Digitalkameras für jeden Geschmack

Wer seine Ferien-Digicam mit Bedacht wählt, hat daran auch nach dem Urlaub Freude.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2005/13

     

Ferienzeit ist Fotozeit. Zu keiner anderen Zeit im Jahr wird so viel fotografiert wie im Sommerurlaub, ob dieser nun in tropische Gefilde, in exotische Städte oder nur an den heimischen Badesee führt. Und mit keiner Kamera macht das Fotografieren so viel Spass wie mit der digitalen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Das Display auf der Kamerarückseite sorgt bei den einen für einen willkommenen Sofortbildeffekt, während andere froh sind, die «einmalige» Aufnahme sofort wiederholen zu können, wenn sie beim ersten Versuch misslungen ist. Zugaben wie die einfache Erstellung von Dia-Shows, das Versenden der eben geknipsten Bilder per E-Mail und die umfangreichen Bearbeitungsmöglichkeiten am heimischen Rechner überzeugen immer mehr Urlaubsknipser und Hobbyfotografen von den Vorteilen der digitalen Fotografie – kein Wunder, sind mittlerweile rund achtzig Prozent aller verkauften Fotoapparate von der digitalen Sorte.


Vor allem Vorteile

Doch auch die digitale Medaille hat ihre Kehrseiten: Wer seine Partybilder in der gesamten Bekannt- und Verwandtschaft herumzeigen will, wundert sich meist schnell über die kurzen Akkulaufzeiten – das Display ist ein wahrer Stromfresser. Weil die Kamera, die nach der Anschaffung kaum mehr Kosten verursacht, zum Knipsen geradezu verführt, ist zudem die Speicherkarte oft schon voll, bevor die eigentliche Action überhaupt losgeht. Und wer seine Bilder nachträglich am Computer bearbeitet, wünscht sich oft, er würde mehr Zeit beim Fotografieren als in der digitalen Dunkelkammer verbringen.




Nichtsdestotrotz bietet die Digicam eine Menge Vorteile, und zwar nicht nur im Urlaub, wenn die Knipse besonders beansprucht wird, sondern auch im Geschäftsalltag – klug ist, wer seine Digitale von Anfang an so auswählt, dass sie beiden Anforderungen gerecht wird.
Bevor man mit der konkreten Evaluation beginnen kann, muss man sich allerdings in der Flut der aktuellen Modelle überhaupt zurechtfinden. Dabei helfen Marktübersichten im Internet, wie sie etwa www.digitalkamera.de mit ihrer umfangreichen Datenblätter-Datenbank oder www.dpreview.com mit umfassenden Kameratests bieten. Bevor man sich allerdings in die Features der einzelnen Geräte vertieft, muss ein Grundsatzentscheid erfolgen: Soll es eine kleine Lifestyle-Kamera sein, eine Kompakte mit Megazoom oder doch eher ein flexibles Spiegelreflex-Modell (SLR – Single Lens Reflex)? Oder etwas zwischen diesen drei Polen?





Jede dieser Gerätekategorien bietet ihre ureigenen Vor- und Nachteile (vgl. Kästen): Während sich die Lifestyle-Modelle mit geringsten Ausmassen und trendigem Design als Immer-dabei-Geräte bewähren, dafür aber kaum manuelle Eingriffsmöglichkeiten bieten, ist die SLR in ein umfassendes System eingebettet und erzeugt erstklassige Bilder, stellt dem Fotospass aber ein hohes Gewicht und einen hohen Preis entgegen. Demgegenüber versucht die grosse Gruppe der Zoom-Kompakten die Vorteile der anderen Kategorien zu vereinen, indem in noch handliche Gehäuse zahlreiche Features und manuelle Bedienmöglichkeiten verpackt werden und meist auch ein mehr oder weniger umfangreiches Zubehörsortiment zur Verfügung steht.


Megapixel-Debatte vorbei

Wenn man die aktuellen Modelle und Werbekampagnen vieler Hersteller betrachtet, zeigt sich vor allem eins: Die Megapixel-Zahl, die noch vor nicht allzulanger Zeit das Hauptentscheidungskriterium jedes Digicam-Käufers war, spielt heute nur noch eine untergeordnete Rolle. Vier Megapixel bilden heute das Low-end, sechs bis sieben Megapixel sind Standard, und die Spitzenmodelle unter den Kompaktkameras bieten durchweg acht Megapixel – bei den SLR-Geräten werden auch Werte um zwölf Megapixel und darüber erreicht.






Viel wichtiger als ein hoher Megapixelwert ist ein hochwertiges Objektiv – eine 4-Megapixel-Kamera mit gutem Objektiv ist einem
6-Megapixel-Gerät mit Plastiklinse in Sachen Bildqualität jederzeit überlegen, wie unabhängige Tests immer wieder belegen. Neben einer möglichst hohen Lichtstärke (Spitzenmodelle bieten f2.0) kann auch ein grosser Zoombereich nicht schaden, der vor allem möglichst weit in den Weitwinkelbereich reichen sollte. Leider bieten derzeit nur wenige ausgesuchte Modelle wie die Nikon Coolpix 8400 oder die Sony DSC-F828 einen echten Weitwinkel, bei den meisten Kompakten ist bei 35 mm das Ende der Fahnenstange erreicht. Wer dagegen eher Fernaufnahmen machen möchte, greift zu einer Megazoom-Kamera wie der Canon Powershot S2 IS oder der Panasonic Lumix DMC-FZ20, die mit ihren 12fach-Zooms Brennweiten von 432 Millimetern erreichen und dank mechanischem Bildstabilisator auch bei schlechteren Lichtbedingungen noch scharfe Aufnahmen erlauben.


