«Smart Home 2030»: Blick in die Zukunft
Quelle: GDI

«Smart Home 2030»: Blick in die Zukunft


Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2016/03

     

Das Thema Smart Home ist allgegenwärtig. Allein auf Google finden sich zum Begriff rund 16 Millionen Resultate, bei einer steten Zunahme der Suchanfragen seit 2011. Inwiefern die Thematik Smart Home in der Schweizer Bau- und Immobilienbranche angekommen ist, hat die «Smart Home 2030»-Studie des Gottlieb Duttweiler Instituts (GDI) untersucht. Die Studie umfasst zwei Kernpunkte. Einerseits wurde mittels Befragung von verschiedenen Branchenvertretern untersucht, inwiefern sich der Schweizer Bau- und Immobilienmarkt bereits mit dem Thema Smart Home auseinandergesetzt hat. In einem zweiten Teil wurden andererseits sechs Thesen zur Entwicklung von Smart Home in der Schweiz bis 2030 aufgestellt. Dabei kamen einige interessante Erkenntnisse zum Vorschein. So scheinen beispielsweise die Schweizer Branchenvertreter der Immobilienlandschaft der Smart-Home-Thematik eher ratlos gegenüberzustehen.


Elektrotechniker aufgeschlossener als Architekten


Befragt wurden 400 Architekten und Bauingenieure, Elektroplaner und Elektroinstallateure, Immobilienhändler sowie Gebäudetechniker zu ihrer Meinung und ihrer bisherigen Auseinandersetzung und Erfahrung mit der Thematik Smart Home.
Gemäss der Studie stehen Vertreter der Elektrobranche und Gebäudetechniker Smart-Home-Lösungen aufgeschlossener gegenüber als Architekten, Bauingenieure und Immobilienhändler. So finden 53 Prozent der befragten Gebäudetechniker sowie 49 Prozent der Elektroingenieure und Elektroinstallateure, dass die Digitalisierung der Immobilienbranche schon heute relevant ist, wobei 17 Prozent der Gebäudetechniker und 31 Prozent der Vertreter aus der Elektrobranche die Wichtigkeit mit «geht so» klassifizieren. Demgegenüber stehen 43 Prozent der Architekten und 39 Prozent der Immobilienhändler, welche das Thema Smart Home gegenwärtig als unwichtig einstufen. Nur 34 Prozent der befragten Architekten und 40 Prozent der Immobilienhändler messen der Thematik heute schon eine Relevanz bei.

Ein einheitlicheres Bild zeigt die Einschätzung zur Wichtigkeit der Digitalisierung der Immobilienbranche in Zukunft. 61 Prozent der Architekten, 82 Prozent der Elektrotechniker, 73 Prozent der Immobilienhändler sowie 78 Prozent der Gebäudetechniker haben bei der Befragung durch das GDI angegeben, dass die Smart-Home-Thematik in Zukunft an Bedeutung gewinnen wird. Augenscheinlich ist aber, dass immer noch 24 Prozent aller befragten Architekten das Thema Smart Home auch in Zukunft als unwichtig taxieren. Zum Vergleich: Bei den anderen Branchenvertretern bewegen sich die Werte der Personen, die das Thema als nicht relevant einstufen, im Bereich zwischen 6 (Elektroplaner) und 12 Prozent (Gebäudetechniker).


Branche ist vorsichtig gegenüber neuen Technologien
Darüber hinaus zeigen sich alle Befragten sehr zurückhaltend gegenüber neuen Technologien beim Hausbau. So sind gemäss GDI-Studie bloss 12 Prozent der Architekten, 9 Prozent der Elektrotechniker, 15 Prozent der Immobilienhändler und 11 Prozent der Gebäudetechniker überzeugt, dass in Zukunft die Bauarbeiten von vollautomatisierten Maschinen übernommen werden. Die Vorsicht der Branchen gegenüber neuen Technologien kommt durch die Ablehnung von Robotern und 3D-Druckern, die zukünftig auf dem Bau Arbeitsschritte oder ganze Arbeiten übernehmen sollen, deutlich zum Ausdruck. Laut Studie zeige dies zwar, dass die Digitalisierung diskutiert wird, die Branchenvertreter aber nicht mit einem bedeutenden Wandel rechnen. Einzig bei den Steuerungs- und Kontrollmechanismen im fertigen Bau sehen die befragten Studienteilnehmer Potential. Solche Mechanismen werden schon seit Jahrzehnten automatisiert und könnten dank der Digitalisierung noch einfacher miteinander vernetzt und automatisch gesteuert werden.

Thesen

Auch wenn die Einschätzungen der Schweizer Anbieter aus dem Immobilienbereich eher verhalten sind, werden Smart-Home-Technolgien die Zukunft des Wohnens nachhaltig verändern. Nachfolgende Thesen zeigen, was der digitale Wandel für die Wohn- und Baubranche bedeuten wird.

1. Hardware statt Software
In Zukunft definieren Computerprogramme nicht nur, wie eine Wohnung oder ein Haus gesteuert, überwacht und organisiert wird, sondern auch wie die Anbieter planen, bauen und ausstatten. Automatisierte Dienstleistungen sind Software-getrieben. Durch die voranschreitende Digitalisierung werden immer neue Felder erschlossen und die Angebote werden für Mieter oder Hauskäufer verständlicher und erschwinglicher.


2. Digitales Wohnen wird gemütlicher
Die zweite Vermutung des Gottlieb Duttweiler Instituts besagt, dass die voranschreitende Digitalisierung auch einen Gegentrend auslöst und meint damit den Wunsch nach Realem und Authentischem. Dies hat zur Folge, dass technologische Abläufe diskret im Hintergrund stattfinden werden.



3. Datenmengen schaffen Transparenz und Abhängigkeit
Technische Neuerungen schaffen die Möglichkeit, dass Bewohner ihr Haus jederzeit von überall aus kontrollieren können. Jedoch wird durch die neuen Technologien auch eine Abhängigkeit, beispielsweise von Cloud-Anbietern, geschaffen. Zudem sind Computersysteme auch stets in Gefahr, Ziel von Hackerangriffen zu werden.

4. Wohnen wird günstiger
Infrastruktur und Energieressourcen lassen sich im Smart Home effizienter steuern. Durch neue Lösungen können Ressourcen wie Wasser, Strom oder Heizkraft besser und sparsamer reguliert werden. Dadurch können entstehende Wohnkosten gesenkt werden.


5. Rundum-Komfort
Nicht nur die Preise, sondern der Komfort in den eigenen vier Wänden wird gesteigert. Zum Nutzen von Bewohner und Immobilienverwalter lassen sich die Häuser der Zukunft durch die Automatisierung angenehmer und günstiger bewirtschaften. Darüber hinaus können auch Einkäufe automatisiert und vereinfacht werden.

6. Vernetzung ist der Schlüssel zum Erfolg
Durch die Verbindung von verschiedenen Einzelangeboten können Anbieter gemeinsam smartere Produkte und Services bieten als alleine. Indem sich verschiedene Branchen miteinander sowie mit Software-Playern vernetzen, entstehen innovative Lösungen. Jedoch sollten solche Angebote für den Endbenutzer einfach zu bedienen sein. Das heisst, dem Hausbesitzer oder Mieter muss eine einfache Lösung, welche alle Schnittstellen inkludiert, zur Verfügung gestellt werden. (asp)



Artikel kommentieren
Kommentare werden vor der Freischaltung durch die Redaktion geprüft.

Anti-Spam-Frage: Aus welcher Stadt stammten die Bremer Stadtmusikanten?
GOLD SPONSOREN
SPONSOREN & PARTNER