Der Fingerabdruck als Datenschützer

Der Fingerabdruck als Datenschützer

27. Oktober 2006 - Fingerabdruckleser vereinfachen den Systemzugang und verbessern, richtig eingesetzt, die Sicherheit.
Artikel erschienen in IT Magazine 2006/19

Die Akzeptanz biometrischer Technologien steigt, so das Resultat einer Studie, die das Marktforschungsinstitut Vanson Bourne im April 2006 in sieben europäischen Ländern durchführte. Bereits 84 Prozent der Befragten sind bereit, bei Auslandreisen Fingerabdrücke abzugeben oder sich einem Iris-Scan zu unterziehen. Datenschutz im Sinn von Persönlichkeitschutz scheint kein Problem zu sein, im Gegenteil: Biometrie vermindert laut den meisten Antworten das Risiko eines Identitätsdiebstahls. Noch mehr Sympathie dürfte der Beizug biometrischer Merkmale für die Zugriffskontrolle von IT-Systemen sein – hier verbreiten sich, um bei der gängigsten Methode zu bleiben, die Fingerabdruckdaten ja nur innerhalb des eigenen Unternehmens.


Datenschutz zum Schutz von Daten

Biometrie zum Schutz von Daten ist also höchst gefragt. Die Umfrageteilnehmer in Deutschland fanden zum Beispiel zu 85 Prozent, dass eine durch Fingerabdruck gesicherte Kreditkarte mehr Sicherheit bietet als die gängige Chipkarte mit PIN.
Ob das stimmt, sei dahingestellt. Der bekannte Chaos Computer Club hat schon 2004 demonstriert, dass sich Fingerabdrücke mit relativ einfachen Mitteln fälschen lassen: Mit Farbpulver sichtbar gemachten Abdruck per Digicam einscannen, Bild auf eine Folie drucken und die Attrappe auf den eigenen Finger kleben genügt – nachzulesen unter www.ccc.de/biometrie/fingerabdruck_kopieren. Viele handelsübliche Fingerprint-Sensoren, die in Mobilcomputern integriert oder als USB-Peripherie angeboten werden, arbeiten optisch. Sie erfassen mit einem CCD-Chip das Abdruckbild und lassen sich leicht überlisten. Weniger fake-anfällig sind die ebenfalls recht verbreiteten kapazitiven Sensoren, die die geringen Höhenunterschiede in der Haut mit elektrischen Feldern messen.




Trotz aller Bedenken: Kein Zugriffskontrollsystem ist hundertprozentig sicher, und wenn man sich den sorglosen Umgang vieler User mit Passwörtern vor Augen führt, erscheint die Identitätsprüfung per Fingerabdruck dann doch als gar nicht so schlechte Alternative, vor allem wenn sie kombiniert mit einer Smartcard-PIN zur Anwendung kommt. Ausserdem ist auch der simpelste Fingerabdruckleser nur mit Aufwand zu über­listen; als erstes braucht man nur schon einen guten Fingerabdruck der betreffenden Person.
Es ist sicher nicht angebracht, die bequeme und im Fall von Fingerprint-Readern sehr preisgünstige biometrische Authentikation kritiklos als alleinige Ideallösung zu sehen. Ebensowenig sollte man sie jedoch a priori als im Vergleich zum klassischen Passwort weniger sicher verteufeln.

 
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