Guichet virtuel ohne Zürich

Guichet virtuel ohne Zürich

3. Dezember 2004 - Die Kantone Zürich und Solothurn zeigen dem Informationsportal www.ch.ch des Bundes die rote Karte.
Artikel erschienen in IT Magazine 2004/22

Zu teuer, zu aufwendig und an den Benutzerbedürfnissen vorbei. So lautet die wenig schmeichelhafte Bewertung des Regierungsrats des Kantons Zürich für den Guichet virtuel, den unter www.ch.ch erreichbaren nationalen elektronischen Behördenschalter. So verwundert es wenig, dass der Regierungsrat beschlossen hat, sich nach Solothurn als zweiter Kanton nicht weiter am Guichet virtuel zu beteiligen. Dies, nachdem der virtuelle Behördenschalter nach rund vierjähriger Entwicklungszeit im Januar 2005 offiziell online gehen sollte.
Die Entscheidung des Kantons Zürich kommt aber nicht unerwartet. Das Projekt www.ch.ch kämpfte bereits von Anfang an gegen Probleme in organisatorischer und technischer Hinsicht, was die vom Bund getragenen Projektkosten in die Höhe trieb, die sich nun bei rund 18,2 Millionen Franken summierten (genaue Aufteilung siehe Kasten). Ein hoher Preis, wurden doch in technischer Hinsicht keine überaus grossen Anforderungen an das System gestellt und Transaktionsmöglichkeiten komplett aussen vor gelassen.



Bereits im Rahmen der Vernehmlassung vom Frühjahr 2004 hat der Kanton Zürich die Unterzeichnung der Betriebsvereinbarung an gewisse Bedingungen geknüpft. Diese umfassten unter anderem eine Revision des gesamten Konzepts und eine deutliche Senkung der Kosten, die sich jährlich mit 2,4 Millionen Franken niederschlagen, bei denen es sich allerdings «um geschätzte Höchstwerte, die nicht überschritten werden dürfen» handelt, so Vizekanzlerin Hanna Muralt Müller gegenüber InfoWeek. Ausserdem: «Den Kantonen werden nur die effektiven Kosten in Rechnung gestellt werden.» Konzeptionell bestehen beim Kanton grundsätzliche Zweifel: So ist man der Ansicht, dass eine Mehrheit der Benutzer eher Google und die Homepage der eigenen Gemeinde ansteuern würde als den Guichet Virtuel unter www.ch.ch. Dieses Argument lässt Vizekanzlerin Muralt Müller nicht gelten und erklärt auf die Frage, ob der Guichet virtuel nicht an den Benutzerbedürfnissen vorbeikonzipiert sei: «Gegenfrage: Wieso bietet auch Zürich ein Themenportal [www.zh.ch, d. Red.] an, wenn Google so gut ist? Geben Sie einmal auf dem Zürcher Portal, welches mit der Suchmaschine LEO arbeitet, den Begriff 'Fahrausweis' ein und entscheiden Sie selber, ob das Resultat Sie befriedigt. Welcher Staat verweist seine Bürgerinnen und Bürger für die Erschliessung der Homepage auf Google?» Doch räumt dann die Vizekanzlerin noch ein: «Wir stehen mit den beiden Kantonen Zürich und Solothurn in Kontakt, um mit ihnen das weitere Vorgehen zu besprechen. Beide bieten Hand zur Lösung der anstehenden Probleme. Das Konzept wird in der Tat im Rahmen einer Strategieentwicklung überprüft und grundsätzlich hinterfragt. Mehr kann ich aber dazu im Moment nicht sagen, da diese Strategie in den nächsten Tagen bei den Kantonen in eine Vernehmlassung gegeben wird.»


Entwicklungskosten www.ch.ch

Personal und externe Beratungsmandate:
9,8 Millionen Franken


Technische Entwicklung, Hardware, Software und Hosting:
6,5 Millionen Franken


Übersetzungen, Studien, Information und Kommunikation:
1,9 Millionen Franken

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