Auch Agenten kochen nur mit Standard-Software

Das FBI hat zwei einst aufsehenerregende Eigenentwicklungen gegen kommerzielle Produkte eingetauscht.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2005/02

     

Um die Überwachungssysteme der US-Spionage ranken sich die wildesten orwellschen Visionen. Jetzt zeigen zwei Informatik-Pleiten beim FBI, dass es mit den IT-Fähigkeiten der US-Agenten vielleicht doch nicht ganz so weit her ist, wie dies Verschwörungstheoretiker und auch europäische Wirtschaftskapitäne befürchtet haben: Standardsoftware scheint effektiver zu sein als die sagenumwobenen Geheimentwicklungen. Zum einen musste ein 170 Millionen Dollar teures Fallmanagement-System kurz vor der geplanten Fertigstellung dem virtuellen Papierkorb überantwortet werden. Zum anderen wurde das umstrittene Internet-Überwachungssystem «Carnivore» klammheimlich gegen ein kommerziell erhältliches Produkt eingetauscht.





Der Demokrat Patrick Leahy, Mitglied des Justiz-Komitees des US-Senats, beschrieb das gestoppte Fallmanagement-Projekt «Virtual Case File System» gegenüber CNN als eine «Zugsentgleisung in Zeitlupe». Das System hätte bei der Terrorbekämpfung eine entscheidende Rolle spielen sollen. Nachdem vier Jahre lang entwickelt worden war, musste nun aber kurz vor der auf Ende 2004 geplanten Inbetriebnahme die Notbremse gezogen werden. Vor allem die Echtzeit-Erfassung und -Durchforstung aller landesweit von FBI-Agenten erhobenen Informationen scheint nie richtig funktioniert zu haben. Jetzt will man beim Geheimdienst die Eigenentwicklung gegen ein kommerziell erhältliches Produkt eintauschen, das die gewünschten Funktionalitäten bietet. Ein solches sei auf dem Markt erhältlich, heisst es.






Auch das nach 9/11 installierte und in Bürgerrechtskreisen umstrittene Internet-Überwachungssystem «Carnivore» wurde in der Praxis durch ein kaufbares Produkt ersetzt. Gemäss zwei Berichten des US-Kongresses wurde die Schnüffelsoftware in den Jahren 2002 und 2003 kein einziges Mal eingesetzt. Statt dessen überwachte das FBI den Mailverkehr und Internet-Seiten während dieser Zeit in 13 Fällen mit einer nicht näher bezeichneten kommerziellen Software.




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