Editorial

Wenig sinnvoll: MS Office auf dem Linux-Desktop

Die Marktdominanz von Microsoft lässt sich mit der Emulatoren-Krücke nicht aufbrechen. Im Gegenteil, durch die Emulation einer Windows-Umgebung werden wesentliche Vorteile von Linux zunichte gemacht.

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2002/39

     

Im Januar will Suse eine spezielle Linux-Distribution auf den Markt werfen, auf der über einen integrierten Emulator auch Microsofts Office-Suite und Lotus Notes zum Laufen gebracht werden sollen. Die Absicht hinter der Strategie ist klar: Suse hat erkannt, dass weder StarOffice noch OpenOffice Microsofts Bastion bei den Büro-Suiten wirklich aufbrechen kann. Ähnlich argumentierte auch Microsoft-Erzfeind Larry Ellison im vergangenen Sommer an der LinuxWorld: Der Oracle-Chef plädierte für eine konzentrierte Anstrengung, um eine leistungsfähigere Office-Suite als StarOffice zu entwickeln, die Microsofts Paket das Wasser reichen kann.



Das Ziel, die Marktdominanz von Microsoft aufzubrechen, lässt sich meiner Meinung nach mit der Emulatoren-Krücke aber nicht verwirklichen. Im Gegenteil, durch die Emulation einer Windows-Umgebung werden wesentliche Vorteile von Linux zunichte gemacht.





Kosten: Die Softwarekosten eines Linux-Rechners lassen sich dank Open-Source-Modell unvergleichlich tief halten. Soll auf den betreffenden Maschinen aber Microsoft Office installiert werden, fallen bedeutende Mehrausgaben an.




Performance: Ein Linux-System benötigt massiv weniger Hardware-Ressourcen als ein Windows-PC. Die Lebensdauer der Client-Hardware kann fast verdoppelt werden und auch ältere Maschinen lassen sich unter Linux problemlos als Office-Clients einsetzen. Soll via Emulator aber auch Windows-Software einigermassen flüssig zum Laufen gebracht werden, ist stärkere Hardware vonnöten.




Sicherheit: Noch ist wenig über die von Suse angekündigte Windows-Emulation bekannt, dennoch besteht theoretisch auch auf einem Linux-System die Gefahr, dass durch den Betrieb von Windows-Anwendungen auch auf dem alternativen Betriebssystem bald Sicherheitslecks en masse auftauchen.



Dass das Fehlen einer konkurrenzfähigen Office-Suite die Linux-Desktop-Strategie behindert, darin gehe ich mit Ellison einig. Allerdings sollte diesem Manko mit Investitionen in ein leistungsfähigeres StarOffice oder allenfalls auch in OpenOffice begegnet werden.



Die Emulation für die Windows-Anwendungen ist für mich nur eine halbherzige Lösung. Nicht nur, dass damit den geforderten Investitionsspritzen ein Stein in den Weg gelegt wird, auch werden die genannten Linux-Vorteile ad absurdum geführt.



Grundsätzliche sollte man sich als CIO in einem Unternehmen entweder für die Windows-Umgebung oder dann für die Linux-Welt entscheiden.



Jeglicher Emulator-gestützte Zwischenweg führt unweigerlich zu technischen Problemen, höheren Kosten und unter Umständen auch zu Missstimmungen unter den Angestellten, welche die Entscheidungen der IT-Verantwortlichen im Alltag ausbaden müssen.



Unter dem Strich dürfte die kommende Linux-Distribution von Suse primär von Tüftlern und Bastlern installiert werden, die wissen wollen, wie stabil und performant ein explizit auf den Betrieb von MS Office getrimmtes Linux überhaupt sein kann.



Wie denken Sie über das Windows-Emulationskonzpet im Unternehmenseinsatz? Schreiben Sie mir an rdubach@compress.ch.

(rd)


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