Stromsparende Server fürs kleine Budget

NAS-Server mit Intels Atom-CPU sparen nicht nur Strom, sondern sind auch relativ günstig zu haben. Wir haben getestet, wie zwei solche Geräte ihre Aufgaben erfüllen.
7. Juli 2011

     

Intels ursprünglich für Netbooks entworfene Atom-Prozessoren werden seit geraumer Zeit vermehrt auch im Server-Umfeld eingesetzt. Und dies obwohl Intel speziell für Server konzipierte Atom-CPUs eigentlich erst 2012 auf den Markt bringen wird. Trotzdem versprechen verschiedene Server-Hersteller schon heute dank Atom-Chips hohe Server-Leistung bei geringem Energieverbrauch.
«Swiss IT Magazine» hat zwei aktuelle NAS-Server, die mit Atom-Chips bestückt sind, einem Praxistest unterzogen. Zum einen haben wir das Gerät TS-459U-RP+ des renommierten taiwanischen Herstellers Qnap unter die Lupe genommen, zum anderen schauten wir uns den NAS-Server 1U4200XXXR etwas genauer an, der vom hierzulande noch eher unbekannten Hersteller Thecus, dessen Hauptsitz ebenfalls in Taiwan liegt, produziert wird.

Die Hardware

Bei der Inbetriebnahme der Hardware macht der 50 Franken günstigere Thecus-Server auf den ersten Blick einen umfassenderen Eindruck. So wird das Gerät mit einem Rackmount Kit geliefert (für den TS-459U muss dies unverständlicherweise separat geordert werden – Kostenpunkt gut 60 Franken), zudem bietet es ein externes Display, welches bei Qnap fehlt. Jedoch muss hierzu angefügt werden, dass das Display kaum Nutzen bringt, da die Bedienung extrem schwerfällig und langsam von der Hand geht. Und beim Einbauen der Festplatten in den Thecus-Server bemerkten wir beim Test, dass im Laufwerkschacht ein klebender Kunststoff herunterhängt, der nicht nur das Vertrauen in die übrige Hardware-Qualität erschüttert, sondern auch das Einschieben der Festplatten fast unmöglich macht. Ausserdem ist das Thecus-NAS im Betrieb verhältnismässig laut, während der TS-459U angenehm leise läuft und die Verarbeitung des Qnap-Erzeugnisses einen äusserst soliden Eindruck hinterlässt, auch wenn die Kanten des Gehäuses nicht ganz so scharf hätten sein müssen.

Weitere Unterschiede bei der Hardware finden sich zum einen Lüfter-seitig. Qnap setzt hier auf einen sogenannt «intelligenten» Lüfter, der seine Drehzahl aufgrund unterschiedlicher Faktoren wie beispielsweise System- oder Festplatten-Temperatur selbst reguliert. Zum anderen finden sich auch Unterschiede im Bereich Stromversorgung. Beide Geräte besitzen in der getesteten Version redundante Netzteile. Leider besitzt der Qnap-Server aber lediglich einen Stromanschluss, so dass zwei allfällig vorhandene Stromkreise nicht genutzt werden können. Entsprechend besitzen die redundanten Netzteile einzig den Vorteil, dass eines davon ausfallen kann und der Server trotzdem noch läuft. Ein Stromausfall wird hingegen nicht kompensiert. Unglücklich zudem: Per Default ist das redundante Netzteil im Interface deaktiviert. Angesicht der nur geringen Erhöhung der Verfügbarkeit, welche die getestete RP+-Ausführung mit sich bringt, kann man sich sicher überlegen, auf die 270 Franken günstigere «SP+»-Version setzen, die nur mit einem Netzteil bestückt ist.


Thecus hat hier die Aufgabe besser gelöst und bietet redundante Netzteile mit zwei Stromanschlüssen – ein Pluspunkt gegenüber dem Konkurrenten. Auch der Thecus-Server ist in einer Version ohne redundante Strom­versorgung erhältlich (Modell 1U4200XXXS), die 320 Franken günstiger verkauft wird als die getestete Version.
Der Stromverbrauch liegt derweil bei Qnap um einiges tiefer als beim Konkurrenten, wie unsere Tabelle auf Seite 57 zeigt. Jedoch verdienen beide Server angesichts der vergleichsweise tiefen Stromverbrauchswerte das Prädikat «energieeffizient».

