Dr. Gudrun Bachmann, Leiterin E-Learning Uni Basel

«Dem E-Learning-Hype folgt momentan die Phase der Ernüchterung.»

Artikel erschienen in Swiss IT Magazine 2003/17

     

Welche Bedeutung hat E-Learning an den Universitäten?

An manchen Hochschulen und in einzelnen Fachrichtungen kommt E-Learning nur in Nischenprojekten zum Zug. Andere Hochschulen haben bereits umfassende E-Learning-Strategien und sind dabei, die entwickelten Angebote fest in ihren regulären Studiengängen zu verankern.



Wird es einmal ein rein virtuelles Studium geben?

Sicher nicht in der grundständigen Ausbildung an den Präsenzuniversitäten. Bestimmte Lerninhalte lassen sich nur schwer in virtuellen Szenarien vermitteln. An den Universitäten werden ja auch praktische Fähigkeiten und Sozialkompetenzen vermittelt. Man redet deshalb nicht vom virtuellen Unterricht, sondern vom integrativen Konzept oder "blended Learning". Präsenzanteil und Distanzanteil sind dabei gleichwertige, ineinander verzahnte Unterrichtsteile.



Wo kommt E-Learning bevorzugt zum Einsatz?

Dort, wo gegenüber traditionellen Lehr- und Lernformen ein klarer didaktischer Mehrwert besteht.



Wird das Lernen dadurch effizienter?

Das kann pauschal nicht beantwortet werden: Lernen ist stets ein aktiver Prozess, der mit Initiative und Anstrengung verbunden ist. Wissen fliegt einem nicht einfach nur zu - auch nicht in virtuellen multimedialen Lernwelten.



Wie sieht es in anderen Ausbildungsbereichen aus - Wirtschaft, Grundschule?

In der Grundschule wird die Virtualisierung ganzer Unterrichtseinheiten wohl kaum das Ziel sein, eher die Anreicherung des Unterrichts mit multimedialen Elementen. In der Wirtschaft hingegen werden sich virtuelle Ausbildungsmodule etablieren, abgestützt durch Präsenzphasen: Die Unabhängigkeit von Ort und Zeit bietet Berufstätigen einen wirklichen Mehrwert.



Die Hersteller von Autorensystemen schreiben "E-Learning" auf ihre Fahnen. Lässt sich mit solchen Produkten ohne IT-Kenntnisse eine E-Learning-Anwendung bauen?

Sicherlich braucht es auch IT-Kenntnisse. Essentiell sind aber fundierte didaktische Kenntnisse. Dem E-Learning-Hype folgt momentan schon eine Phase der Ernüchterung. Bislang standen die technischen Möglichkeiten im Vordergrund, ohne den didaktischen Mehrwert zu reflektieren.

(ubi)


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