Anpassung der Berufslehre an die Anforderungen der Betriebe

Anpassung der Berufslehre an die Anforderungen der Betriebe

3. Juni 2012 - Von Alfred Breu

Die Berufslehre Informatiker/-in wird sich künftig mehr an den Bedürfnissen der Betrieb orientieren. Es entsteht ein Katalog von Arbeits-Leistungszielen, dem jeder Lehrbetrieb entnehmen kann, in welchen Gebieten die Lehrlinge eingesetzt werden müssen. Der Bildungsplan dient zudem als Lernzielkontrolle. Damit bekommen die Betriebe ein wertvolles Hilfsmittel für den Tagesgebrauch in die Hand.
Artikel erschienen in IT Magazine 2012/06
(Quelle: Swiss ICT Magazin)
Nach einem massiven Einbruch der angebotenen Lehrstellen zwischen 2001 und 2005, wächst die Anzahl Lehrstellen in den letzten Jahren nur marginal. Ganz im Gegensatz zu schulischen Bildungswegen oder der Erwachsenenbildung in Umsteigerkursen. Was belegt, dass das Interesse am Beruf vorhanden ist – aber nicht die der Betriebe, sich an der Berufsbildung zu beteiligen. Versucht man, nicht (mehr) ausbildende Betriebe dazu zu gewinnen, hört man immer wieder, die Berufsbildung sei zu teuer, man habe keinen Lehrmeister oder einfach keine Zeit.
Und in der Tat zeigt die zweite nationalen Studie des Institutes für Bildungsentwicklung der Universität Bern, dass diese Lehre im Durchschnitt CHF 30‘000 Verlust je Lehrling einfährt – die teuerste Lehre. Im Detail kann man allerdings feststellen, dass es Betriebe gibt, die 70‘000 Franken Gewinn machen. Aber ein massiver Verlust von anderen reisst diesen auf die genannte Durchschnittssumme. Es ist also das Ziel, die Lehre so zu gestalten und Hilfsmittel bereitzustellen, dass im Durchschnitt mindestens eine schwarze Null resultiert. Als Resultat davon erhoffen wir einen deutlichen Anstieg der Lehrstellen. Lernende findet man - zu Lasten anderer Lehren mit ähnlichem Anforderungsniveau, in denen teilweise deutlich über dem Bedarf ausgebildet wird, beispielsweise im KV.

Im Zentrum steht die Meinung der Betriebe

Um möglichst viele Sichten einzubringen, haben relativ grosse Arbeitsgruppen ihre Erwartungen der im Verlauf der Grundbildung zu erreichenden Qualifikationen definiert, das sogenannte Qualifikationsprofil. Dieses zeigt auf, was jede lernende Person bis zum Ende der Grundbildung (Lehre) können muss, um am Markt Chancen für einen Direkteinstieg zu haben. Da in diesem Beruf bisher nur gerade ein Drittel der Lehrabgänger/-innen an eine höhere Schule geht (Vorbereitung zum eidg. Fachausweis, höhere Fachschule oder Fachhochschule), ist das Erreichen des nötigen Abgangsniveaus umso wichtiger. Nach der Erstellung wurden die Qualifikationsprofile bei einer erweiterten Anzahl Betrieben verifiziert.
Diese hat die Annahmen mit wenig Ausnahmen bestätigt. Entsprechend konnte die Revisionskommission in ihrer zweiten Sitzung diese Dokumente für die Applikationsentwicklung und Systemtechnik verabschieden. Noch in Bearbeitung sind die Bereiche Support, Generalist und die schulischen Modelle. Die erarbeiteten Qualifikationsprofile zeigten auch, dass die Lehre nach wie vor aktuell ist und keine riesigen Anpassungen nötig sind. Natürlich kommen einige neue Fachgebiete dazu, die bisher in der Ausbildung fehlten.
Die bisherigen Resultate zeigen auf, dass die drei Fachrichtungen nur marginale Gemeinsamkeiten haben. Die Fokussierung im schulischen Unterricht auf die Fachrichtung ab Lehrstart (wie in einigen Kantonen mit Erfolg praktiziert), würde die Kosten der Betriebe drastisch senken, weil die Lernenden viel früher in betrieblicher Praxis im vorgesehenen Bereich eingesetzt werden können und damit eine höhere Kompetenz erreichen, was einen höheren Ergebnisbeitrag einbringt.
 
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