Ferienschnäppchen für Anspruchsvolle

Feriendeal verkauft nach dem Deindeal-Prinzip Gutscheine von touristischen Angeboten, versucht dabei nach eigenen Angaben aber vor allem auch an die Partner zu denken.
7. Juli 2011

     

In kaum einer Branche ist die Kundschaft so preissensitiv wie im Tourismus. Folgedessen dürften Last-Minute-Plattformen derzeit Hochkonjunktur haben, weil noch Tausende versuchen, ein Sommerferien-Schnäppchen zu ergattern. Entsprechend dürfte für den preisbewussten Reisenden auch die Plattform Feriendeal.com spannend sein. Bei Feriendeal handelt es sich – wie der Name vermuten lässt – um eine Gutscheinplattform à la Deindeal oder Groupon, die sich jedoch ausschliesslich auf touristische Angebote beschränkt. Ausserdem sieht man sich auch nicht als Schnäppchen­jäger-Plattform, wie Cedric Schoch, der für das an Feriendeal beteiligte Unternehmen Swiss Media House Beratung macht und Projekte betreut, erklärt. «Wir wollen den reiseaffinen Kunden ansprechen, der Lust hat, ein neues Angebot oder ein neues Hotel auszuprobieren – und nicht den reinen Schnäppchenjäger, der ausschliesslich auf den Preis schaut.»


Hinter Feriendeal stecken drei unabhängige Unternehmen, die sich zu einem Joint-Venture zusammengeschlossen haben. Nebst dem Swiss Media House sind dies zwei deutsche Unternehmen, von denen sich eines um die technischen Aspekte kümmert und das andere auf die Bereiche Grafik, Design und Branding spezialisiert ist. Online ist die Site seit Anfang Mai, wobei Schoch die Zeit bis Ende Juni als erweiterte Beta-Phase bezeichnet. Man habe möglichst schnell online sein wollen, und musste deshalb auch Kompromisse, unter anderem bei der Zahlungsanbindung, eingehen. Doch seit Ende Juni steht die Plattform so, wie man sich das bei den Betreibern vorgestellt hat, und nebenbei wurde von den drei Joint-Venture-Unternehmen inzwischen die Ferien­deal GmbH gegründet.


Gleich und doch anders

Auf den Vorwurf, dass Feriendeal eigentlich nichts Neues bietet und man beispielsweise auf Deindeal aktuell mehr Hotel-Deals findet als beim Ferien-Spezialisten, antwortet Schoch: «Für uns war von Anfang an klar, dass wir kein Gemischtwarenladen sein wollen. Unsere Kompetenzen liegen im touristischen und im Hotellerie-Bereich, und wir kennen die Probleme, mit denen Hotels kämpfen, sowie die Bedürfnisse der Hoteliers.» Schoch macht denn auch deutlich, dass der Deal-Partner einen hohen Stellenwert bei Feriendeal hat. «Für uns ist nicht nur wichtig, was die User wollen, sondern auch was der Deal-Partner will. Unsere Partner sollen auch nach fünf Jahren noch an uns denken, wenn sie wieder einmal neue Kunden generieren wollen.» Nicht jedes Hotel habe ein Interesse daran, tausend Gutscheine zu verkaufen. «Unser Business-Modell berücksichtigt das, wir müssen nicht zwingend Volumen generieren», erklärt Schoch. Entsprechend habe man mit den Hotels eine maximale Anzahl Gutscheine abgemacht, die verkauft werden sollen. Gleichzeitig wolle man auch nicht auf Biegen und Brechen möglichst viele Angebote auf der Site haben und möglichst häufig einen Newsletter versenden. Aktuell gibt es auf Feriendeal wöchentlich ein neues Angebot. Dies will man jedoch ausbauen, zum einen mit Hotels im Ausland, zum anderen auch mit Pauschalreisen: «Grosse Tour Operator sind bereits auf uns zugekommen, um sich unsere Plattform anzuschauen. Denn ein Tour Operator versucht, seine Last-Minute-Angebote über möglichst viele Verkaufskanäle abzusetzen, und wir sind ein weiterer solcher Kanal.»


Zum Business-Modell erklärt Schoch, dass man ähnlich funktioniere wie die anderen Gutschein-Anbieter und von Kommissionen lebe. Jedoch könne man die Kommissionen etwas tiefer halten als die Konkurrenz, da Feriendeal für keine der beteiligten Firmen das Hauptgeschäft sei. Ausserdem müsse man nicht wie andere Gutscheinplattformen für jeden Deal viel Geld in Online-Werbung stecken, da es wie erwähnt nicht allein um Volumen gehe. Einen weiteren Unterschied gibt es auch bei der Bezahlung der Partner. Bei Feriendeal bekommen die Hotelpartner ihr Geld, sobald der Gutschein eingelöst wurde. Bei anderen Plattformen läuft es so, dass das Geld, unmittelbar nachdem der Deal abgelaufen ist, ausbezahlt wird. Für den Dealpartner ist das natürlich interessant, da er so schnell an Geld kommen kann, aber natürlich auch gefährlich, weil die Gegenleistung dann später erbracht werden muss und kein Geld mehr dafür reinkommt. «Auch hier glauben wir, das nachhaltigere Modell zu verfolgen», so Schoch.

Wachstum im Ausland

In Zukunft will Feriendeal in erster Linie jenseits der Schweizer Grenze zulegen. So sehen Kunden aus dem benachbarten Ausland seit kurzem die Preise in Euro, und nicht wie bis anhin in Schweizer Franken. Damit erhofft man sich eine Steigerung des Absatzes im Ausland. Ausserdem plane man, die Plattform künftig auch in Englisch anzubieten. Ebenfalls in Arbeit sind Partnerschaften. Unter anderem ist eine strategische Partnerschaft mit einem Club-Shopping-Anbieter aus dem osteuro­päischen Raum in Arbeit. «Denn die Wachstumsmärkte für die Schweiz im Bereich Tourismus liegen im Osten. Wenn ein Schweizer Hotel über ein Feriendeal-Angebot an neue Kunden aus dem Osten herankommen kann, ist das natürlich spannend.»


Entsprechend appelliert Schoch an Hoteliers, Plattformen wie Feriendeal nicht als Bedrohung, sondern als Chance zu sehen. «Ferien­deal ist für ein Hotel ein weiterer Verkaufs­kanal. Wichtig für den Hotelier ist dabei zu wissen, was ihn ein Zimmer kostet, das leer bleibt. So kann er den Preis für einen Deal festlegen. Weiter muss er eine gewisse Affinität für Online-Marketing an den Tag legen. Und ganz wichtig ist es, folgendes zu verstehen: Feriendeal ist für den Hotelier kein Werkzeug, um Geld zu verdienen, sondern eine reine Verkaufs- und Marketing-Plattform.» (mw)



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