung ohne Fachkenntnisse

Das Swisscom-Unternehmen Localsearch will mit der E-Commerce-Plattform Mycommerce dieses Dilemma lösen. Es handelt sich um eine rein cloudbasierte Online-Shop-Lösung mit All-in-one-Anspruch: Mycommerce fasst die Vermarktung in der bekannten Form eines Online-Shops mit Katalog und Warenkorb unter einem Dach mit Logistik- und Bezahllösungen zusammen. Dienste wie Paypal oder Datatrans lassen sich direkt aus der Mycommerce-Administrationsoberfläche heraus anbinden – bestehende Konten bei den verschiedenen Services vorausgesetzt.


Die Marketing- und Verkaufsaspekte beschränken sich zudem nicht auf den eigenen Online-Shop. Localsearch positioniert Mycommerce als Multichannel-Lösung mit direkter Anbindung an digitale Marktplätze wie Amazon, Ebay, Google Shopping sowie Facebook und Instagram. Soweit das Versprechen.

Vier Varianten für jeden Bedarf

Bei der Anmeldung bietet Mycommerce die Wahl zwischen vier Varianten. Wer zunächst ausprobieren möchte, wie die Plattform funktioniert, greift zum Gratisangebot Free. Damit kann ein Benutzer maximal 25 Artikel in zwei Kategorien in den Katalog stellen und den Kunden die Zahlungsmöglichkeiten Paypal oder Rechnung sowie eine Standard-Versandoption anbieten. Die Variante Starter, erhältlich für 9.50 Franken pro Monat, erlaubt 100 Artikel mit unlimitierten Kategorien, ermöglicht Rabatte und E-Mail-Versand sowie die Anbindung weiterer Payment Provider wie Postfinance oder Datatrans, lässt erweiterte Versandoptionen zu und kann Social Media als zusätzlichen Vertriebskanal ­nutzen.

Für weitergehende Ansprüche stehen die Optionen Standard (CHF 59/Monat) und Professional (CHF 119/Monat) bereit. Damit lassen sich neben einzelnen Artikeln auch Artikelkombinationen verkaufen, Abholtermine vereinbaren, zusätzliche Vertriebskanäle und Online-­Marktplätze nutzen und abgebrochene Warenkörbe vermarkten. Die Professional-Variante, konzipiert für die Kombination aus Online-, Mobile- und stationärem Handel, bietet darüber hinaus eine Anbindung an Kassensysteme und die Möglichkeit, eine eigene Mobile-­App zu erstellen.


Zusätzlich lassen sich über einen integrierten App-Markt weitere Funktionen hinzufügen, je nachdem gratis oder gegen Gebühr. Dazu gehören etwa ein Live-Chat, das Trustedsite-Siegel, ein Widget zur zufälligen Anzeige von Artikeln, die Anzeige der kürzlich betrachteten Artikel sowie diverse Statistik- und Ana­lyse-Apps.

Onboarding in sechs Schritten

Nach der Registrierung präsentiert die Administrationsoberfläche als Erstes einen Onboarding-Assistenten, der die Ersteinrichtung des Online-Shops in sechs Schritten begleitet. Der Anspruch einer Lösung, die ohne Spezial-Know-how zu bedienen ist, erfüllt sich dabei in der Praxis voll und ganz: Das Aufsetzen des eigenen Shops ist selbsterklärend und in rund einer halben Stunde erledigt, wenn dabei nur ein paar Artikel erfasst werden.Das Onboarding umfasst das Anlegen des Mycommerce-Kontos, die Angabe grundlegender Informationen zum eigenen Shop, das Erfassen der ersten Artikel, die Überprüfung von Länder- und Währungseinstellungen sowie die Einrichtung von Versandoptionen und Zahlungsmöglichkeiten.


Als Resultat entsteht eine One-Page-­Website, die unter ‹meinefirma›.mycommerce.shop abrufbar ist. Optional kann der Mycommerce-Shop unter einer bestehenden eigenen Domain eingerichtet werden.

Gestaltung auf Template-Basis

Für das grafische Erscheinungsbild des Shops stellt Mycommerce verschiedene ziemlich gelungene Vorlagen zur Wahl, die strukturell jedoch allesamt gleich aufgebaut sind: Coverbild mit Kopfzeile, Beschreibung des Shops und Call-to-Action Button ("Jetzt einkaufen"), Produktkategorien und empfohlene Produkte, nähere Firmenbeschreibung und Kontaktangaben samt Google-Map, Adresse und Öffnungszeiten.

