Ausweg aus der Exchange-Falle

Kroupware ist als Exchange-Ersatz nicht nur fürs Portemonnaie attraktiv.
3. Februar 2004

     

Spätestens, wenn es an der Zeit ist, ältere Exchange 5.5-Installationen auf den neusten Stand zu bringen, lohnen sich ein paar Gedanken, ob nicht, eine andere Lösung das firmeneigene Mail- und Groupwarebedürfnis befriedigen könnte. Da kommt eine freie Exchange-Alternative, die voll kompatibel zu Outlook ist, gerade recht: Man kann weiterhin auf die alte Serverhardware setzen, muss kaum in Lizenzen investieren und die Anwender können weiterhin ihr gewohntes Outlook benutzen. Die Gedankengänge beim Deutschen Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) waren wohl ähnlich, und so hat man die drei Firmen Erfrakon, Intevation und Klarälvdalens Datakonsult damit beauftragt, eine freie Exchange-Alternative zu entwikkeln: Kroupware.



Überzeugende Architektur

Kroupware besteht aus zwei Komponenten: Einem Server namens Kolab und dem dazu passenden Kolab-Client. Der Client basiert auf diversen KDE-Komponenten wie dem E-Mailprogramm KMail oder dem Organizer KOrganizer und bietet in Zusammenarbeit mit dem Kolab-Server fur KDE-User in etwa die gleiche Funktionalität wie Outlook für Windows-Anwender.



Der Server setzt auf einer Reihe von Standardkomponenten auf, die gemeinsam die Groupware- und Mailfunktionalität zur Verfügung stellen. Dazu gehören unter anderem der MTA Postfix, der IMAP-Server Cyrus IMAP, der FTP-Server ProFTPD sowie OpenLDAP. Alles in allem kann die Softwareauswahl überzeugen und verspricht einen zuverlässigen und stabilen Betrieb, der auch in punkto Skalierbarkeit zu überzeugen weiss.




Im Gegensatz zu anderen quelloffenen Groupware-Lösungen ist die Applikation zudem sehr portabel. Die Kroupware-Macher standen am Anfang ihres Projekts nämlich vor dem Problem, dass sämtliche Linux-Anbieter unterschiedlich konfigurierte Distributionen im Programm haben und man nicht mal davon ausgehen kann, dass eine benötigte Komponente überhaupt mit ausgeliefert wird. Normalerweise entscheidet sich ein Entwicklungsteam dann, nur eine bestimmte Distribution zu bedienen, wie beispielsweise Suse mit ihrem Openexchange Server. Kroupware ist aber einen anderen Weg gegangen und hat sich dazu entschlossen, auf OpenPKG zu setzen, ein distributionsunabhängiges, RPM-basierendes Packagemanagement. Da OpenPKG vom Betriebssystem abgekapselt ist und Source-RPMs mitgeliefert werden, lässt sich Kolab auf mehreren Linux-Distributionen, FreeBSD und Solaris installieren, teilweise sogar unabhängig von der gewählten Prozessorplattform. Diese Plattformunabhängigkeit muss man sich aber mit einer etwas aufwändigeren Wartung und schwierigeren Installation erkaufen, da sich graphische Tools wie Suses Yast oder Packagemanagementsysteme wie Debians dpkg/apt oder andere RPM-Varianten nicht benutzen lassen.



Zugang für alle

Abgesehen von der Installation und der eventuellen Wartung der einzelnen Serverkomponenten lässt sich die Administration der einzelnen Benutzer sehr einfach über ein in PHP realisiertes Webinterface realisieren, das so ziemlich jedem Browser und nicht nur Microsofts Internet Explorer offen steht. Auch der Zugriff auf den eigenen Account funktioniert von diversen Plattformen aus. Während beim Exchange-Server der Zugriff fast nur mit Clients aus dem Hause Microsoft möglich ist, lässt sich auf Kolab mit einer Vielzahl verschiedener Klienten zugreifen. Prinzipiell reicht ein IMAP-fähiger E-Mailclient, um an seine Mails gelangen zu können. Die volle Groupware-Funktionalität kann man sowohl mit dem modifizierten KMail als auch mit Outlook nutzen, wobei man für letzteres auf Bynaries Insight Connector (40 Dollar pro Einzellizenz) zurückgreifen muss, der für die Zusammenarbeit der MAPI-Schnittstelle mit dem Kolab-Server sorgt. Last but not least kann man auch über das Webinterfaces auf den Account zugreifen.



Schlagkräftig

Beim Kampf gegen Spam und Viren wird man bei der Suche nach einer pfannenfertigen Lösung enttäuscht. Mit genügend Unix-Kenntnissen lässt sich aber eine massgeschneiderte Lösung erstellen. Dabei hilft, dass sich Postfix nicht nur diesbezüglich als sehr flexibel erweist und schon diverse eigene Funktionen mitbringt. Allerdings wird damit auch ein gewichtiges Problem von Lösungen aus der Open-Source-Ecke augenfällig, die Microsoft-Produkte in Microsoft-Umgebungen ersetzen wollen: Sie setzen fähige und entsprechend geschulte Administratoren für unixoide Systeme voraus.




Abgesehen davon haben Lösungen wie Kroupware aber durchaus das Zeug dazu, Exchange-Umgebungen in KMU abzulösen. Einerseits, weil sich massiv Lizenzkosten sparen lassen, und andererseits, weil die Benutzer weiterhin ihre angestammten Clients nutzen können, aber nicht auf sie beschränkt bleiben. Besonders in Hinblick auf die technische Implementierung, Sicherheit und der Skalierbarkeit kann Kroupware überzeugen. Ein weiterer Vorteil: Es müssen nicht für jede Software, beispielsweise fürs Backup, spezielle Module wie bei Exchange angeschafft werden.





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