Keine Chance für dicke Seiten

Keine Chance für dicke Seiten

22. April 2002 - Es gibt für Firmen nur einen einzigen vernünftigen Grund, eine Website zu kreieren und zu unterhalten: Man will damit Besucher anlocken und allenfalls Kunden gewinnen.
Artikel erschienen in IT Magazine 2002/15

Wer heute eine Website betreibt, legt meist Wert auf ansprechendes Layout, aktuelle Informationen und ausgeklügelte Interaktivität. Trotzdem kommt er nicht darum herum, aufwendige Grafiken, aussergewöhnliche Flash-Animationen und absurde Gimmicks wieder zu entfernen. Weniger ist halt auch kurz nach dem 10. Geburtstag des World Wide Web mehr. Deutlich mehr.



Es gibt für Firmen nur einen einzigen vernünftigen Grund, eine Website zu kreieren und zu unterhalten: Man will damit Besucher anlocken und allenfalls Kunden gewinnen.



Genau das geht aber nach wie vor mit einer grossen Mehrzahl von Unternehmens-Websites nicht. Im Gegenteil! Nach wie vor werden mehr Besucher vertrieben als Kunden gewonnen.



Vergessen Sie alles, was Ihnen selbsternannte Flash-Propheten, gesponserte Webdesign-Gurus und überhebliche Multimedia-Prediger je über die Zukunft des Web und dessen Dasein als multimedialem Rummelplatz erzählt haben. Es mag zwar zutreffen, dass dies die Zukunft des Web sein wird. Aber die Zukunft ist noch fern. Sehr fern.



Highspeed ist das Zauberwort, mit dem für alle möglichen multimedialen Inhalte geworben wird. Und tatsächlich: Highspeed ist hier. Aber nur so ein bisschen.



Denn nur gerade 3 Prozent aller Schweizer Internet-User sind in den letzten neun Monaten auf einen Highspeed-Anschluss umgestiegen, wie Nielsen/NetRatings ermittelt hat. Und insgesamt surfen weniger als 12 Prozent der versammelten Schweizer Webgemeinde mit einer Highspeed-Technologie wie Cable, xDSL oder Standleitung. Der (grosse) Rest teilt sich in knapp 60 Prozent Modemsurfer, wobei hier runde 5 Prozent noch immer mit einem Uralt-Modell unterwegs sind. Dazu kommen rund 30 Prozent ISDN-Besitzer.



Highspeed? Fehlanzeige!



Was glauben Sie, wie oft ein Anwender mit seinem 28,8- oder gar 14,4-kbps-Modem eine Seite besuchen wird, wo nach einem viertelstündigen Download erst ein überflüssiges, aber lautes Flash-Intro erscheint und danach nicht einmal aktuelle Informationen zu finden sind? Eben.



Wenn schon Web-User nicht schnell surfen können, sollten Sie als Unternehmen dafür sorgen, dass wenigstens Ihre Site schnell lädt. Zumindest schneller als diejenige der Konkurrenz.



Für viele Firmen ist es deshalb höchste Zeit, ihren Webauftritt zu überarbeiten. Specken Sie ab! Verzichten Sie auf überflüssigen Ballast. Schneller, höher, stärker ist das Motto der Olympischen Spiele - für Ihre Website sollte dagegen eher Diskretion angesagt sein. Geben Sie Ihren Webdesignern und Siteprogrammierern andere Möglichkeiten, sich kreativ auszutoben, dann brauchen sie es nicht auf Ihrer Firmen-Homepage zu tun. Und lesen Sie unseren Know-how-Artikel zum Thema Site-Redesign.



Auch wenn es die Highspeed-Apologeten wie Bluewin und SwissOnline nicht gerne hören werden: Die Zeit ist schlicht noch nicht reif für Highspeed-Inhalte. Es sei denn, Sie können es sich leisten, 90 Prozent Ihrer potentiellen Schweizer Besucher schnöde zu ignorieren.

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