Es ist allerdings nicht ganz einfach, die entsprechende Option in der Administrationsoberfläche zu finden: Zunächst muss der Menüpunkt "Starterseite" gewählt werden. Dann klickt man im obersten Abschnitt der erscheinenden Seite auf "Inhalte bearbeiten", worauf sich ein neuer Browser-Tab mit einer anderen Oberfläche öffnet. Nun lassen sich in der Sidebar diverse Einstellungen vornehmen. Die Galerie mit den Vorlagen findet sich unter "Themes". Unter den weiteren Menüpunkten definiert man Kopfzeile, Coverbild und Cover-Layout, erfasst Texte zur Unternehmensmission und fügt Kunden-Quotes und Kontaktinformatio­nen ein. Die Google-Map erzeugt Mycommerce automatisch anhand der eingegebenen Adresse. Die Sidebar enthält weitere Optionen wie etwa zur Schrift- und Farbauswahl, zum Hochladen des Firmenlogos und zur Konfiguration des Menüs am oberen Fensterrand mit Telefonnummer, Social-Media-Links, Öffnungszeiten und Warenkorb-Icon.
Für alle Administrationsaufgaben steht jederzeit ein ausführliches Hilfecenter bereit, zugänglich über den Link rechts oben in der Admin-Oberfläche. Das Hilfecenter irritiert allerdings mit einem etwas nervösen Aufklappmenü in der Sidebar. Je nach abonnierter Variante – Starter, Standard oder Professional – leistet Localsearch zudem kostenlosen Support per E-Mail oder Telefon-Callback. Schweizer Firmen sollte dies entgegenkommen, da sie in ihrer Muttersprache mit den Supportleistenden kommunizieren können und nicht auf ein ausländisches Callcenter geleitet werden.


Bei der Arbeit mit der Mycommerce-­Oberfläche merkt man da und dort, dass dahinter eine international ausgerichtete Basislösung steht, die auf Schweizer Verhältnisse angepasst wurde, wobei noch einzelne Lokalisierungsfehler auftreten. So erscheinen einzelne Bezeichnungen wie "Your Website" oder "Arrange Sections" auf Englisch, auch wenn als Oberflächensprache Deutsch eingestellt ist. Laut den Angaben auf mycommerce.ch wird die Lösung auf Amazon Web Services gehostet.

Präsentation des Warenangebots

Mit den Einstellungen zur Starterseite sind die Gestaltungsmöglichkeiten jedoch noch nicht erschöpft, auch wenn nach der Erfassung von Grundelementen wie Coverbild, Kontaktinformationen und Firmenbeschreibung bereits ein ansehnlicher, voll funktionsfähiger Webshop bereitsteht, der nach dem Responsive-­Prinzip auf allen Geräten optimal dargestellt wird. Weitere Einstellmöglichkeiten für die Gestaltung sind an anderer Stelle zu finden: Unter "Gestaltung" wird das Aussehen des Katalogs und der Artikel-­Detailseiten festgelegt.


So lassen sich zum Beispiel die Bildgrösse in drei Stufen, das Seitenverhältnis der angezeigten Artikelbilder sowie das Layout der Produktfelder im Katalog und das Produktseiten-Layout mit diversen Optionen anpassen. Angaben wie Artikelbezeichnung, Kategorie, Artikelnummer, Anzahl der vorrätigen Artikel oder Preis lassen sich wahlweise ein- oder ausblenden. Wer noch weitergehende Anpassungen wünscht, kann mit der Option "Thema erstellen" ein eigenes CSS-Seitenlayout erstellen und aktivieren. Dazu sind allerdings umfassende CSS-Kenntnisse sowie Know-how über die Struktur des von Mycommerce generierten HTML-Codes vonnöten.

Katalog mit vielfältigen Optionen

Damit die Artikel im Webshop erscheinen, müssen sie natürlich im Katalog erfasst werden. Davor sollten allerdings die Kategorien definiert sein: Mycommerce erlaubt, die Artikel in Kategorien und, falls nötig, zusätzlich in verschachtelbare Unterkategorien einzuteilen. Stehen die Kategorien fest, geht es ans Erfassen der einzelnen Artikel. Zu jedem Artikel fügt man im Minimum die Bezeichnung, das Gewicht (wichtig für den Versand), eine Beschreibung sowie ein oder mehrere Bilder hinzu. Für die Beschreibung stellt Mycommerce einen Rich-Text-Editor ­bereit.


