Roter Pass inklusive Chip

Roter Pass inklusive Chip

24. September 2004 - Im Rahmen eines Pilotprojekts wird ab Ende 2005 in der Schweiz ein neuer Pass mit biometrischen Merkmalen eingeführt. Vorher gibt es noch einige Probleme zu lösen.
Artikel erschienen in IT Magazine 2004/17

Mitte September hat der Bundesrat beschlossen, dass im Rahmen eines Pilotprojekts ab Ende 2005 erstmals in der Schweiz Pässe mit integrierten biometrischen Merkmalen ausgegeben werden sollen (vgl. Kasten). Laut einer Empfehlung der International Civil Aviation Organization (ICAO), die für diese Sicherheitsstandards zuständig ist, muss ein derartiger biometrischer Ausweis ein digitalisiertes Porträtfoto mit der Gesichtsgeometrie enthalten, zusätzlich können die einzelnen Staaten auch den Fingerabdruck oder das Irismuster einbauen.


Hohe Anforderungen an die Fälschungssicherheit

Das wichtigste Ziel bei der Einführung von biometrischen Ausweisen ist es, dem Missbrauch von Reisedokumenten vorzubeugen. Dies soll erreicht werden, indem die darauf in einem Chip (vorgesehen ist ein berührungsloser RFID-Tag) gespeicherten persönlichen Daten bei der Grenzkontrolle aus einigen Zentimetern Entfernung von einem Lesegerät ausgelesen werden; der Ausweisbesitzer lässt sich daraufhin eindeutig identifizieren. Gleichzeitig lassen sich einige andere Dinge abklären, etwa, ob die Person in den Kriminalitätsdatenbanken erfasst ist. Der gesamte Vorgang soll nur wenige Sekunden dauern.





Die Echtheit des Dokuments lässt sich auf diese Weise allerdings nicht garantieren – zumindest theoretisch können nämlich auch biometrische Pässe mit falschen Personendaten versehen werden. Experten gehen ausserdem davon aus, dass die RFID-Tags auf den Ausweisen mittelfristig problemlos gehackt werden können, schliesslich müssen sie nicht nur lesbar, sondern auch zumindest durch die Ausgabestellen nachträglich beschreibbar sein, damit Änderungen oder zusätzliche biometrische Daten auch nach der Ausstellung aufgenommen werden könnten.





Neben der ohnehin unumgänglichen Verschlüsselung der Daten auf dem Chip wird deshalb an verschiedenen zusätzlichen Sicherheitsmerkmalen getüftelt, die die Authentizität des Dokuments sicherstellen sollen. Ein Ansatzpunkt ist dabei der Chip selber, der beispielsweise nach einem von Infineon entwickelten Verfahren mit winzigen Metallpartikeln ausgestattet sein könnte, die in einem nur für Lesegeräte sichtbaren, eindeutigen Code angeordnet sind. Für den Besitzer des Ausweises präsentiert sich der Chip nicht wie üblich golden, sondern in je nach Lichteinfall unterschiedlichsten Farben.
Andere Verfahren setzen direkt beim Passrohling an. So lässt sich beispielsweise der Chip so in das Material des Passumschlags einlassen, dass er unsichtbar bleibt und nur entfernt werden kann, indem er zerstört wird. Ähnlich funktioniert eine Methode, bei der ein elektromagnetisch codierbarer Mikrofaden ins Passmaterial eingelassen wird, der die Echtheit garantiert.




Zusätzliche Sicherheit verleihen Technologien wie das von der Schweizer Firma Trüb entwickelte Verfahren, mit dem die Personendaten inklusive Unterschrift und Bild direkt in eine Polycarbonatfolie eingelasert werden. Anders als bei herkömmlichen Pässen werden die Daten dabei nicht auf Papier gedruckt und danach mit einer Folie laminiert; eine Fälschung ist dadurch praktisch unmöglich.

 
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