CIO-Interview: «Wir bauen weiter, auch wenn die IT nicht läuft»

CIO-Interview: «Wir bauen weiter, auch wenn die IT nicht läuft»

6. April 2014 - Matthias Balsiger hat in den vergangenen zwei Jahren die IT der Frutiger Gruppe komplett erneuert. Langweilig wird es dem IT-Leiter und seiner kleinen Crew nun trotzdem nicht.
Artikel erschienen in IT Magazine 2014/04
Matthias Balsiger (45) ist seit November 2011 Leiter Informatik der Frutiger Gruppe. Vor seinem Wechsel in die Baubranche war der IT-Quereinsteiger bereits IT-Chef von Ascom Autelca, Keymile und Swisscom Immobilien. (Quelle: Frutiger Gruppe)
Swiss IT Magazine: Herr Balsiger, was macht die Frutiger Gruppe und wo ist die IT zuhause?
Matthias Balsiger:
Die Frutiger Gruppe, zu der die bereits 1869 gegründete Frutiger AG und 24 weitere Gesellschaften im In- und Ausland gehören, ist eines der führenden Unternehmen im Schweizer Baumarkt. Unsere Kompetenzen liegen im Hoch- und Tiefbau, im Tunnel- und Strassenbau, in der Projektentwicklung, Generalunternehmung sowie bei den Bauspezialitäten und im Handel. Wir haben über 2500 Mitarbeitende, davon rund 90 Lernende, und sind in Thun zu Hause. Die Informatik gehört zum Bereich Dienstleistungen und stellt für die ganze Gruppe, also alle Tochtergesellschaften und Abteilungen, die sonst sehr eigenständig am Markt agieren, die Informatik sicher.
Welchen Stellenwert hat die IT für die Firma? Geht es auch ohne?
Wir haben über 30 organisatorische Einheiten als Kunden, welche alle IT-Leistungen komplett über uns beziehen. Vor zwei Jahren wurde die IT-Strategie neu erarbeitet. Damals war die Geschäftsleitung der Meinung, dass wir zwei Tage ohne IT weiterarbeiten können, ohne dass wir dadurch Umsatz verlieren. Da auch in unserer Branche die Abhängigkeit von der IT laufend steigt, kann heute aber wahrscheinlich nur noch ein Teil meiner Kunden zwei Tage ohne IT problemlos überbrücken.

Zwei Tage ohne IT wäre für viele andere Unternehmen komplett undenkbar. Wieso für Sie nicht?
Wir sind ein Bau-Unternehmen und unsere Wertschöpfung findet auf der Baustelle statt. Ich sprenge und betoniere im Tunnel weiter, auch wenn die IT nicht läuft. Natürlich ist das mittlerweile nur noch halb richtig. Immer mehr Poliere sind heute mit einem Notebook unterwegs und rufen direkt auf der Baustelle Daten ab, machen Bestellungen von Material und haben gewisse Merkblätter gar nicht mehr auf Papier. Zwei Tage ohne IT könnte am einen oder anderen Ort also wie erwähnt tatsächlich zu Einschränkungen führen, aber es ist bei weitem nicht so dramatisch wie beispielsweise in der Industrie. Wenn dort das ERP-System ausfällt, kann man 80 Prozent der Leute nach Hause schicken. Wir verlieren auch nicht gleich Kunden, wenn die IT ausfällt, wie dies bei einem Online-Versandanbieter sicher der Fall ist. Ich würde es zusammenfassend so sagen: Die IT wird immer wichtiger und ich bin überzeugt, wenn wir die IT-Strategie das nächste Mal überarbeiten, wird betreffend der geforderten Verfügbarkeit nicht mehr dasselbe drin stehen wie heute.
 
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Anti-Spam-Frage Wieviele Fliegen erledigte das tapfere Schneiderlein auf einen Streich?
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