Interessant ist der Punkt "Ausführungsalternativen". Hier werden Artikelvarianten wie Farben oder Grössen erfasst, die auf den Detailseiten dann in Form von Dropdownlisten, Auswahl-Buttons, Textfeldern und so weiter erscheinen. Für jeden Artikel lassen sich mehrere Ausführungsvarianten definieren. Unter dem gleichen Menüpunkt stellt man einzelne Artikel zu Artikelkombinationen zusammen, die gemeinsam verkauft werden sollen.
Unter "Steuern und Versandkosten" finden sich Einstellungen für Gewicht und Abmessungen, Mehrwertsteuer und Versandkosten. Je nach Bedarf legt man pro Artikel fest, ob die global definierten Versandkosten gelten oder ob eine produktindividuelle Versandmethode, eine fixe Versandgebühr pro Artikel oder Gratisversand gewünscht ist. Im Punkt "SEO" zeigt Mycommerce an, wie der Suchmaschineneintrag auf Google aussieht und erlaubt, die Angaben zu optimieren. Ohne Änderung werden die Informationen aus der Artikelbeschreibung übernommen. Mit "Zugehörige Produkte" markiert man weitere Produkte aus dem Katalog, die auf der Detailseite des Artikels mit dem Hinweis "Das könnte Ihnen auch gefallen" angezeigt werden.

Der letzte Punkt des Top-Menüs der Artikelerfassung, "Artikel einbinden", erweitert Mycommerce für die Nutzung auf anderen Webseiten. Die Plattform generiert hier einen Codeabschnitt, mit dem der Artikel auf einer beliebigen Seite eingebunden und als Einzelprodukt-Widget angezeigt wird – inklusive Button "Jetzt kaufen".


Mit Mycommerce lassen sich nicht nur physische Artikel, sondern auch Download-Produkte wie Musik, Software oder Gutscheine verkaufen. Die dazu nötigen Funktionen sind in allen kostenpflichtigen Abo-Varianten enthalten. Bei Artikeln, die als Download angeboten werden, deaktiviert man dazu die Option "Versand oder Abholung erforderlich". Die herunterzuladende Datei wird im Artikeleintrag jeweils unter "Dateien" hochgeladen und abgelegt.

Multichannel-Fähigkeit eingebaut

Mycommerce ist von Grund auf als Multichannel-Verkaufsplattform ausgelegt. Neben dem herkömmlichen Online-Shop in Form der automatisch generierten One-­Page-Website und der Unterstützung des stationären Handels durch Anbindung von Kassensystemen ermöglicht die Plattform den Verkauf via Facebook, Instagram und Google Shopping.

So lässt sich der Mycommerce-Shop mit einer Facebook-Page verknüpfen, worauf die Produkte automatisch im zur Seite gehörigen Facebook-Shop angezeigt werden. Der Katalog wird zweimal pro Tag mit Facebook synchronisiert.


Mit einer Anmeldung auf Google Shopping erstellt Mycommerce automatisch Kampagnen, indem die Produktdaten ins Merchant Center hochgeladen und die Anzeige der entsprechenden Google-­Shopping-Werbung auf das bei Google investierte Marketingbudget optimiert werden.

Für die Anbindung an die Online-­Marktplätze Ebay und Amazon ist eine integrierte App des Herstellers Codisto zuständig. Damit lassen sich Artikel aus dem Katalog auswählen, die auf diese Marktplätze hochgeladen werden sollen. Alle Verkäufe und Lagerbestände werden dann automatisch zwischen Ebay beziehungsweise Amazon und Mycommerce synchronisiert. Aber Achtung: Diese Funktionalität ist nicht im Abopreis von Mycommerce enthalten, sondern nur mit einem weiteren Abonnement bei Codisto verfügbar.

Das Marketing unterstützt Mycommerce zudem mit Support für Google Analytics, Facebook-Pixel-ID, Pinterest-­ Tag, Google Ads Tags und weiteren Tracking-Mechanismen.

Unterwegs verwalten und verkaufen

Die Adminstrationsoberfläche von Mycommerce ist zwar wie der Shop responsive aufgebaut und zumindest auf Tablets gut bedienbar. Mit der speziellen Mobile-­App "My e-Shop" fällt die Verwaltung des Online-Shops von unterwegs aus aber deutlich leichter. Die App gibt Zugriff auf Bestellungen und den Katalog, und zwar auch wenn keine Internet-Verbindung besteht. Artikel können direkt in der App hinzugefügt und geändert werden. Neue Bestellungen und Änderungen am Auftragsstatus zeigt die App als Push-Benachrichtigung an.


Über eine weitere iOS-App namens My mPOS kann man Produkte unterwegs verkaufen und Zahlungen entgegennehmen – zum Bespiel beim Verkauf an Messen oder Konferenzen. Die so erfassten Bestellungen werden sofort synchronisiert und in der Mycommerce-Administration angezeigt. (ubi)


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