Ballmer droht Linux mit Patenten

Microsoft zieht aus dem Vista-Debakel die Konsequenzen und baut die Windows-Unit um. Zudem wird Virtual Server kostenlos.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2006/07

     

Auch dieses Jahr verzichtet Microsoft nicht auf die fast schon traditionelle Drohung, gegen Linux wegen möglicher Patentverletzungen vorgehen zu wollen. Den Vorschlaghammer ausgepackt hat dieses Mal Microsoft-Boss Steve Ballmer höchst persönlich in einem Interview mit der Zeitschrift «Forbes». So erklärte er: «Ich glaube, es gibt Experten, die sagen, Linux verletzt unser geisti­ges Eigentum». Allerdings wollte er dies nicht weiter kommentieren, um dann gleich hinterherzu­schicken, dass Microsoft im Falle eines Falles den Aktionären einen Plan schuldig sei, wie man juristisch gegen freie Software vorgeht. «Und wenn es etwas Interessantes zu sagen gibt, werden Sie es zuerst erfahren.», schloss Ballmer sein Säbelrasseln gegenüber der Open-Source-Community ab. Florian Müller, einer der Anführer der Softwarepatentgegner, sieht in Ballmers Aussagen die «Ankündigung einer Ankündigung», hält aber die Gefahr durchaus für realistisch: «Es ist schwer vorstellbar, dass Linux irgendwelche Marken- oder Urheberrechte von Microsoft verletzen könnte. Angesichts der Grösse des Linux-Programmcodes ist es allerdings so gut wie sicher, dass Linux eine ganze Reihe von Patenten verletzen wird, und einige von diesen –zum Beispiel diejenigen auf das Dateisystem FAT –könnten durchaus Microsoft gehören.»






Deutlich zielstrebiger geht Microsoft dagegen bei der Reorganisation ihrer Platforms & Services Division vor. Steve Sinofsky, der bisher für die Entwicklung von Office verantwortlich ist, übernimmt die Leitung von Jim Allchin, der bereits früher angekündigt hat, in Rente zu gehen. Er wird die Planung und Realisierung neuer Windows-Versionen verantworten. Zudem wird die Division in acht Gruppen aufgeteilt. Beobachter werten dies als direkte Konsequenz der letzten Release-Verschiebung von Windows Vista.


Virtual Server ab sofort gratis

Microsoft hat bekanntgegeben, dass ihre Virtualisierungslösung Virtual Server ab sofort kostenlos zum Download erhältlich ist. Die Software ist nur auf Server-Versionen von Windows lauffähig (im nicht produktiven Einsatz kann auch Windows XP Professional verwendet werden) und kommt im Vergleich zur Workstation-Version ohne Audio-Unterstützung daher. Bisher war Virtual Server in einer Standard-Version, die nun eingestellt wird, für 99 Dollar und in einer Enterprise-Variante für 199 Dollar erhältlich.
Es kann davon ausgegangen werden, dass Microsoft sich zu diesem Schritt entschlossen hat, nachdem Vmware den GSX-Server ebenfalls kostenlos abgibt und die meisten Linux-Distributionen mittlerweile mit Xen eine ausgewachsene freie Virtualisierungslösung mitbringen.




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