Ein Grossverlag ist keine Einzelmaske

Ein Grossverlag ist keine Einzelmaske

20. Februar 2004 -
Artikel erschienen in IT Magazine 2004/04

Schmalspurinformatiker. Blinde am Steuer. Realitätsfremde, arrogante Studierte. Dies sind noch die zivilisierteren Ausdrücke. Die Emotionen kochen in seitenlangen Forumseinträgen hoch. Als Informatikverantwortlicher eines Schweizer Grossverlags gibt man sich zur Zeit in der Öffentlichkeit wohl besser nicht zu erkennen. Viele Mac-Anwender sehen sich durch den Entscheid von Tamedia, NZZ, EMG, Basler Zeitung und Jean Frey, die Apple-Plattform fallen zu lassen (Seite 7), in ihren persönlichen Überzeugungen angegriffen und reagieren entsprechend gereizt. Die grössere Sicherheit, die einfachere Bedienung, die bessere Integration der Mac-Rechner, die subjektiv höhere Stabilität, der geringere Wartungsaufwand werden gegen Windows ins Feld geführt. Wer das nicht sieht, kann keine Ahnung haben.



Alles gute und grösstenteils richtige Argumente. Nur, was für Einzelmasken und kleinere Firmen Sinn macht, muss für eine grössere Organisation noch lange nicht gut sein. Die Microsoft-Support-Organisation hat eine Tamedia so oder so im Haus. Denn im Back-Office und für das ERP kann der Mac wegen fehlender Software schlicht nicht mit Windows mithalten. Damit ist beispielsweise auch der ungleich grössere Sicherheitsaufwand für die Microsoft-Plattform eine gesetzte Grösse, die sich nur unwesentlich verkleinert, wenn Journalisten und Grafiker auf Apple-Rechnern arbeiten. Auf die gleiche Weise verschwinden auch praktisch alle anderen Einzelanwender-Vorteile des Mac.



Eigentlich war die ausführliche Untersuchung der Verlage, bei der 80 Punkte gegeneinander aufgerechnet wurden, von Beginn weg für den Papierkorb. Mit der Feststellung, dass man aus Aufwandgründen sowieso nicht mehr zweigleisig fahren werde, stand die Entscheidung schon zum vornherein fest. Ihr grundlegender Sinn lag wahrscheinlich eher in der internen Rechtfertigung. Denn in den Verlagen war man sich bewusst, dass der Entscheid grosse emotionale Widerstände hervorrufen würde. Und da fühlt sich ein IT-Leiter mit einem technokratischen Papier in der Hand halt ganz einfach wohler.

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