Zum Thema Redundanz noch erwähnenswert: Thecus unterstützt zwar Port Trunking, jedoch ist nicht klar, welcher Modus verwendet wird oder ob Failover unterstützt ist. Bei Qnap kann beim Port Trunking hingegen aus sieben verschiedenen Betriebsmodi (z.B. Round Robin, Active Backup, Failover etc.) ausgewählt werden. Ansonsten ist zur Hardware noch anzufügen, dass Thecus beim Prozessor (Atom D525 anstatt D425) etwas mehr L2-Cache (1 MB anstatt 512 KB) bietet, was im Praxisbetrieb jedoch keine merkbaren Vorteile bringt. Abgesehen davon ist die Hardware-Ausstattung praktisch identisch.

Bedienung: Pluspunkte für Qnap

Sind die beiden NAS schliesslich einmal mit Festplatten bestückt und verkabelt, steht das Setup an. Hier bieten beide Hersteller entsprechende Wizards, die einfach und rasch durch die Setup-Schritte führen. Die Thecus-Lösung schlägt dabei sogar das optimale RAID basierend auf dem Anforderungsprofil und der Anzahl der ausgewählten Festplatten vor, während beim Qnap-Wizard die ausführliche Erklärung der einzelnen Schritte gefällt. Lobenswert beim Qnap-System ist ausserdem, dass das System selbständig nach Firmware-Updates sucht und deren Installation vorschlägt (wir haben übrigens mit der Firmware 3.4.2 getestet). Bei Thecus muss eine allfällige neue Firmware manuell gesucht und aufgespielt werden.
Erwähnenswert beim TS-459U ist auch, dass die Software die Sommer-/Winterzeitumstellung automatisch vornimmt, das NTP (Network Time Protocol) komplett konfigurierbar ist und auch sonst beim Menüpunkt «Datum und Zeit» weitreichende Optionen vorhanden sind, während beim Thecus NAS in diesem Bereich nur rudimentäre Einstellungen vorgenommen werden können.

Zu den Admin-Interfaces der beiden Netzwerkspeicher: Beide Systeme bieten ein optisch ansprechendes, grafisches Web-Interface, über das sämtliche Einstellungen getätigt werden können. Dabei machen beide Oberflächen einen relativ schnellen sowie einen aufgeräumten Eindruck. Bei beiden stehen als
Sprache nebst anderen sowohl Englisch als auch Deutsch zur Auswahl, wobei die Übersetzung ins Deutsche bei Thecus eher bedenklich ist und öfters für ein Schmunzeln anstatt für eine einfachere Bedienung sorgt.


Die Einstellmöglichkeiten, die beim Qnap-Interface getätigt werden können, gehen bedeutend weiter als beim Konkurrenten. Auch ist beispielsweise die Hilfefunktion bei Qnap deutlich besser gelöst und (meist) auf Deutsch verfügbar. Bei Thecus hingegen findet sich gar keine Hilfe, wenn die Interface-Sprache auf Deutsch eingestellt ist. Mühsam bei Thecus zudem: Teilweise loopt das Interface in einer unsinnigen Schlaufe von Fehlermeldung – Bestätigen – Fehlermeldung – Bestätigen und so weiter.


