Die Multifunktionalität der Dinge

Die Multifunktionalität der Dinge

17. September 2002 - Was mit der Erfindung des Schweizer Taschenmessers 1884 durch Karl Elsener seinen Anfang genommen hat, lässt sich nicht mehr stoppen: Die Multifunktionalität der Dinge.
Artikel erschienen in IT Magazine 2002/32

Ueber Jahrtausende waren die meisten Dinge genau das, was sie zu sein schienen: Ein Faustkeil war ein Faustkeil, und damit konnte man kein Feuer machen. Ein Rad war ein solches und diente nicht als Esstisch. Und ein Telefon konnte nichts anderes, als eine Verbindung zwischen zwei weit entfernten Sprechern aufzubauen.



Heute ist das anders: Was mit der Erfindung des Schweizer Taschenmessers 1884 durch Karl Elsener seinen Anfang genommen hat, lässt sich nicht mehr stoppen: Die Multifunktionalität der Dinge.



Bleiben wir beim Beispiel mit dem Telefon. Dieses wurde zuerst komfortabler, dann mobil und schliesslich immer kleiner. Es wurde um hilfreiche Goodies wie Nummernspeicher und Sprachwahl erweitert. Es lernte Mails zu verschicken und im Internet zu surfen (letzteres allerdings mit eher geringem Erfolg). In den letzten Ausbauschritten übernahm es mit Terminverwaltung und Kalender sogar einige angestammte Aufgaben des Filofax.



Der jüngste Gipfel der Multifunktionalität: Das Telefon macht Fotos (vgl. Test in der Print-Ausgabe).



Das verheisst vor allem eines: Fun pur. Wer wollte nicht schon immer an einer Party die jüngste Eroberung ablichten und das Porträt sogleich dem gesamten Bekanntenkreis zuschicken? Wer hatte noch nie das Bedürfnis, Einladungen zum Abendessen mit einem Abbild der Speisekarte aufzupeppen? Nicht zu vergessen all die romantischen Sonnenuntergänge und blühenden Blumen, die demnächst durch den Äther zischen... Und das Beste: Man kann die Ergebnisse sogleich telefonisch kommentieren!



Wenn es denn funktioniert. Tests haben nämlich ergeben, dass die Angebote der Schweizer Telcos, die solche Multimedia Messages (MMS) ermöglichen sollen, ihren Dienst derzeit noch nicht oder nur ungenügend verrichten. Zwar handelt es sich momentan noch um Testeinrichtungen, aber schon bald nach der Orbit soll der Spass richtig Geld kosten.



Seine wahren Stärken spielt das neueste Spielzeug aus der Nokia-Küche allerdings auch nicht im spassigen Freizeit-Bereich, sondern im harten Business-Alltag aus, und das nicht nur, wenn es darum geht, die neidischen Kollegen im heimischen Büro bei der erstbesten Gelegenheit mit Schnappschüssen von der Geschäftsreise nach Barcelona zu grüssen.



In Zeiten des Networking, in denen man schlicht nicht genügend Leute kennen kann, leistet das Imaging-Phone nämlich unschätzbare Dienste: Vorbei die peinlichen Situationen auf Seminaren und Aperos, wenn man zwar einen Namen im Kopf hat, aber nicht mehr sicher weiss, zu welcher Person er gehört. Oder noch schlimmer: Man kennt noch das Gesicht, kann aber beim besten Willen den Namen nicht mehr memorieren.



Der moderne Networker hat die Lösung buchstäblich in der Hand: Ein kurzer Blick aufs Handy (das tut heute sowieso jeder), ein schneller Scan durch die mit den Namen verknüpften Bilder, schon ist das Dilemma gelöst.



Es gab Zeiten, da musste der Mensch noch selber denken. Es kommen Zeiten, da werden wir uns nicht einmal mehr daran erinnern.

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