Voice over (Wireless) IP aus Herstellersicht

Voice over (Wireless) IP aus Herstellersicht

19. März 2004 - Für Christoph Weiss, Managing Director von 3Com Schweiz, macht VoIP over WLAN wegen fehlender Standards noch wenig Sinn.
Artikel erschienen in IT Magazine 2004/06

InfoWeek: Im Privathaushalt ist das schnurlose Telefon gang und gäbe. Wie sieht es im Business-Sektor aus?

Weiss: In der Schweiz haben wir eine spezielle Situation. Nach meiner Erfahrung sind rund 40 Prozent der geschäftlich genutzten Handsets kabellos. Das schliesst sowohl DECT- als auch IP-basierte Telefone ein. In einigen Bereichen ist es natürlich anders - in Call-Centern zum Beispiel gibt es praktisch keine Schnurlosgeräte, da diese Mitarbeiter ja grundsätzlich am Platz arbeiten.



Wie sieht das Verhältnis zwischen den verschiedenen Funktechnologien aus?

DECT gibt es seit 8 bis 10 Jahren und ist somit weit verbreitet - jeder Telefonie-Hersteller hat DECT-Produkte. Bei Voice over WLAN herrscht noch Wilder Westen, hier gibt es erst wenige Anbieter. Für einen umfassenden Erfolg braucht Voice over WLAN zusätzliche Mechanismen vor allem punkto Sicherheit und Qualität. Speziell auf den Endgeräten arbeiten die heute verfügbaren Angebote hier mit proprietären Verfahren. Die Kunden orientieren sich aber immer mehr an Standards: Sie wollen genau das Netzwerkdesign wählen, das ihren Anforderungen entspricht, und das geht nur auf Basis von anerkannten Standards.



Wie ist der Stand bei den VoWLAN-Standards?

Die Gremien arbeiten daran, aber bisher gibt es noch keine voll abgesegneten Normen. Im Moment arbeitet man mit Pre-Standards oder eben mit proprietären Implementationen. Deshalb hat 3Com auch noch keine konkreten Produkte angekündigt: Wir setzen ganz klar auf standardbasierte Produkte - die proprietäre Schiene wird sich künftig weder für Hersteller noch für Anwender auszahlen. Standards braucht es im übrigen nur schon deshalb, weil die unterschiedlichsten Hersteller mitspielen: traditionelle Telefonie-Anbieter ebenso wie neue Anbieter aus dem Netzwerk- und GSM-Bereich. Das Problem ist dabei nicht in erster Linie der Funkverkehr selbst - das beherrscht jeder -, sondern vor allem die Security.



Was ist denn das Besondere an Voice-over-WLAN-Security?

Der Ansatz ist völlig anders, vor allem für GSM-Hersteller und andere Anbieter, die nicht aus der Netzwerkszene kommen. So etwas wie 128-Bit-Verschlüsselung und andere netzwerkspezifische Details kennen die nicht. Die Herausforderung ist also, diese ganzen Methoden in ihre Geräte zu integrieren. Netzwerkhersteller, zum Beispiel Anbieter von WLAN-Karten, sind da besser gestellt. Auf der WLAN-Seite am wichtigsten ist höchstmögliche Sicherheit durch dynamisch generierte, oft wechselnde Schlüssel.



Voice over IP wird ja schon seit Jahren propagiert, konnte sich bisher aber nicht wirklich durchsetzen. Wie sehen Sie die Zukunft?

Ich gehe davon aus, dass der VoIP-Markt über die nächsten Jahre stetig zunimmt, aber sicher nicht mit exorbitanten Wachstumsraten. Grosse Möglichkeiten sehe ich im KMU-Bereich und bei Filialen, die man ja von der Grösse her auch als KMU ansehen kann. Auch Abteilungen und Arbeitsgruppen mit speziellen Anwendungen können von VoIP profitieren, und selbstverständlich Call-Center, die auf direkte Integration von Telefonie und Softwareanwendungen angewiesen sind. Schon heute gibt es praktisch kein Call-Center mehr, das nicht mit Voice over IP arbeitet.



Die herkömmliche Telefonie hat also nach wie vor ihren Platz - oder sollte jede neue Telefonanlage heute eine VoIP-Anlage sein?

Wer heute ein neues Bürogebäude auf der grünen Wiese plant, hat sicher eine gemeinsame Voice/Daten-Strategie im Auge. Wenn es darum geht, bestehende Telefonie abzulösen, wird VoIP heute in weniger als der Hälfte aller Fälle erwogen. Den grössten kurzfristigen Erfolg sehe ich wie gesagt im KMU-Umfeld, dies nur schon deshalb, weil es dort keine politischen Spiele zwischen der Telefonie- und der Datenabteilung gibt; in kleineren Unternehmen erledigt das gleiche Team meist beides.

(ubi)

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