CIO-Interview- «Ich hatte noch nie eine so geringe Budgetkompetenz»

CIO-Interview- «Ich hatte noch nie eine so geringe Budgetkompetenz»

8. Juni 2014 - Urs Rutzer kümmert sich als CIO bei der Schweizerischen Rettungsflugwacht Rega mit acht Mitarbeitenden um die IT und verantwortet dabei äusserst spannende Projekte.
Artikel erschienen in IT Magazine 2014/06
Urs Rutzer (53) ist seit Anfang 2013 CIO bei der Schweizerischen Rettungsflugwacht Rega. Der gelernte Elektroingenieur begann seine berufliche Laufbahn in Grossfirmen wie der damaligen Oerlikon Bührle Contraves und bei Zellweger Uster, entwickelte zuerst Software und übernahm dann auch die Verantwortung für Softwaregruppen und -projekte. (Quelle: Rega)
Swiss IT Magazine: Wie wichtig ist Informatik bei der Rega?
Urs Rutzer:
Unser Kerngeschäft ist die Luftrettung, und nicht die Informatik. Nichtsdestotrotz bilden Informations- und Kommunikationsmittel einen wichtigen und unverzichtbaren Faktor bei der Rega. Denn damit die Luftrettung funktioniert, muss eine ganze Rettungskette funktionieren. Diese beginnt typischerweise mit einem eingehenden Notruf, wo die IT und Kommunikation bereits ein erstes Mal ins Spiel kommen. Und dann begleiten sie jeden Einsatz von Beginn bis zum Schluss, beispielsweise bei der Einsatzplanung, beim Dispatching, bei der Kommunikation mit den Helikoptern und Flugzeugen bis hin zur Einsatzabrechnung und Administration.

Setzen Sie im Kommunikationsbereich voll auf ICT-Lösungen, oder kommen dort auch noch klassische Kommunikationsmittel zum Einsatz?
Sowohl als auch. Wir haben vor rund einem Jahr im Rahmen einer Erneuerung der Einsatzzentrale die Telefonie-Infrastruktur auf VoIP umgestellt. Im Sinne von Notfallebenen im Falle eines VoIP-Ausfalls nutzen wir aber weiterhin auch noch die klassische Telefonie. Ausserdem betreiben wir ein eigenes, unabhängiges Funknetz, mit dem wir unsere Einsatzmittel jederzeit erreichen können.
Kann sich die Rega Ausfälle in der ICT eigentlich erlauben, oder muss die Verfügbarkeit annähernd 100 Prozent betragen?
Nein, das muss sie nicht. Wir streben natürlich eine höchstmögliche Verfügbarkeit an. Wenn wir aber eine 100-prozentige Verfügbarkeit anstreben würden, wäre das wirtschaftlich nicht vertretbar. Bei uns hat es deshalb einen Abwägungsentscheid gegeben, in dessen Rahmen die Geschäftsleitung eine maximale Ausfalldauer von vier Stunden definiert hat, nach welcher beispielsweise die Einsatzzentrale der Rega wieder verfügbar sein muss. Das mag auf den ersten Blick lange anmuten. Doch wenn man bedenkt, dass selbst im Falle der grössten Katastrophe – als Szenario wäre der Absturz eines Flugzeugs auf das Regacenter hier am Flughafen Kloten denkbar – die Ausfallzeit maximal vier Stunden beträgt, ist das sehr ambitioniert. Wir betreiben deshalb auch eine zweite Einsatzzentrale, einen sogenannten Fallback-Standort in Winterthur. In diesem können wir innerhalb der definierten vier Stunden den Betrieb aufnehmen.

Das heisst, Sie betreiben die komplette Infrastruktur permanent zwei Mal?
Nicht die komplette Infrastruktur, aber die einsatzkritischen Teile schon.

Können Sie umschreiben, wie Ihre IT-Abteilung organisiert ist?
Die Rega mit ihren rund 320 Mitarbeitern ist eigentlich ein KMU. Die IT-Abteilung setzt sich inklusive meiner Person aus neun Mitarbeitenden zusammen. Wir sind also ein kleines Team, deshalb müssen die IT-Mitarbeiter über eine breite Palette von Fachkompetenzen in der Informatik verfügen. Die Gliederung ist so, dass sich drei Mitarbeitende im Wesentlichen um den laufenden Betrieb der Informatik und die Funkmittel kümmern – sprich die Server, Clients, Drucker, Netzwerke und Funkgeräte. Zwei Personen betreuen schwergewichtig die Vielzahl von Applikationen, die wir einsetzen, und tragen dafür die Systemverantwortung. Zwei weitere meiner Mitarbeitenden sind hauptsächlich für Projekte und Projektmethodik zuständig, ein Bereich, der immer wichtiger wird, da der Schlüssel zum Erfolg in der IT und im ganzen Betrieb in meinen Augen in der Projektarbeit liegt. Denn ein methodisch konsequent vorbereitetes und durchgeführtes Projekt führt zu funktionierenden und wirtschaftlichen Systemen und sorgt dafür, dass ganz viele potentielle Probleme erst gar nie auftreten. Und eine Mitarbeitende schliesslich kümmert sich zusätzlich um das Thema IT-Schulung und Ausbildung.
 
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