Der erste Schritt zur Gesundheitskarte

Der erste Schritt zur Gesundheitskarte

6. Oktober 2005 - In der Schweiz wird 2008 eine Versichertenkarte für das Gesundheitswesen eingeführt. Es gibt aber noch zahlreiche offene Fragen.
Artikel erschienen in IT Magazine 2005/18

Ein Ende der Kostenspirale ist mit dem aktuellen Gesundheitssystem nicht zu erwarten – im Gegenteil, zahlreiche Mängel im heutigen Gesundheitswesen, die demografische Entwicklung und die Zunahme chronischer Krankheiten werden die Kosten in den kommenden Jahren weiter massiv steigen lassen.
Einen ersten Schritt für eine Lösung zumindest im Bereich der mangelnden Effizienz im heutigen Gesundheitswesen hat der Bundesrat am 22. Juni dieses Jahres gemacht. Damals wurde das Grobkonzept für die Einführung der Versichertenkarte in der Krankenversicherung verabschiedet. Bereits ab 2008 muss jeder Versicherte die Karte vorweisen, um Leistungen von Ärzten, Spitälern und Apotheken in Anspruch nehmen zu können. Die Versichertenkarte ist damit das erste E-Health-Projekt auf eidgenössischer Ebene.


Vision elektronisches Gesundheitsnetzwerk

Dahinter steht eine grosse Vision: Irgendwann soll die Gesundheitskarte als Zugangsschlüssel zu einer elektronischen Patientenakte fungieren, die in einer Datenbank gespeichert ist und sämtliche Behandlungs- und Abrechnungsdaten, Infos über verschriebene Medikamente sowie eine Dokumentation über alle Zugriffe auf die Akte enthalten soll. Bestandteil dieser Datenbank könnte zudem beispielsweise auch ein Wissensnetzwerk für Ärzte werden, das etwa Informationen zu Medikamentenwechselwirkungen, Diagnosen und Therapien zur Verfügung stellt. Bei der Verschreibung von Medikamenten könnte in einem solchen System automatisch geprüft werden, ob diese verträglich sind. Der Arzt könnte ausserdem Befund, Leistungen und Arzneimittelverschreibung direkt ins System diktieren und weitere Dokumente anhängen. Die Apotheke wiederum greift auf das elektronische Rezept zurück, und die Krankenkasse erhält die für die Abrechnung benötigten Daten automatisch zugestellt.





Ein solches Gesundheitsnetzwerk würde den Visionären zufolge zahlreiche Vorteile bieten: Die Vereinfachung der administrativen Abläufe führt zu einer höheren Effizienz und damit zu Kosteneinsparungen, Medienbrüche würden ebenso eliminiert wie unnötige Mehrfachkonsultationen – nicht zuletzt könnte der Patient dadurch von einer höheren Qualität der medizinischen Versorgung profitieren.
Die Karte des Versicherten dient dabei nicht nur der Authentifizierung für dieses Gesundheitsnetzwerk, sondern soll auch einen Notfalldatensatz enthalten, in dem beispielsweise die Blutgruppe, Allergien oder Medikamentenunverträglichkeiten gespeichert werden. Verschiedene Verschlüsselungs- und Authentifikationsverfahren sollen für ein
Höchstmass bei Datenschutz und Datensicherheit sorgen, und der Versicherte könnte mit Hilfe von Sicherheitsprofilen über Internetportale selber festlegen, wer auf welche Informationen im System Zugriff erhalten soll.





Ein ähnliches System wird beispielsweise in der italienischen Region Lombardei nach mehrjährigen Pilotversuchen seit 2003 implementiert. Bis Ende 2005 werden dort sämtliche Bürger, Ärzte, Apotheker und Angestellte im Gesundheitswesen mit einer Gesundheitskarte ausgerüstet sein – insgesamt nicht weniger als 9 Millionen Karten. Auch in anderen europäischen Ländern wie Deutschland, Frankreich und Österreich werden derartige vollwertige Gesundheitskarten derzeit evaluiert oder bereits eingeführt.

 
Seite 1 von 3

Neuen Kommentar erfassen

Anti-Spam-Frage Wieviele Zwerge traf Schneewittchen im Wald?
Antwort
Name
E-Mail
GOLD SPONSOREN
SPONSOREN & PARTNER