Qnap TS-459U-RP+
Positiv

+ solide Verarbeitung

+ leise im Betrieb

+ äusserst energieeffizient

+ einfach zu bedienendes Interface

+ weitreichende Funktionalität

+ Vmware-ready

+ diverse Backup-Möglichkeiten in Echtzeit



Negativ

- Rackmount Kit fehlt im Lieferumfang

- redundantes Netzteil, aber nur ein Stromanschluss



Hersteller

Qnap



Preis ohne HDs

Fr. 1499.– bei Assmann IT-Solutions



Gesamt-Wertung: 5

Mehr Funktionalität beim TS-459U-RP+

Beide Server bieten Platz für jeweils vier 2,5- oder 3,5-Zoll-SATA-I/II-Festplatten und unterstützen die RAID-Levels 0, 1, 5, 6, 10 sowie JBOD. Hot-Spare – also das Einspringen einer Harddisk beim Ausfall einer anderen – ist sowohl bei Qnap als auch bei Thecus vorhanden. Hot-Swap – das Austauschen von Festplatten während des laufenden Betriebs – wird gemäss Feature-Liste ebenfalls von beiden NAS unterstützt. Während beim Qnap-Gerät problemlos eine Platte während des Betriebs ausgewechselt werden konnte (und das Dateisystem auf der neu hineingeschobenen Platte automatisch wiederhergestellt wurde), schien das Thecus-System an diesem Vorgang weniger Freude zu haben. Zum einen ging die Datenträgerkonfiguration unwiderruflich verloren, zum anderen musste das System nach einem Reboot komplett neu initialisiert werden, da die System-Konfiguration nicht mehr lesbar war – was bei einem produktiven System einem Supergau nahe kommt.

Ein weitere Pluspunkt bei Qnap: S.M.A.R.T. – also die Selbstüberwachung von Festplatten – wird zwar ebenfalls von beiden Systemen geboten, jedoch müssen die entsprechenden Tests bei Thecus von Hand ausgelöst werden, währendem dies bei Qnap per Zeitplan erledigt werden kann. Nächster Punkt – die Benutzerverwaltung als Basis für das wohl gängigste Anwendungsgebiet eines NAS-Server im KMU: die File-Server-Funktion. Active Directory wird sowohl vom TS-459U-RP+ als auch vom 1U4200XXXR unterstützt – doch auch hier löst Qnap das Setup deutlich eleganter und bietet ein relativ einfaches Einrichten mittels Wizard. Vorsicht jedoch: Wenn etwas an den Einstellungen am Active Directory verändert wird, werden im TS-459U-RP+ sämtliche Nutzerrechte über den Haufen geworfen. Beim 1U4200XXXR müssen die Active-Directory-Einstellungen komplett von Hand vorgenommen werden, was unter Umständen ziemlich zeitaufwendig sein kann, und es wird kaum Hilfestellung geboten. Ausserdem ist der Suchassistent bei Thecus, um beispielsweise eine User-Gruppe oder einen einzelnen Nutzer zu finden, weitgehend unbrauchbar. Auch gehen die Einstellmöglichkeiten beim TS-459U deutlich weiter als beim Thecus-Modell. Beispielsweise kann definiert werden, welche IP-Adressen oder welcher PC-Name auf einen Ordner zugreifen darf, oder wer der Eigentümer einer Datei ist. Etwas mühsam bei beiden Geräten: Default-mässig sind eine von Reihe Ordnern voreingestellt, die sich leider nicht löschen lassen.


Nützlich ist dagegen, dass beide Server einen Web-File-Manager bieten, über den via Internet Dateien herauf- oder heruntergeladen oder angeschaut werden können. Dazu ist eine fixe IP-Adresse Voraussetzung, wobei Qnap ein Tool (Mycloud NAS) bietet, mit dem man auch ohne fixe IP auf den Server gelangen kann. Zusätzlich kann beim TS-459U-RP+ ein Nutzer via FTP auf sämtliche für ihn freigegeben Ordner zugreifen. Dies funktioniert im Prinzip auch bei Thecus – jedoch nicht für Benutzer, die im Active Directory sind. Somit ist das Feature im Unternehmenseinsatz weitgehen nutzlos. WebDAV ist bei Thecus nicht möglich, bei Qnap ist die Funktion schlecht umgesetzt und funktioniert (analog zu FTP bei Thecus) nicht für Benutzer, die im Active Directory sind.

Eine Funktion, die beide Geräte bieten und die in dieser Preisklasse eigentlich nicht üblich ist: Sie sind Vmware-ready – was bedeutet, das virtuelle Festplatten eingebunden werden können. Und schliesslich finden sich bei Qnap im Gegensatz zum Thecus-Gerät weit­reichende, individuell konfigurierbare Funktionen, um Brute-Force-Attacken abzufangen.

