Interview mit Dr. Eric Scheidegger, SECO

"Die Digitalisierung birgt viele Chancen für die Schweizer Wirtschaft"

"Die Digitalisierung birgt viele Chancen für die Schweizer Wirtschaft"

6. Mai 2017 - Interview: Fridel Rickenbacher

Die Schweiz muss sich für die Herausforderungen der Digitalisierung ­positionieren. Was das beinhaltet und wie eine dosierte Regulierung ­aussehen könnte, sagt Dr. Eric Scheidegger vom SECO.
Artikel erschienen in IT Magazine 2017/05
Der am 11. Januar 2017 publizierte Grundlagenbericht über die zentralen Rahmenbedingungen einer digitalisierten Wirtschaft klingt verheissungsvoll und lässt vieles erhoffen. Was sind die Kern- und Impulsthemen?
Die Digitalisierung birgt viele Chancen für die Schweizer Wirtschaft. Um Arbeitsplätze und Wohlstand zu sichern, muss die Schweizer Volkswirtschaft gut für die bestehenden und kommenden Herausforderungen positioniert sein. Deshalb hat der Bundesrat unter der Federführung des SECO eine umfassende Standortbestimmung folgender wirtschaftspolitisch wichtiger Themenfelder vorgenommen: Arbeitsmarkt, Forschung und Entwicklung, Sharing Economy, Digital Finance und Wettbewerbspolitik.
Der Bericht kommt zum Schluss, dass unser Land gut aufgestellt ist, um sich im digitalen Strukturwandel zu behaupten. Die bestehende Gesetzgebung bietet grundsätzlich eine geeignete Grundlage. Für neue Angebote der "Sharing Economy" – etwa im Personentransport oder bei Beherbergungs-Dienstleistungen – braucht es keine zusätzlichen Gesetzesgrundlagen, jedoch punktuelle Anpassungen.
Der Bericht richtet auch ein besonderes Augenmerk auf die Beschäftigung: Der Schweizer Arbeitsmarkt hat es jeweils gut verstanden, die Herausforderungen des Strukturwandels erfolgreich zu bewältigen. Eine solche stellt auch die Digitalisierung dar. Zentrale Erfolgsfaktoren sind das qualitativ hochstehende und arbeitsmarktnahe Bildungssystem sowie die Kombination eines flexiblen Arbeitsmarktes und einer funktionierenden Sozialpartnerschaft.
Serie Digitalisierung
In den letzten Jahren wurden einige wichtige Gesetzesvernehmlassungen, Bundesvorstösse, Standortbestimmungen für auch neue oder überarbeitete Gesetze / Vorgaben wie beispielsweise EPDG, DSG, E-ID und Digitalisierung in Angriff genommen. Diese stellen grundlegende Weichen für die Digitalisierung des Wirtschaftsstandortes Schweiz und von Fachbereichen wie dem Datenschutz, dem Schweizer Gesundheits­wesen (E-Health) und der elektronischen Identität. Das ­swissICT Magazin beleuchtet in einer Serie entsprechende Digitalisierungs-­Aspekte dieser Innova­tionen und Weiterentwicklungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln.
Die Digitalisierung hat einen wesentlichen Einfluss auf den Strukturwandel und das Wirtschaftswachstum. Was dürfen und/oder müssen Unternehmen hier erwarten? Wo müssen sie selbst forcieren?
Ich möchte zunächst daran erinnern, dass die Digitalisierung bereits seit vielen Jahren stattfindet. Ein frühes Beispiel für Strukturwandel in diesem Zusammenhang ist etwa die Einführung des PC am Arbeitsplatz in den 1980er-Jahren. Ich sehe die Aufgabe des Staates primär darin, mit attraktiven wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen ein positives Umfeld für die (digitale) Wirtschaft und ihre Firmen zu schaffen. Wie auch schon in der Vergangenheit, bietet die liberale Wirtschaftsordnung der Schweiz grundsätzlich eine geeignete Grundlage, dass die Wirtschaft die Chancen der Veränderung wahrnehmen kann.
Damit die privaten Initiativen Früchte tragen können, muss der Staat beispielsweise für Rechtssicherheit, gut qualifizierte Arbeitskräfte, einen flexiblen Arbeitsmarkt, hochwertige Infrastrukturen, Wettbewerb, eine sinnvolle Regulierung – beispielsweise im Telekomsektor oder bezüglich Datenschutz – und eine starke Basis in Bildung und Forschung sorgen. In den genannten Bereichen sollte der Staat eine aktive Rolle einnehmen und die Rahmenbedingungen stetig verbessern.
Der Staat sollte jedoch keine Industriepolitik betreiben, weil es in einem sich rasch wandelnden Umfeld kaum möglich ist, die förderungswürdigen Technologien, Branchen oder Unternehmen zu bestimmen. Diese Aufgabe müssen die Investoren und Unternehmen wahrnehmen. Sie können besser entscheiden, auf welche Pferde zu setzen ist.
 
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