Times gegen Search und Local
Quelle: zVg

Startup

Times gegen Search und Local

Ciril Stebler, der 23-jährige Gründer von Öffnungszeiten.ch und Times.ch, sagt den grossen Informationsportalen der Schweiz den Kampf an.
12. Juni 2016

     

«David gegen Goliath», lautet das Motto von Ciril Stebler. Der 23-Jährige will mit seiner Plattform Times.ch die grossen Informationsportale der Schweiz konkurrenzieren. «Zu Search und Local gab es bisher keine Alternative, so wie das in anderen Ländern der Fall ist», erklärt der Gründer. Search und Local gehören unter der Dachfirma Swisscom Directories zusammen, die zu 69 Prozent Swisscom und zu 31 Tamedia gehört und beschäftigt rund 900 Mitarbeitende. «Wir sind wesentlich kleiner», weiss Ciril Stebler, der auf seiner Durchreise in einem Hotel Nahe des Bahnhof Olten Zeit für ein Gespräch findet. Aber das soll kein Hindernis darstellen. David hat Goliath schliesslich auch besiegt.


Gleiche Daten doppelt nutzen

Times.ch bietet Website-Besuchern Angaben zu Öffnungs- und Flugzeiten, TV- und Kinoprogramm, Routen sowie ÖV-Zeiten, und zwar auf vier Sprachen. Um Daten einzuspeisen, hat Stebler Vereinbarungen mit Partner abgeschlossen. Zum Beispiel mit einer Firma aus Barcelona, die via Fernsehsignal erkennt, was wann wo gespielt wird. Und mit einem amerikanischen Partner, der in Echtzeit liefert, wann welcher Flieger landet und wie lange das Gepäck noch braucht. Vor allem aber nutzt Stebler für Times.ch die Daten seines anderen Portals, Öffnungszeiten.ch. Dort sammeln sich, wie der Name schon sagt, Infos zu Öffnungszeiten auch an kantonalen Feiertagen.
Die Idee für Times kam Ciril Stebler schon vor der Lancierung von Öffnungszeiten. Was dem damals 18-Jährigen zur Umsetzung eines breiter gefächterten Informationsportals fehlte, war das liebe Geld. Mittlerweile besuchen die Plattform jährlich rund zweieinhalb Millionen Nutzer. Der Umsatz kommt durch Display und Native Ads herein. Mit dem eingenommen Geld und mit Hilfe privater Investoren ging die Arbeit im letzten Jahr an der ursprünglichen Vision los, an Times. «Ich hätte mir mit Öffnungszeiten auch einen guten Lohn auszahlen können», Steblers Blick schweift kurz ab. Dann schütttelt er den Kopf, seine Augen funkeln. «Aber meine Vision ist grösser.»


Gründen neben Festanstellung

Zusammen mit Gennaro Goetschmann, Unternehmer-Coach für Führungskräfte, und Christoph Zimmerli, Rechtsanwalt und Partner bei Kellerhals & Carrard, arbeitet Stebler im Frühling 2015 ein Konzept aus. Zeit dafür findet er neben seiner Teilzeitanstellung in einer Basler Schmiede für Software im Polizeibereich. Seine zwei Unterstützer sind seit März dieses Jahres im neu geschaffenen Verwaltungsrat. «Ich fühlte mich noch zu jung, um Times allein voranzutreiben, deshalb habe ich Leute mit Erfahrung dazugeholt», erklärt der Bieler, der nach der Konzeptausarbeitung nun Vollzeit als Product Manager bei Scout24 arbeitet. Das tägliche Geschäft bei Times leitet ein Freund, Daniel Baumann, selbst Geschäftsführer eines Treuhand-Büros in Bellikon, zusammen mit rund fünf Mitarbeitenden. Fest angestellt ist bei Times niemand.
Auch die Entwickler sind Externe, die bei grossen Firmen angestellt sind und Stebler nebenbei unterstützen. In Zürich hat Times zwar offiziell ein Büro, aber das beschränkt sich auf ein Sitzungszimmer und eine Person, die zuverlässig das Telefon abnimmt. «Es ist natürlich nicht optimal, wenn ich als Gründer nicht hundert Prozent dabei bin», weiss Stebler. Aber er vertraue den anderen, und stehe für Strategisches ja weiterhin zur Verfügung. Zum Beispiel arbeitet er noch daran, neu Geld über Produktplatzierungen einzunehmen. «Andere haben Hobbies, ich baue gerne Neues auf.»


Im Dezember 2015 wurde Times.ch offiziell lanciert. Das erste halbe Jahr hiess es vor allem auswerten, wie sich beliebige Nutzer auf der Betaversion zurechtfanden. Analytics-Tools zeigten zum Beispiel Missverständnisse bei der Suchmaske auf. Gibt man etwa die Wörter «Arena Kino Zürich» ein, erhält man keine Ergebnisse (Stand: April 2016). «Bei uns sollten die Nutzer eigentlich nach Themenbereichen filtern statt wie bei Google zwei, dreimal etwas in die Suchmaske einzugeben.» So die Idee, die nicht jeder gleich versteht. Das junge Unternehmen wird an der Times-Suchmaske noch feilen. Ende Juni soll die erste finale Version des Portals stehen. In den darauffolgenden Monaten soll sich dann zeigen, welche Themen-Rubriken besonders ziehen. Und 2018 soll Times, geht es nach Ciril Stebler, zu den Top Ten Websites der Schweiz in puncto Unique Visitors zählen. Die Vision aber lautet, und damit hätte David dann Goliath geschlagen: «Times.ch soll schweizweit das reichweitenstärkste Informationsportal werden.» (aks)



Artikel kommentieren
Kommentare werden vor der Freischaltung durch die Redaktion geprüft.

Anti-Spam-Frage: Wie hiess im Märchen die Schwester von Hänsel?
GOLD SPONSOREN
SPONSOREN & PARTNER