Thecus 1U4200XXXR
Positiv

+ redundantes Netzteil mit 2 Stromanschlüssen

+ energieeffizient

+ einfach zu bedienendes Interface

+ Vmware-ready



Negativ

- Schwächen bei der Verarbeitung

- laut im Betrieb

- teils beschränkte Einstellmöglichkeiten

- mangelhafte deutsche Interface-Übersetzung

- Probleme mit Hot-Swap

- kein Echtzeit-Backup



Hersteller

Thecus



Preis (ohne HDs)

Fr. 1449.– (bei Assmann IT-Solutions)



Gesamt-Wertung: 4

Backup-Funktion lässt bei Thecus zu wünschen übrig

Beim täglichen Gebrauch der Server wurde dann noch die eine oder andere Eigenheit entdeckt, die eine Erwähnung wert ist. So ist es bei Qnap beispielsweise bei Fehlermeldungen möglich, sich über diese via Handy oder E-Mail informieren zu lassen. Bei Alarmen (die in der Regel ja dringender sind) hingegen werden ausschliesslich E-Mails versendet. Die Logik hinter dieser Regel ist nicht ersichtlich. Bei Thecus können derweil ohnehin nur E-Mails bei Alerts versendet werden.
Resets beziehungsweise das Zurückstellen des Systems auf die Werkeinstellungen sind bei Qnap nicht ganz einfach, während bei Thecus ein einfacher Mausklick reicht. Ob dies nun ein Vor- oder ein Nachteil ist, sei dahingestellt. Nützlich bei beiden Geräten: Zusätzlich zu den vorhandenden Funktionen lassen sich zahlreiche Apps beziehungsweise Module nachträglich installieren – beispielsweise Tomcat, Vtiger CRM oder Open LDAP (bei QNAP) beziehungsweise ein Mailserver, ein sogenanntes Schedule Backup Utility oder ein Webserver (bei Thecus). Zum Thema Backup noch: Mit Qnap ist jede erdenkliche Möglichkeit von Remote Backup möglich – so etwa auf Amazon S3, Elephantdrive oder in Echtzeit via RTRR auf einen anderen Qnap-Server oder via Rsnyc auf einen anderen Speicher. Thecus bietet Remote Backup via Rsync an – jedoch nicht in Echtzeit, sondern gemäss vorgegebenem Zeitplan leider nur entweder täglich, wöchentlich oder monatlich. Beide Geräte können zudem auch als Rsync-Target definiert werden.
Für Unternehmen mit Apple-Infrastruktur abschliessend noch erwähnenswert: Der TS-459U-RP+ kann auch als Backup-Ziel für die Time-Machine-Funktion von Mac OS X benutzt werden.

Fazit

Sowohl Qnap wie auch Thecus bringen mit ihren NAS-Rack-Servern preislich attraktive und stromsparende Fileserver-Lösungen für kleine Unternehmen. Sie bieten umfangreiche Funktionen wie Hot-Spare, Hot-Swap, Active-Directory-Support oder Vmware-readyness und sind vor allem einfach im Aufsetzen und in der Bedienung. Im Direktvergleich lässt jedoch der TS-459U-RP+ von Qnap seinen Konkurrenten von Thecus deutlich hinter sich. Die Verarbeitung des Geräts ist besser (auch wenn das Rackmount Kit bei der Lieferung schmerzlich vermisst wird), ausserdem wird deutlich mehr Funktionalität geboten. Der 1U4200XXXR von Thecus kann das Qnap-Gerät nur im Bereichen Strom-Redundanz hinter sich lassen (benötigt dafür aber auch mehr Strom, wie unsere Messungen gezeigt haben), bietet sonst aber entweder Gleiches oder weniger. Angesichts der 50 Franken Preisunterschied gibt es eigentlich keinen Grund, sich gegen Qnap und für Thecus zu entscheiden, wenn man die Qual der Wahl zwischen den beiden NAS-Servern hat.


Beide Testgeräte wurden uns freundlicherweise von Assmann IT-Solutions zur Verfügung gestellt. (mw)



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