Paint Shop Pro 8.0

Paint Shop Pro 8.0 beinhaltet fast alle Features, die auch Marktführer Photoshop bietet – allerdings zu einem Bruchteil des Preises.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2003/06

     

Fast 3 Jahre hat sich Jasc Zeit gelassen, seit mit der Version 7 der letzte grössere Release von Paint Shop Pro erschienen ist. Doch das Warten hat sich gelohnt, haben die Programmierer des Herstellers doch einige Wünsche erfüllt, die viele Anwender schon länger hegten. Neben einer modernisierten und von einigem Ballast befreiten Oberfläche trumpft das Bildbearbeitungsprogramm etwa mit einer mächtigen Script-Engine und verbesserten Zeichenwerkzeugen auf. Der Final Release von Paint Shop Pro 8 soll im Juni auf den Markt kommen, der genaue Preis ist noch nicht bekannt, dürfte sich aber im Rahmen des bisherigen bewegen.


Überarbeitete Oberfläche

Im Vergleich zur Vorversion wurden in Paint Shop Pro 8 (PSP) einige signifikante Änderungen am User-Interface vorgenommen, die ein noch intuitiveres Arbeiten ermöglichen. So wurden etwa das Layout der Menüs überarbeitet und sämtliche Icons neu erstellt. Dialogfenster merken sich nun ihre letzte Position, die meisten Effekt-Dialoge erlauben das Laden und Speichern von Presets, und die Werkzeuge und Menübefehle lassen sich nun bei gedrückter Shift-Taste auch ohne Dialogfenster aufrufen, was die tägliche Arbeit beschleunigen kann.



Endlich bietet PSP auch eine Personalisierung der Oberfläche. So lassen sich nun eigene Menüs und Werkzeug-Paletten erstellen und speichern. Es ist auch möglich, für verschiedene Aufgaben angepasste Arbeitsoberflächen zu kreieren.
Paint Shop Pro 8 unterstützt darüber hinaus einige neue, allerdings eher wenig verbreitete Dateiformate, darunter JPEG 2000. Wichtiger ist dagegen, dass nun auch PSP das verlustfreie Schreiben (und damit Bearbeiten) von JPEG-Files unterstützt. Vor allem die Besitzer von digitalen Kameras dürfte die neu integrierte Unterstützung für EXIF-Daten freuen, die von der Kamera automatisch erstellt und im Bild eingebettet werden. Mit den im professionellen Bereich üblichen IPTC-Daten kann PSP dagegen auch in der neuen Version nichts anfangen.





Automatisierung von Aufgaben per Script

Eine der wichtigsten Neuerungen in PSP 8 ist unbestritten die Scripting-Engine, die eine Automatisierung von stets wiederkehrenden Aufgaben ermöglicht. Diese beinhaltet einen Script-Recorder sowie einen zugehörigen Editor und basiert auf der verbreiteten Programmiersprache Python. Die Aufnahme und der Gebrauch von Scripts funktioniert dabei ähnlich wie bei den Aktionen von Photoshop, indem die Abläufe einfach durchgespielt und währenddessen vom Recorder aufgenommen werden, die Python-Basis bietet aber zusätzliche, mächtige Möglichkeiten. Wer über das nötige Programmier-Know-how verfügt, kann beispielsweise zusätzliche Funktionalitäten einbauen und Scripts komplett von Hand schreiben.



Allerdings bringt dies auch Nachteile: Mit einer Programmiersprache wie Python lässt sich nämlich auch potentiell schädlicher Code schreiben. Jasc löst das Problem, indem Scripts standardmässig nur in einer sogenannten Sandbox laufen.




Die Script-Engine unterstützt dabei zwei Modi: Im sogenannten Silent-Mode wird das Script ohne Unterbrechung ausgeführt, Eingaben durch den User sind unmöglich. Im Interactive-Modus dagegen werden Dialogfenster gezeigt, um die Anpassung von Parametern während des Script-Ablaufs zu ermöglichen. Ausserdem ist die Script-Engine mit dem Batch-Modus verknüpft, was das gleichzeitige Anwenden von Scripts auf mehrere Bilder ermöglicht.




Erweiterte Toolbox

Damit haben sich die Neuerungen in Paint Shop Pro 8 aber noch nicht erschöpft. Vor allem an den Details haben die Entwickler geschraubt, es gibt kaum ein Werkzeug, das keine Änderungen oder Verbesserungen erfahren hätte. Komplett neu programmiert wurden etwa die Zeichen-Tools, darunter der Pinsel, die Airbrush und der Radiergummi, was unter anderem dazu führt, dass diese Werkzeuge nun mit weicheren Kanten arbeiten.



An neuen Tools ist der sogenannte Background-Eraser hinzugekommen. Im Prinzip handelt es sich dabei um ein Freistell-Werkzeug, mit dem auf einfache Weise der Hintergrund des Bildes gelöscht werden kann. Im Test hat dies allerdings nur bei wenigen Fotos mit klar definierten Vorder-/Hintergrund-Kontrasten problemlos funktioniert.




Ebenfalls neu ist ein Tool zur Perspektiven-Korrektur, das insbesondere Architektur-Fotografen schätzen werden, lassen sich damit doch stürzende Linien und andere perspektivische Fehler im Handumdrehen korrigieren.



Neben der Integration von neuen Effekten hat Jasc auch die Unterstützung für Plug-ins von Drittherstellern verbessert. Nicht zuletzt gibt es nun bei fast jedem Tool die Möglichkeit, Einstellungen als Preset zu speichern und bei Bedarf wiederzuverwenden.




Kaum Neuerungen für Webdesigner

Offensichtlich hat Jasc bei der Weiterentwicklung von Paint Shop Pro einen ganz klaren Fokus auf die klassischen Bildbearbeiter und (Hobby-)Fotografen gehabt: Fast alle neuen Funktionen kommen dieser Benutzergruppe zugute. Bei den Tools für die Web-Entwicklung dagegen gibt es kaum nennenswerte Änderungen oder Erweiterungen - offenbar waren die Entwickler mit den Werkzeugen, die sie bereits in die Vorversion eingebaut haben, zufrieden.




Insgesamt hat Jasc mit der Version 8 von Paint Shop Pro den in letzter Zeit entstandenen Rückstand auf die Konkurrenz wettgemacht. Zwar hat die Beta noch einige Macken und glänzt insbesondere nicht durch aussergewöhnliche Performance. Im selben Preissegment gibt es aber derzeit kaum eine Bildbearbeitungssoftware, die mit PSP mithalten kann. Und dank der neuen Script-Engine und der Vierfarb-Separation spielt Paint Shop nun wieder in derselben Liga wie Photoshop - erfreulicherweise voraussichtlich auch weiterhin zu einem Bruchteil des Preises, der für den Marktleader berappt werden muss.



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