Verschiedene Kriterien

Neben Optik und Bildchip spielen allerdings noch zahlreiche weitere Kriterien bei der Kamerawahl eine Rolle. Ein besonderes Augenmerk gilt es etwa der Stromversorgung zu widmen: Je nach Blitzeinsatz und Monitorgebrauch entladen sich auch moderne Hochkapazitäts-Akkus im Regelfall schneller als vom Fotografen erwünscht. Mindestens ein Ersatz-Akku gehört deshalb in jede Fototasche, zusammen mit dem Ladegerät, mit dem man nächtens im Hotelzimmer entladene Stromquellen auffrischen kann. Wer dagegen seine Ferien im Hochgebirge verbringt, wird eher Wert auf zusätzliche Ersatz-Akkus legen und ein Kameramodell wählen, das sich notfalls auch mit fast überall erhältlichen Standardbatterien betreiben lässt.






Ähnliches gilt für die Speicherkarten: Das mit der Kamera gelieferte Modell reicht meist nur gerade für einige Probeaufnahmen, wer ernsthaft fotografieren will, wird die Kapazität innert kürzester Zeit vervielfachen wollen. Zumindest eine grössere Wechselkarte mit 512 MB oder 1 GB Speicherplatz gehört zur Grundausstattung. So kann man, je nach Anzahl Megapixel der Kamera und gewähltem Bildformat und Komprimierungsrate, zwischen 50 bis 300 Aufnahmen speichern. Weitere Speicherkarten zum Wechseln bieten den Vorteil, dass im Fall eines Defekts nicht gleich alle Fotos verlorengehen und sie platz- und gewichtsmässig kaum auftragen – günstiger kommt auf Dauer aber wahrscheinlich ein mobiler Bilderspeicher, wie sie etwa von Epson, Hama oder Jobo mit oder ohne Bildschirm und integriertem CD-Brenner angeboten werden.


Lifestyle-Kameras

Diese Kamera-Kategorie zeichnet sich vor allem durch den minimen Formfaktor und das geringe Gewicht aus, was sie zu idealen Immer-dabei-Kameras macht. Im trendigen Designer-Gehäuse stecken wahre Wunderwerke an Miniaturisierung moderner Hochtechnologie, zahlreiche Automatiken unterstützen den Fotografen. In Sachen Bildqualität sind von den Kleinst-CCDs in Verbindung mit Winzig-Linsen allerdings keine Wunder zu erwarten, und manuelle Eingriffsmöglichkeiten sucht man meist vergebens, was die angepeilte Zielgruppe aber kaum weiter stören wird. Typische Vertreter dieser Edel-Minis mit hohem Neidfaktor sind etwa die zahlreichen Modelle von Canons Digital-Ixus-Familie, die Geräte aus der Dimage-X-Serie von Konica Minolta oder Olympus’ µ-Digital-Modelle.


High-end-Kompakte

Die grösste Auswahl hat man in der Sparte der Kompaktkameras, in der rund 50 Hersteller um die Gunst des Kunden buhlen. Die teureren Vertreter dieser Gattung bieten hochwertige Optiken mit grossem Zoombereich sowie verschiedene manuelle Eingriffsmöglichkeiten für die kreative Bildgestaltung, alles verpackt in einem kompakten Gehäuse. Oft sind sie wie die Spiegelreflexkameras in ein System eingebunden und mit vielerlei Zubehör vom Weitwinkelkonverter bis zum Systemblitz kompatibel. Hohe Auflösungen von bis zu acht Megapixeln suggerieren hervorragende Bildqualität – was aber meist nur bei optimalem Licht stimmt. Die kleinen Aufnahmechips sind oft anfällig für Rauschen bei höheren ISO-Werten. Ausserdem kranken viele Modelle immer noch an einer spürbaren Auslöseverzögerung und langsamem Autofokus. Typische Vertreter der High-end-Kompakten sind etwa die Canon Powershot Pro 1, die Dimage A2 von Konica Minolta, Nikons Coolpix 8800 oder die Sony DSC-F828.


DSLRs für Einsteiger


Der grösste Vorteil der digitalen Spiegelreflex-Kameras: Sie bieten Wechselobjektive und umfangreiches Systemzubehör und liefern dank grösserem Chip auch mit weniger Megapixeln und bei schlechtem Licht bessere Bilder als Kompaktgeräte. Ausserdem verfügen sie über einen schnellen Autofokus, kurze Auslöseverzögerung und hohe Serienbildraten. Dafür sind sie insgesamt teurer, schwerer und deshalb eher selten ständig dabei – für Ferien mit leichtem Gepäck daher eher ungeeignet, für ambitionierte Fotografen aber erste Wahl. Einsteiger-DSLRs kosten heute kaum mehr als High-end-Kompakte, wobei aber zu beachten ist, dass die Kit-Objektive meist bald durch bessere Linsen ersetzt werden, die oft teurer sind als die Kamera selber. Typische Vertreter dieser Gattung sind die Canon EOS 350D, Nikon mit der D50 und
der D70s, die Olympus E-300 und die Pentax *ist DL.




Artikel kommentieren
Kommentare werden vor der Freischaltung durch die Redaktion geprüft.

Anti-Spam-Frage: Welche Farbe hatte Rotkäppchens Kappe?
GOLD SPONSOREN
SPONSOREN & PARTNER