Der ideale Programmierer lebt im Zoo

Statt auf Billig-Entwickler aus Indien setzt PPI auf Menschenaffen.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2003/14

     

Outsourcing ist in aller Munde, vor allem auch weil dadurch Kosten gesenkt werden sollen. Hochqualifizierte aber billige Fachkräfte sind dafür gefragt - Coding-Sklaven sozusagen - und die finden sich in Osteuropa oder Asien. IBM will darum jetzt gar hochbezahlte Forschungs- und Managementstellen in Billiglohnländer auslagern. Warum aber so weit schweifen, wenn das optimale Preis/Leistungsverhältnis auch in der näheren Umgebung der meisten westlichen Grossstädte zu finden ist?



Menschenaffen, die in unseren zoologischen Gärten untätig vor sich hin vegetieren, könnten Softwareunterhalt und Programmierung noch viel billiger als jeder Zweitwelt-Entwickler bewerkstelligen. Schon ab 70 Rappen die Stunde könnte ein gewiefter Primat die Arbeit eines menschlichen Programmieres übernehmen. Dies verspricht zumindest Primate Progamming Incorporation (PPI) auf ihrer Webpage. Im Vergleich mit den am schlechtesten bezahlten Chinesen oder Indern liessen sich so noch einmal 90 Prozent Kosten einsparen. Ein konkurrenzloses Angebot, bei dem kaum ein Finanzchef mehr nein sagen kann. EDS, IBM, CSC und Konsorten bleiben künftig aussen vor, ist "PPI-Chef" Marek Bajek überzeugt. Die Software-Zukunft gehört den Menschenaffen. Und das ist für Bajek auch nicht weiter verwunderlich. Schliesslich ist der Mensch selber ein Primat und zudem sind 97 Prozent unseres Erbguts mit dem der Schimpansen identisch, wie uns die Genforschung gelehrt hat.




Orang Utan und Verwandte haben gegenüber unsereinem zudem noch einige gewichtige Vorteile: Sie sind willig und dank ihres Spieltriebs für praktisch jede Programmarchitektur von Cobol über Java bis zu .Net zu begeistern. Auch Oracle-Datenbanken sind für sie kein Problem. Nur für Open-Source-Projekte seien Menschenaffen prinzipiell ungeeignet. Sie würden sich halt von Natur aus sehr territorial verhalten und darum auch äusserst ungern Code mit anderen teilen, wie PPI den Einsatz ihrer Affen einschränkt. Aber in proprietären Entwicklungsumgebungen sollen Schimpansen mit Freude für ein paar Bananen Code generieren. Zum Softwartesten empfiehlt Bajek, am besten ganze Pavianherden auf die Programme loszulassen.



Wen jetzt die Angst beschleicht, im Windschatten von Outsourcing- und Kostendruckwahn würde jetzt der "Affenplanet" Wirklichkeit, sei beruhigt. Marek Bajek und PPI sind Internetgeburten von Dan Mezick, Chef einer US-Beratungs- und Schulungsfirma namens New Technology Solutions. Im wahren Tierleben machen sich Primaten vielmehr mit Steinen über Computer her, wie ein kürzliches Experiment der englischen Plymouth Universität gezeigt hat. Danach pflegen sie ausgiebig über die Rechner zu urinieren. Ein gewalttätiges Verhalten, dass in ähnlicher Form allerdings auch schon bei verschiedenen Primaten der Gattung Mensch beobachtet wurde, die von der strikten digitalen Logik überfordert waren.




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