Kontroverse um den Toner

Kontroverse um den Toner

29. April 2005 - Immer wieder wird behauptet, dass Toner für Laserdrucker und Kopierer potentiell giftige Stoffe enthält. Wie gefährlich ist der Umgang damit wirklich?
Artikel erschienen in IT Magazine 2005/09

Die aktuelle Feinstaub-Debatte in Deutschland bringt auch im Informatik-Bereich ein eigentlich altes Thema wieder auf den Tisch: die Gefahr durch Toner in Geräten wie Laserdruckern und Kopierern. Immer wieder schreckten in den vergangenen Jahren Studien auf, die auf das Gefahrenpotential von Toner hinwiesen. Im Jahr 2001 hat zunächst die deutsche Zeitschrift «Ökotest» mit einem Test die Debatte lanciert, im Mai 2004 wies der «K-Tipp» in sieben von acht Produkten potentiell giftige Stoffe nach, und auch die deutsche «Computerbild» testete im September 2004 acht Fabrikate mit ähnlichem Ergebnis. Setzt sich der im Büro arbeitende Teil der Menschheit unwissentlich dem schleichenden Tod durch Tonergifte aus?





Monochromer Toner ist ein komplexes Gemisch, das je nach Toner-Familie ungefähr zur Hälfte aus Polystyrolacrylat und Eisenoxid oder aus Polyesterharz und Eisenoxid besteht. Als Verunreinigungen können in diesen Toner-Inhaltsstoffen mit sehr sensiblen Prüfverfahren immer wieder unter anderem auch Schwermetalle wie Kobalt, Nickel und Quecksilber sowie teils auch Substanzen wie Tributylzinn (TBT) und andere Zinnverbindungen nachgewiesen werden.
Beim Druckprozess lassen sich ausserdem oft flüchtige organische Verbindungen wie Styrol, Phenol und Benzol messen. Je nach der tatsächlich freigesetzten Konzentration können viele dieser Stoffe potentiell giftig oder auch krebserregend sein. Verschärfend können schwer kontrollierbare toxische Kombinationswirkungen hinzukommen, die sich während der Erhitzung und durch den Druck beim Druckvorgang ergeben können.





Dem von Paracelsus aufgestellten toxikologischen Leitsatz zufolge gilt allerdings, dass erst die Dosis das Gift macht. Dies ist auch bei den Inhaltsstoffen von Tonern der Fall, genauso wie für den aktuell in Deutschland kontrovers diskutierten Feinstaub aus Laserdruckern und Kopierern – die Giftigkeit dieser Inhaltsstoffe und Verunreinigungen hängt von den Konzentrationen ab, die im Druckvorgang tatsächlich freigesetzt werden.


ITG spricht von über 700 Verdachtsfällen

Dabei haben die Untersuchungen und Tests gezeigt, dass sich die Menge an im Toner enthaltenen Verunreinigungen sowohl von Hersteller zu Hersteller als auch von Produkt zu Produkt teils deutlich unterscheidet: in einzelnen Tonern wurden überhaupt keine derartigen Stoffe gefunden.





Über den Lüfter des Druckers werden permanent kleinste Mengen von Toner mitsamt den enthaltenen Schadstoffen an die Umgebung abgegeben. Auch beim Kontakt mit Toner, etwa auf bedrucktem Papier oder bei Wartungsarbeiten, besteht Kontaminationsgefahr, wie die deutsche Selbsthilfegruppe «Interessengemeinschaft Tonergeschädigter e.V. (ITG)» betont. Die Gefahr ist demnach schleichend, können die Schadstoffe doch dauerhaft auf die Schleimhäute, die Atemwege und die Haut einwirken. Als Symptome manifestieren sich ein permanentes diffuses Krankheitsgefühl sowie Dauerschnupfen und trockener Reizhusten, die sich zu chronischen Entzündungen der Atemwege und schweren asthmatischen Beschwerden entwickeln können.




Die ITG wurde 2000 von dem ehemaligen Hamburger Polizisten Hans Joachim Stelting gegründet, der 1990 erste Symptome feststellte und dessen Lungenschaden 1995 als tonerbedingter Dienstunfall anerkannt wurde. Damit ist er einer von bloss drei Fällen in Deutschland, die bis heute als Berufsunfall oder
-Krankheit anerkannt wurden. Immerhin berichtet die ITG von rund 750 weiteren konkreten Verdachtsfällen, bei denen Erkrankungen auf den Umgang mit Tonern zurückzuführen seien – auch wenn sie den Beweis bis heute schuldig bleibt.

 
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